Crystal Antlers - Nothing is real

Crystal Antlers- Nothing is real

Innovative Leisure / Al!ve
VÖ: 18.10.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

In Sofaspalten

Lasst uns doch zur Abwechslung mal über eine Band sprechen, über die man sonst so wenig liest. Zum Beispiel über Crystal Antlers. Die haben bis dato schon zwei grundsolid-rockende Alben veröffentlicht und wurden je nach Alkoholpegel mit Crystal Stilts, Crystal Fighters oder Crystal Castles verwechselt. Dabei hat das kalifornische Quartett wenig bis nichts mit den anderen Gruppen gemein. Die vier Jungs um Frontmann Jonny Bell sind an Noise, Posthardcore und Indierock klassischer Prägung geschult und verbinden diese Einflüsse auch auf ihrem dritten Album "Nothing is real" zu einem schlüssigen Ganzen. Dass sich weite Teile der Menschheit dafür nun überhaupt nicht interessiert, ist in erster Linie schade, aber auf mehr haben es Bell und Co. wohl ohnehin nicht angelegt. Die Guten sind ja sowieso informiert.

Bei alledem haben es Crystal Antlers auch logistisch nicht so einfach. Drittes Album, drittes Label, das klingt per se schon mal nach instabilen Verhältnissen, auch wenn die Band selbst wohl am wenigsten dafür kann. Ihre Songs brechen gerne mit den branchenüblichen Konventionen und auch wenn sie sich selten entscheiden können, welche Vorzeige-Rockband sie sich nun schon wieder am ehesten zum Vorbild nehmen, bleiben sie stets auf merkwürdige Weise geradlinig. Hätte man auf dem Vorgänger noch auf die Chaoten von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead als hauptsächliche Einflussgeber getippt, so scheint das dritte Album vor allem an Dinosaur Jr. und die mittlere Schaffensphase der Foo Fighters erinnern zu wollen. Insbesondere das tolle "Rattlesnake", bester Song der Platte, überzeugt mit einer Melodie, die man sich auch ganz gut auf den Platten "der Großen" vorstellen könnte. Dass gleich darauf mit "Licorice pizza" wieder ein stures Noise-Brett folgt, unterstreicht mal wieder das Wesen dieser Band.

Das so herrlich gelangweilt vorgetragene "We all gotta die" zelebriert nuscheligen Sofaspalten-Indierock, während das verträumt-leiernde "Don't think of the stone" mal ordentlich das Tempo rausnimmt und den Hörer auf eine Reise durch das Innere einer Lavalampe einlädt. In "Wrong side" erklingen Posthardcore-Gitarren, aber natürlich ohne sich dem großen Ausbruch hinzugeben, schließlich ist "Nothing is real" die bis dato entspannteste Platte der Kalifornier. Crystal Antlers lassen Songs geschehen, die in ihrer liebevollen Beiläufigkeit nur selten richtig aufregend sind, aber immer ein Ohr wert. Wer in diesen hitzigen Zeiten also zur Abwechslung mal relativ hyperesistenten Indierock hören möchte, darf sich gerne die Zeit nehmen. Der Rest liest diesen Text hier ja wohl sowieso nicht.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Rattlesnake
  • We all gotta die
  • Wrong side

Tracklist

  1. Pray
  2. Rattlesnake
  3. Licorice pizza
  4. We all gotta die
  5. Paper thin
  6. Persephone
  7. Anywhere but here
  8. Don't think of the stone
  9. Wrong side
  10. Better things
  11. Prisoner song

Gesamtspielzeit: 41:33 min.

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