Wyclef Jean - Masquerade

Wyclef Jean- Masquerade

Columbia / Sony
VÖ: 17.06.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Maskenbildner

Dieser Wyclef ist schon ein komischer Vogel. Nicht wirklich der begnadete Musiker, für den er sich selbst ganz gerne mal hält, und sicherlich auch nicht meisterhaft im Wiederaufbereiten totgedudelter Klassiker, aber trotzdem einer, dem man ums verrecken nichts übel nehmen kann. Vielleicht weil der scherzkeksig veranlagte Clef ein Showman vor dem Herrn ist, dem keiner was vor macht, wenn es darum geht, die Leute zu unterhalten. Oder weil er das Mastermind hinter einer Platte namens "The score", dem bis heute meistverkauften und für nicht wenige sogar besten Kommerz-HipHop-Blockbuster aller Zeiten war.

"The score" ist ja nun bekanntermaßen die bisher letzte Platte der Fugees gewesen, nach welcher sich die Wege von Wyclef, Lauryn Hill und Pras nicht nur trennten, sondern vor allem in komplett unterschiedliche Richtungen entwickelten. Für Lauryn in Richtung Grammy-Ruhm und MTV Unplugged-Ehren, für Pras nach ein, zwei Single-Hits in Richtung Abstellgleis und für Wyclef sogar in Richtung eines Musikers, der außerhalb der Grenzen von HipHop-Country mit zwei Solo-Alben Respekt einheimsen konnte. Dabei waren weder "The carnival", noch "The ecleftic" bahnbrechend gut. Sie überraschten einfach durch einen wilden und mutigen Stilmix aus Soul und Reggae, Funk und Pop, sowie Hip und Hop.

Nun ist das dritte Wyclef-Album fertig, wurde auf den Namen "Masquerade" getauft und bietet strenggenommen das gleiche wie seine Vorgänger. Zwar steckt Mr. Jean in punkto Musikalität nach wie vor einen Großteil seiner Kollegen in die Tasche, aber gemessen an seinen eigenen Werken ist Wyclefs Neue dann doch ein verhältnismäßig lauer Aufguß altbekannter Standards. Etwas mehr Rap als zuletzt, dafür wieder weniger Reggae, dazu die obligatorischen Neuauflagen immer gern gehörter Gassenhauer und jede Menge kalkuliertes Chaos.

Daß der witzige Wyclef der beste ist, zeigen das einminütige "Message to the streets"-Intro, in welchem Clef sich als augenzwinkernder Moralapostel ein zackiges Wortduell mit einem Gangster-Kid liefert und - man höre und staune - ein Cover von Tom Jones' "What's new pussycat?", für welches die lebende Vegas-Leiche sogar aus ihrer Gruft im Ceasar's Palace ausgebuddelt wurde. Hier läßt es sich noch vorzüglich schmunzeln, wenn Wyclef aber in seiner elfterseptemberesquen "Knockin on heaven's door"-Version auf tote Hunde einprügelt oder mit "Two wrongs (don't make it right)" als erste Single einen allzu offensichtlichen Rip-Off seines eigenen "911"-Hits auspackt, legt sich unsere Stirn in tiefe Sorgenfalten. Wirklich böse können wir Wyclef natürlich noch immer nicht sein, aber es fiel auch schon schwerer, den ewigen Ex-Fugee nicht zu mögen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Message to the streets
  • Masquerade
  • Pussycat

Tracklist

  1. Message to the streets
  2. Peace god
  3. PJ's
  4. 80 bars
  5. Masquerade
  6. 1-800-Henchman interlude
  7. You say keep it gangster
  8. Party like I party
  9. Oh what a night
  10. Hot 93.1/interlude
  11. Pussycat
  12. Midnight lovers interlude
  13. Two wrongs (Don't make it right)
  14. Instant request
  15. Thug like me
  16. Daddy
  17. Knockin on heaven's door
  18. The eulogy
  19. War no more
  20. The mix show

Gesamtspielzeit: 59:00 min.

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  • Wyclef Jean (2 Beiträge / Letzter am 07.08.2010 - 01:35 Uhr)