Muse - Hullabaloo

Muse- Hullabaloo

Motor / Universal
VÖ: 01.07.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alfredissimo

"Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt", heißt es in jedem zweiten Haushalt, in welchem entweder die Kochkünste der Mutter nicht über Spaghetti Bolognese hinausreichen oder die Toleranzgrenze des hungrigen Familienrestes bereits bei eben diesen endet. Doch nicht nur am Eßzimmertisch durchschnittlicher Familien ist dieses Problem bekannt. Auch ausgewiesene Fünf-Sterne-Köche wie die Jungs von Muse sind mit ihren Menükreationen schon in die Schußlinie verwöhnter Restaurantkritiker geraten. Während ihre "Showbiz"-Platte noch relativ risikolose Kost für Jedermann war und dementsprechenden Anklang fand, stellte der Hauptgang namens "Origin of symmetry" so manchen vor ernsthafte Verdauungsprobleme. Zu gewagt war die Kombination aus Elementen, die man sonst nicht auf dem gleichen Teller serviert bekommt und zu scharf die Gewürze, die Chefkoch Matthew Bellamy hinzugab. Da wollte nicht jeder Gourmet sein "magnifique" aussprechen.

Doch wer ein richtiger Küchenchef ist, der läßt sich selbstredend nicht davon abschrecken, wenn mal eine Mahlzeit nicht jedem auf der Zunge zergeht. Mit trotziger "Jetzt erst recht"-Attitüde werden bei Muse demzufolge die Reste aller bisherigen Festessen in die Mikrowelle gepackt und den Feinschmecker-Fans ein wilder Eintopf aus zehn B-Seiten serviert, der erneut nichts für empfindliche Mägen ist und unter dem Namen "Hullabaloo" in die Rezeptbücher eingehen soll. "Tohuwabohu" hätte es indes besser getroffen, denn auch im dritten Anlauf kochen Muse wieder ihr ganz eigenes Süppchen, daß vornehmlich aus Zutaten besteht, die andere Köche nicht mal in ihren kühnsten Träumen in den gleichen Topf werfen würden.

"Forced in" verzichtet gleich zu Beginn auf die Beimischung von Grundnahrungsmitteln wie Melodie oder Gesang und baut stattdessen ein zartbitteres Mahl um das nackte Gejaule von Matthew Bellamy herum. Für Turbulenzen in Bauch und Ohr sorgen später das ausgesprochen leckere "Yes please" und das eher versalzene "Recess". Obwohl beide mit scharf gewürzten Gitarren aufwarten, schmackhafte Space cookies als Beilage reichen und Bellamy klingen lassen, als hätte ihm jemand in die Weichteile gezwickt, liegen doch ganze Galaxien zwischen den geschmacklichen Ergebnissen. Die Linie zwischen Gaumenschmaus und Dickdarmdesaster ist im museeigenen Universum beängstigend dünn geworden.

Eindeutig in die Kategorie "nur für Pferdemägen" fällt dann, was Hullabaloo auf dem zweiten Silberteller als Nachspeise auftischt. Ein elfteiliges Live-Dokument präsentiert die Band auf der Bühne noch mal drei Schippen zerfahrener, ruppiger und wahnsinniger als in der Küche. Bellamy versucht gar nicht mehr zu singen, stattdessen wimmert und winselt er in einer Tour, so daß unbedarfte Leckermäuler sich schon mal fragen können, ob da nun tatsächlich der Muse-Mann kreischt oder vielleicht doch Kochduell-Zeremonienmeisterin Britta von Lojewski ihre Stimmbänder stranguliert. Schließlich wird bei der auch gerne gekocht. Es könnte aber vielleicht mal endlich jemand den Topf von der Platte nehmen. Oder die Hand.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Yes please
  • Hyper chondriac music
  • Showbiz (live)

Tracklist

  • CD 1
    1. Forced in
    2. Shrinking universe
    3. Recess
    4. Yes please
    5. Map of your head
    6. Nature_1
    7. Shine (Acoustic)
    8. Ashamed
    9. The gallery
    10. Hyper chondriac music
  • CD 2
    1. Dead star (live)
    2. Micro cuts (live)
    3. Citizen erased (live)
    4. Showbiz (live)
    5. Megalomania (live)
    6. Dark shines (live)
    7. Screenager (live)
    8. Space dementia (live)
    9. In your world (live)
    10. Muscle museum (live)
    11. Agitated (live)

Gesamtspielzeit: 91:14 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 13088

Registriert seit 07.06.2013

2016-06-12 03:16:19 Uhr
Auch eins meiner liebsten. und ja, wo die gitarre stirbt. aber schon vorher, wenn bellamy proklamiert, dass er einen garantiert niemals liebte und niemals wollte.

Huhn vom Hof

Postings: 1028

Registriert seit 14.06.2013

2016-06-12 00:16:19 Uhr
@Affengitarre
Ja, ein grandioses Lied und viel besser als das originale "Hyper Music" auf OOS. Der beste Moment kommt nach circa 4:15 Minuten, wenn die Gitarre stirbt.

Affengitarre

Postings: 3957

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-11 23:59:58 Uhr
"Hyper chondriac music" ist so toll, der klingt für mich so, als müsste er während den Credits eines guten Films laufen. Gänsehaut.
Egon Hugo
2016-06-10 15:54:11 Uhr
Ich dachte immer der Titel sei von Abdreas Gabalier.

edegeiler

Postings: 1186

Registriert seit 02.04.2014

2016-06-10 15:04:29 Uhr
Übrigens: 5/10 und Kochmetaphern in der Rezension. Ganz großes Kino.
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  • Muse (210 Beiträge / Letzter am 23.02.2018 - 04:54 Uhr)