Cave - Threace

Cave- Threace

Drag City / Rough Trade
VÖ: 01.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gescheitere Existenzen

Manische Depression schlägt Schizophrenie – das ist spätestens seit der Jahrtausendwende bekanntlich die Pathologie von Postrock. Geräuschwand statt Genrehopping, Geräuschwand statt Soundmodulation und Geräuschwand statt multifunktionaler Arrangements. Oder auch: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Ins Abseits gedrängt wurde dadurch so einiges zwischen Tortoise, Trans Am oder Tristeza. Und gewonnen hat alles, was unfallfrei aufs Boss-Distortion-Pedal treten kann. Nun gut, natürlich stand hierbei stets auch der Vorwurf im Raum, man habe es beim Alternativmodell im Grunde nur mit gescheiterten Krautrockern zu tun. Was mitunter gewiss auch stimmen mag – allerdings nur insoweit, wie man Sigur Rós bisweilen mit einem alten Sesambrötchen und Explosions In The Sky mit einem ausgeschalteten Fernseher verwechseln kann. Cave aus Chicago? Verfolgen auch auf ihrem dritten Album "Threace" hartnäckig den Fusion-Ansatz und zählen damit nach dem endgültigen Aus für die britischen Billy Mahonie umso mehr zu einer äußerst bedrohten Spezies in Postrockland.

Für Caves Musik bedeutet das: eine Menge Taktarten fern von gerade und ungerade, letztlich gar jenseits von Gut und Böse, Großstadt-Saxophon und Vogelzwitscher-Querflöte zu Space-WahWah, verschwitzte Percussions auf Jazz-Ridebecken sowie ganz allgemein lieber Gegniedel und Psych-Rock-Riffing als Gebratze und Bombast. Der Spannungsaufbau von Songs wie "Arrows myth" und "Silver headband" ergibt sich hingegen aus rhythmischen Synkopierungen, dem Spiel zwischen den Genres oder dadurch, dass wie beim Opener der Beat anzieht und dabei ein zweitaktiges Funk-Riff in einen züngelnd durchgezogenen Einzeltakt presst. Ja, letztlich sind das ebenso simple Tricks wie das ewige Laut-und-Leise und Drama-Score-Management. Der Vorteil jedoch ist, dass man Cave derart grundentschlackt einfach beim versiert versponnenen Spielen zuhören kann.

Da greifen dann auch flugs ein paar weitere liebgewonnene Vokabeln: Bass und Schlagzeug funktionieren auf "Threace" wahrlich wie zwei Uhrwerke, die zwischen Jazz, Funk und Dub ohne Reggae keine einzige Taktverschiebung aus der Ruhe bringt. Der Sound ist rund, warm und akzentuiert. Und auch die Gitarren spielen zwar grundbefreit auf, übertreiben aber nie den Jam und feudeln auch keinerlei geschwätzige Planlosigkeit über ihre Hälse. Vielmehr bleibt bis zum abschließenden tiefenentspannten Groove von "Slow Bern" der lange Atem erste Würger-Pflicht und sticht Atmosphäre Daddelei. Okay, okay, dann ist das eben wie Post-Krautrock – um daran zu scheitern, ist "Threace" allerdings viel zu gescheit.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Silver headband
  • Arrows myth

Tracklist

  1. Sweaty fingers
  2. Silver headband
  3. Arrows myth
  4. Shikaakwa
  5. Slow Bern

Gesamtspielzeit: 41:46 min.