Icona Pop - This is...

Icona Pop- This is...

Atlantic / Warner
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sex up our lives

Wenn Icona Pop Pop-Ikonen sind, hören wir umgehend auf zu schreiben. Da der Text hier noch nicht endet, trifft das auf den Schweden-Import nicht zu. Logisch.

Es ist im Grunde eine einfache Geschichte: Aino Jawo wird frisch von ihrem Freund verlassen, geht auf eine Party, bei der Caroline Hjelt als Gastgeberin die Mrs. Dalloway spielt, beide tanken sich raketenvoll und beschließen, "die beste Band aller Zeiten" zu werden. Ähnliches dachten sich Millionen andere Menschen auch. Bei den beiden jungen Besoffski-Mädels geht der Wunsch, Fortune und Fame zu ernten, einige Zeit später in Erfüllung, dank der Single "I love it" sowie der marktförderlichen Boost-Kraft von Coca-Cola-Light-Werbemaßnahmen, für die das Liedchen als Hintergrundberieselung diente. Was andernorts als "hyperkinetischer Electro-Pop", alternativ als "einzigartiger dramatischer Sound" gefeiert und von Hjelt als "Gleichgewicht aus Glücksgefühlen und Düsternis" beschrieben wird, entpuppt sich als Rohrbruch, für den eigentlich Gas-Wasser-Sch$%&e zuständig sein sollte. Da es hier aber um guten Musikjournalismus geht und nicht um sanitäre Geschäftlichkeiten, bleibt im Falle der Lobhudeleien um Icona Pop zu sagen: die Rechnung wurde ohne Plattentests.de gemacht.

Wer kennt sie nicht, die stampfenden Bass-Drums von "I love it", die jeden mittelschlechten Club bundesweit einnässen mit grandiosen Textzeilen wie "You're from the Seventies, but I'm a Nineties bitch, I don't care, I love it"? Die Beteiligung der Britin Charli XCX, aka Charlotte Aitchison, macht das dümmliche Absaufen von einem Opener, der obendrein noch die Perle dieses schmucklosen Silberlings ist, nicht minder besser. Wer mit grandios unterirdischen Kanalisations-Tauchfahrten liebäugelt, sollte diese Rezension unbedingt als Kaufanheizer lesen.

Schon bei der nächsten Single-Androhung "All night" zeigt sich die "einzigartige Dramatik" eben darin, mit welcher Zielsicherheit die Toilettenspülung des guten Geschmacks betätigt wird: ein billigst 4/4-getakteter und mit debilem Reverb-Tinnef aufgepimpter Discopumper, der mit Scooter-Beats, die sich durch jeden Song dieser musikalischen Verheerung von Debüt-Album hämmern, in die Weichteile verlegen will. Statistisch erwiesen ist, dass sich der Sexual-Akt in den Schlafzimmern der Bundesrepublik zumeist in diesem Taktmaß abspielt. "Bumm-bumm-bumm-bumm". Sex up our lives hört sich irgendwie doch anders an. Vor allem, wenn in der haltlosen Soundkloake von "Ready for the weekend" die Sängerinnen mit aufgepitchten Stimmchen wie mit Schlümpfen kopulierende Chipmunks klingen und die Hörerinnen und Hörer mit Frischfrikadellenfleisch an der Hörmuschel zurückbleiben.

Hier ist gar nichts mit "hyperkinetischem Elektro-Pop" und Dualismus von dunkel-hell. Da wundern sich die beiden Damen, warum solche Musik nicht schon vorher da war? Tja, war sie. Klangtüfteleien dieser Art kriegen The Glitch Mob immer besser hin. Auch unsere kleine Kylie hat mitten in ihrer 1980er-Ekel-Phase solche Songs mit zugehacktem Gehirn stilsicherer von der Stange gerissen. "This is..." ist im Großen und Ganzen so klar wie Klobrühe. Nicht auf die Bühnen oder als Beschallung von Tanzflächen, sondern in den Abort gehört dieses Produkt. Wer will denn auch das Primatenbalzen von Pseudo-Hipstern musikalisch unterfüttert wissen? Wir nicht.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • I love it (feat. Charli XCX)

Tracklist

  1. I love it (feat. Charli XCX)
  2. All night
  3. We got the world
  4. Ready for the weekend
  5. Girlfriend
  6. In the stars
  7. On a roll
  8. Just another night
  9. Hold on
  10. Light me up
  11. Then we kiss

Gesamtspielzeit: 33:03 min.

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