Tango With Lions - A long walk

Tango With Lions- A long walk

Inner Ear / Rough Trade
VÖ: 18.10.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Warmer Schauder

Das Tolle an Musik: Man kann ihr fast immer eine gewisse Funktion zuordnen. Da gibt es die Platten, die vor allem daheim im intimen Zirkel an verschneiten Winterabenden funktionieren. Da gibt es viele Alben, die für Partys geschaffen zu sein scheinen und wiederum andere, die schiefe metaphorische Ebenen zwischen hell-dunkel und laut-leise bis zum letzten Ton konsequent begehen. Man könnte noch lange so weiter machen. Im Grunde genommen verhält es sich mit der Musik jedenfalls oftmals so, dass ein gewisser Verwendungszweck quasi vorab eingeschrieben ist. Und bevor jetzt jemand ob des Wortes "Verwendungszweck" auf die Idee kommt, den Musikgenuss mit Überweisungsscheinen gleichzusetzen: Zum Glück gibt es auch eine ganze Menge an Bands, deren Wirkmacht sich nicht ganz so leicht in Worte fassen lässt. Neuster Zugang in dieser Riege: Tango With Lions.

Die kommen direkt aus dem sonnigen und zumeist viel zu warmen Athen. Formen aber dennoch Songs, die sich vor allem in arktischen Gefilden wohl fühlen dürften. Das behaupten zumindest die verhallten Gitarren, der düster knarzende Bass und ein Gesangsvortrag, der seine Hörer manches Mal Rätseln lässt, ob man nicht versehentlich bei Goldfrapp gelandet ist. So weit, so klar also. Wären da nicht all die kontrastiven Elemente, die die Band um Sängerin und Bassistin Katerina Papachristou vielerorts in ihrem Zweitwerk "A long walk" verteilt. Immer wieder wird die verwischte Kälte durchbrochen, werden Melodien ausgepackt, die mal eben mit kräftigen Sonnenstrahlen auch das dickste Eis schmelzen lassen. Elemente, die man zunächst gar nicht vermutet, tritt doch der Opener "Slippery roads" geradezu stoisch den direkten Weg in den Eisschrank an. Ein Weg, den man gerne verfolgt, wohlverstanden. Auf dessen Rand sich aber bereits erste kleine Anzeichen finden. Dafür, dass man hier beileibe nicht lediglich Tiefkühlkost geboten bekommt. Hier ein paar verhuschte Bläser, da ein Gitarrenlick, das auch auf verschwitzten Tanzflächen funktionieren könnte. Man ahnt es: Irgendwo hier im Eis gibt es wärmende Feuer. Das erste findet man bereits im folgenden Titeltrack, im furiosen Warm-kalt-Wettstreit von akustischer und elektronischer Gitarre. Den die akustische am Ende gewinnen darf. Und so die Bahn frei macht für eine wohlig tönende Trompete. Und für das Doppel aus "Rainy fall" und "Kite." Songs, mit denen Tango With Lions den Boiler anmachen. Erst mit einer wunderschönen wie rührseligen und trotzdem nicht kitschigen Klavierballade, dann mit einem geradezu fröhlichen Abstecher in Richtung Uptempo. Vor allem aber stets mit einer ungeheuren Portion Verve.

Für Abwechslung ist also gesorgt, auf "A long walk". Schließlich beherrschen Tango With Lions neben oder vielmehr gerade wegen dem sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehenden Spiel von Wärme und Kälte auch den (Eng-)Tanz auf gänzlich anderen Abstraktionsebenen. So bekommt dieses Album einen bisweilen geradezu erotischen Habitus verpasst, was gerade im verschleppten "People stare" deutlich zu Tage tritt. Ein Stück, das sich von Takt zu Takt mehr an sich selbst berauscht und dessen im Vergleich fast schon aufbrausende Gitarren perfekt mit dem kühlen Gesang harmonieren. Überhaupt gibt sich die zweite Hälfte von "A long walk" verrauchter, mysteriöser und aufgeladener. Wo ist der "Ab 18"-Sticker?

(Martin Smeets)

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Highlights

  • A long walk
  • Rainy fall
  • Kite
  • Obituary

Tracklist

  1. Slippery roads
  2. A long walk
  3. News
  4. Rainy fall
  5. Kite
  6. People stare
  7. Obituary
  8. Where heroes die
  9. Over the neon lights
  10. Playground

Gesamtspielzeit: 43:26 min.

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Postings: 1864

Registriert seit 26.07.2013

2013-11-07 18:26:04 Uhr
MartinS,
weil die Band in Info-Datenbanken zu kaum vertreten ist, fehlt es mir in der Rezension an einigen einfachen Angaben. Aus welchen Genres nehmen die Einflüsse für ihren Rock (?).

MartinS

Postings: 438

Registriert seit 31.10.2013

2013-11-07 16:44:18 Uhr
Sehr schöne Platte. Hat schon nen eigenen Thread verdient.
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