Splashh - Comfort

Splashh- Comfort

Luv Luv Luv / Rough Trade
VÖ: 18.10.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Hase und Igel

"Ich bin schon da!", ruft nicht nur die Igeldame, wenn der Hase nach mehreren Runden Wettrennen erschöpft und übertölpelt über der Ackerfurche zusammenbricht. Nein, auch den zehn Tracks auf "Comfort", dem leichtfertigen Debüt der vier Neu-Londoner Splashh, könnte man diesen Aufruf mühelos in den Mund legen. Denn nach nur knapp mehr als einer halben Stunde sind sie flux schon wieder vorbei und haben jeder für sich zumeist gerade so an der 3-Minuten-Grenze gekratzt. Doch während sich Genrekollegen aus der Puste spielen und dabei zuweilen lärmend übers Ziel hinausschießen, liegt gerade in der verknappten Konsequenz des Splashh-Debüts Güte und führt zu einer gelungenen, reminiszenten Psychedelic/90s-Garagerockplatte.

Während andere DIY-Alben mit Schlafzimmeraufnahmen ruhige und beschauliche Nächte einfangen, fixiert "Comfort" die nonchalante Ausstrahlung des Durchmachens zwischen Pizzaschachteln und Kippenstummeln. Vielleicht ist es sogar die kürzeste Nacht des Jahres, denn der verwaschen verzerrte Gesang Sasha Carlsons zerstäubt eine Brise sommerlicher Unbeschwertheit und fordert nicht nur im krachigen Glanzstück "Vacation" den Aufbruch in zerstreuende Welten, auch wenn man dafür nur mit dem Kopf unter Wasser muss. Hauptsache: W wie weg. Treue Begleiter auf diesem Trip ins Ungewisse sind ein stoisches Dröhnen und ein markiger Basslauf, die jeden Anflug von Trübsinn spielend beiseite räumen. Wenn man dir eine "Strange fruit" gibt, mach "Lemonade" draus! Auch in "All I wanna do" sieht man die Jünglinge eher kirschkernweitspuckend im Baum sitzen, als sich die schweren Köpfe gedankenversunken gegenseitig an die Schultern legen. Wieso sollte das Leben aber auch nicht süß sein, wenn man kurz und knapp die Koffer in Neuseeland und Australien packt, sich in England als Band zusammenrauft und bald darauf die ewig jungen Rolling Stones auf einem ihrem Sommerkonzerte begleitet. So lassen sich dann auch "Need it" und "Green & blue" von zusätzlichen Synthies durch den faulenzenden Hall treiben und "Lost your cool" schon beinahe sakral-orgelnd, trotzdem ohne allzu große Ambition auf Sphären fernab von Lo-Fi, anzetteln.

Neu ist der Splashh-Sound so also keineswegs, allerdings hilft die Unbekümmertheit der Anfang-Zwanziger igel-trickreich dabei, immer schon spielend leicht und mühelos erfolgreich dort zu sein, wo andere gern sein möchten. Und auch wenn dieser Platz vielleicht nur am nächstbesten Pool ist, möchte man nach diesen dreißig Minuten auch eine Band mit seinen besten Kumpels auf den Weg bringen und von wolkenloser Leichtigkeit nach der nächsten Zeitumstellung träumen.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • All I wanna do
  • Vacation
  • So young

Tracklist

  1. Headspins
  2. All I wanna do
  3. Need it
  4. Vacation
  5. So young
  6. Lemonade
  7. Feels like you
  8. Green & blue
  9. Strange fruit
  10. Lost your cool

Gesamtspielzeit: 31:49 min.