The KVB - Minus one

The KVB- Minus one

A / Cargo
VÖ: 22.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Unknown pleasures

Zeitmanagement ist eben alles. Während andere Künstler für alles ewig brauchen und dabei dann oft doch nur Grütze rauskommt, hat sich das Londoner Duo The KVB einfach mal fünf Tage im Studio eingeschlossen, sein drittes Album "Minus one" in aller Kurzfristigkeit aufgenommen – und es dann zwei Jahre im Schrank gelassen. In der Zwischenzeit veröffentlichten die beiden munter ein paar andere Songs, unter anderem auch das Album "Immaterial visions", das erst in diesem Jahr erschien. Warum und zu welchem Zweck Nicholas Wood und Kat Day diese Erscheinungsweise bevorzugen und ob ihre Band irgendetwas mit den Kölner Verkehrs-Betrieben zu tun hat, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob sie, wie man munkelt, innerhalb dieser fünf Tage auch an einer Zeitmaschine gebastelt haben, um damit zwischen den 80ern und der Gegenwart zu pendeln. Zumindest erscheint es möglich angesichts der Klänge, die da auf "Minus one" stattfinden.

Diese reichen beim von tiefschwarzer Depri-Musik zum Heulen und Freuen – bitte beides gleichzeitig – im leider nicht endlosen "Endless" mit seinem dumpfen Gesang und der stromgeladenen Melodie über eine rumpelnd-kratzige Hommage an A Place To Bury Strangers bei "Something inside" bis hin zur Single "Again & again", bei der man stark annehmen darf, dass Ian Curtis doch noch lebt und sich nur in irgendeinem staubigen Londoner Studio versteckt. Dort singt er fleißig die Songs unbekannter Bands ein und bietet nebenher bei eBay auf seinen alten Küchentisch mit – und jeder, der weiß, welch traurige Bedeutung eben jener Küchentisch im Zusammenhang mit dem Sänger von Joy Division hat, wird auch gleich in die richtige Grundstimmung für "Minus one" versetzt.

Man könnte das Ganze fast als Soundtrack für dark-wavige-Stunden bezeichnen, wenn da nicht immer wieder die kleinen, krachigen Momente wären, in denen Wood und Day die grimmigen Gesichter zu einer verzerrten Fratze verziehen und die schwarzen Pullis abgegriffenen Lederjacken weichen. "Live or die" ist einer dieser Augenblicke, bei dem The KVB klingen, als wären sie schockgefrostet in einer Tiefkühltruhe in irgendeinem dreckigen Kellerloch verstaut und soeben aufgetaut worden und wollten sich für diese Missstände nun beim Vermieter beschweren, der längst weggezogen ist. Eine schlechte Nachricht nach der anderen für das Duo, ein besserer Song nach dem anderen für die Hörerschaft. Von einem ähnlichen Schlag ist auch das grandios bissige "Dominance / submission", während sich "Radiant hour" zum Schluss dann doch wieder etwas zurückzieht und Ian Curtis ein letztes Mal zeigen kann, wie sehr er eigentlich wirklich fehlt. Das zu ahnen, dafür braucht es auch The KVB nicht. Trotzdem schön, dass sie eine manchmal in Vergessenheit geratene Erinnerung wieder hochholen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Live or die
  • Endless
  • Dominance / Submission

Tracklist

  1. Again & again
  2. Something inside
  3. Passing by
  4. Live or die
  5. Endless
  6. Dominance / submission
  7. Kill the lights
  8. Radiant hour

Gesamtspielzeit: 32:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

noise

Postings: 633

Registriert seit 15.06.2013

2014-01-05 20:41:43 Uhr
Also mir gefällt es.
Klar, ist da "Joy Division" mit drin. Aber bei jedem der einen solchen cold/dark Wave Post-Punk spielt wird als Referenz gleich der Übervater genannt. Was aber überhaupt nicht schlimm ist. Außerdem kann man auch "A Place To Bury Strangers" und "Moon Duo" heraushören.
Finde es gut, dass es heute wieder solche Combos gibt.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2013-11-15 00:53:20 Uhr
=D Ja irgendwie hatte ich bereits beim Tippen so ein flaues Gefühl...*shame* Herr Albrecht wäre es natürlich gewesen.
Ich entschuldige mich hiermit und mache in der Küche kurz den Ian, okay? =)
Dass es eine ranzige Kopie von JD ist, dürfte aber außer Frage stehen.

@Fräge
Ich wollte erst "das gewisse Etwas eines Ian Curtis" schreiben. Ich lese mir meine Posts nur selten nochmal durch.

Btw, eine Band die sich so nennt wie die Kölner Verkehrsbetriebe hat sowieso direkt verschissen...
@Desare Nosbusch
2013-11-14 22:46:26 Uhr
Fail.
@Desare Nezitic
2013-11-14 22:38:22 Uhr
Wieso sollte Peter Hook den Gitarrenpart einspielen, wo er doch Zeit seines Lebens Bassist ist?
Fräge
2013-11-14 22:24:19 Uhr
Heißt das nicht vielmehr DER Bariton?!
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