Filthy Boy - Smile that won't go down

Filthy Boy- Smile that won't go down

Stranger / Indigo
VÖ: 01.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Voyeur aus Liebe

Paraic Morrissey ist zwar nicht mit Steven Patrick Morrissey verwandt, klingt dafür aber wie Franz Ferdinands Alex Kapranos, wenn er sich ans Mikrofon stellt. Seine Band heißt Filthy Boy und erinnert stilistisch stark an die längst aufgelösten Libertines, deren Leadsänger Pete Doherty den Titel des "filthiest boy alive" gepachtet hat, trägt er doch den Dreck unter den Fingernägeln wie andere Lack obendrauf. Jede Menge britische Rockgeschichte steckt auch in dieser Viererkombo, alles passt irgendwie zusammen, und im Vereinigten Königreich sind Morrissey und seine Jungs zum Geheimtipp avanciert und begleiteten unlängst den Hype-Rapper King Krule auf Tour. Ihr Debütalbum "Smile that won't go down" ist gespickt mit allerlei Schweinkram. Filthy Boy machen ihrem Namen also alle Ehre.

"The lollipop waits just for you / Don't try to resist me", heißt es in "Naughty corner", wenn Morrissey sein weibliches Gegenüber zum Schämen in die Ecke stellt und ein "that's an order" hinterherschiebt Die meldodieführende Gitarre hopst verspielt durch die Szenerie und gipfelt zur Hälfte des Tracks hin in einem hübschen Solo. "Waiting on the doorstep" erzählt vom Pantoffelheldendasein: Immer wenn der Ehemann am Abend heimkehrt, hat seine Holde die Handwerker im Haus, die ihr umfassend zur Hand gehen. "And maybe some day / Maybe I could join in too / Until then I'll be outside", verspricht er seiner Gattin und wartet in verzweifelter Geilheit auf den lang ersehnten Stich. Der Titel stolpert durchs Gelände, bleibt genauso standhaft wie sein Protagonist geht dann sicher nach vorne. "Spiral eyes" eröffnet wesentlich ruhiger: Im Intro trifft die sachte klimpernde Akustikgitarre auf ihre gezupfte Elektroschwester, nach einer guten halben Minute setzt der Beat ein, die Gitarren verschwimmen im flüchtigen Gejohle des Chors. Gegen Ende zieht das Tempo an, und der Track zerfällt mit dem heranziehenden Tornado.

Filthy Boy machen dabei nichts, was noch nie dagewesen wäre, sondern verfahren vielmehr nach dem "Aus-alt-mach-neu"-Prinzip und upcyclen den britischen Indie-Rock der frühen Nullerjahre bravourös. Ihre Texte sind weitaus weniger anzüglich als sexy – da wird der Hörer wird unweigerlich zum Voyeur, aber das nur aus Liebe. Filthy Boy sind der Herzchenflicken für die durchgescheuerte Lieblingsjeans – und die kommt schließlich nie aus der Mode. Auf diesem mehr als respektablen Erstlingswerk brauchen sich die Südlondoner also vor niemandem zu verstecken. Außer vielleicht vor den Nachbarn, in deren Schlafzimmer sie gerade spähen.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Naughty corner
  • Waiting on the doorstep
  • Spiral eyes

Tracklist

  1. In the name of
  2. Naughty corner
  3. Waiting on the doorstep
  4. Jimmy jammies
  5. Charm of the dangerous minx
  6. When everyone cheers
  7. Mental conditions
  8. Spiral eyes
  9. That life
  10. Biggest fan ever
  11. Oh dear

Gesamtspielzeit: 42:33 min.