Pajaro Sunrise - Kulturkatzenjammer

Pajaro Sunrise- Kulturkatzenjammer

Lovemonk / Groove Attack
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Auf den Füßen gelandet

Yuri Méndez Jr. ist schon ein armer Tropf. Wer? Genau. Der Mensch hinter dem spanischen Projekt Pajaro Sunrise konnte in den vergangenen Jahren im Grunde machen, was er wollte, und wurde dennoch nie so richtig beachtet. Zu sehr schwankten seine Alben zwischen Kitsch und Nüchternheit, zu oft gesellten sich zu einigen wirklich tollen Stücken wieder diese fiesen Füller, die man zu skippen nie müde wurde und die einem irgendwann schließlich auch den Rest abspenstig machten. Méndez wurde irgendwann zu einer Mischung aus Jack Johnson, Jason Mraz und José González für Arme, über den sich die Kritik zwar durchaus löblich äußerte, der es aber jenseits der Musikpresse kaum schaffte, die Menschen wirklich zu berühren. Mit seinem vierten Album "Kulturkatzenjammer" wagt er einen neuen Versuch und nahm das komplette Werk in Eigenregie auf, produzierte es selbst und spielte fast alle Instrumente selbst ein. Und wie es nun mal so ist mit den Erwartungen: Hat man erstmal keine, kommt alles anders. Von Katzenjammer kann hier jedenfalls keine Rede sein.

Womöglich liegt es daran, dass Pajaro Sunrise im Jahr 2013 endlich nach Pajaro Sunrise klingt, oder zumindest nicht nach jedem anderen x-beliebigen Singer-Songwriter, der mit Klampfe in der Hand ein paar rührselige Dramen zum Besten gibt. Im Gegenteil: Méndez bewegte sich erstmals weg vom Folk-Pop der vergangenen Alben und mehr hin zu kleinen, aber feinen elektronischen Elementen, und macht "Kulturkatzenjammer" damit spannender, als man es für möglich gehalten hatte. Das düstere "A love like mine" mit seinen schwer aufstampfenden Percussions und der wunderbaren Streicheruntermalung dürfte Fans der ersten Stunde ebenso überraschen, wie neue Hörer entzücken, wohingegen "Move like a ghost" mit seinem Mix aus künstlich hergestellten Geräuschen und richtigen Instrumenten zu überzeugen weiß.

Die Single "Good to see you" zeigt nebenbei, was Méndez natürlich auch die letzten Jahre schon so gut beherrschte und bisher nur so selten wirklich darbieten konnte: Zu der eingängigen poppigen Melodie gesellt sich seine ruhige Stimme, die er an den richtigen Stellen anzuheben weiß und dem Stück damit ein warmes Gewand umlegt, das im Sommer zum Rausgehen und im Winter zum Einkuscheln einlädt. Musik für alle Jahreszeiten? Ganz bestimmt sogar. Zum Ende seines vierten Werks setzt der Madrilene schließlich alles auf eine Karte, baut im durch und durch folkigen "Sink or swim" die Brücke zu seinen früheren Alben und berührt damit ganz tief unter der Haut, während die rohe Produktion vom komplett akustischen "God doesn't care anymore" ein echter Glücksmoment auf "Kulturkatzenjammer" ist. Nach einem langen, ungewissen Fall scheint Yuri Méndez Jr. doch noch auf seinen Füßen gelandet zu sein, und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als kaum noch einer nach ihm geschaut hat. Höchste Zeit, die Augen wieder aufzumachen und Ausschau zu halten.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Good to see you
  • A love like mine
  • Sink or swim
  • God doesn't care anymore

Tracklist

  1. Hopefully (Part 1)
  2. Good to see you
  3. Long forgotten flowers
  4. Minolta
  5. A love like mine
  6. Gorgeous Georgia
  7. This place
  8. This vision
  9. Il sorpasso
  10. Passing birds
  11. 086
  12. Move like a ghost
  13. Sink or swim
  14. God doesn't care anymore
  15. Hopefully (Part 2)

Gesamtspielzeit: 45:40 min.

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