Annihilator - Feast

Annihilator- Feast

UDR / EMI
VÖ: 23.08.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wechselwirkungen

Wie misst man eigentlich Konstanz? Betrachtet man lediglich Anzahl und Regelmäßigkeit von Plattenveröffentlichungen, so darf man Jeff Waters sicherlich diese Konstanz unterstellen, schafft es der Kanadier doch immer wieder, mit seiner Band Annihilator solide bis hervorragende Alben zu produzieren. Betrachtet man jedoch die Bandentwicklung an sich, so drängt sich der Eindruck auf, Annihilator seien nicht mehr als Waters' Soloprojekt mit externer Begleitung. Und angesichts ungezählter Lineup-Wechsel seit dem Debüt "Alice in Hell" von 1989, vor allem auf dem Posten hinter dem Mikrophon, mag dieser Eindruck durchaus zutreffend sein. Dennoch scheint Waters überwiegend seinen Frieden mit der aktuellen Bandbesetzung gefunden haben, gehört "Feast" doch zu den wenigen Alben, das mit Ausnahme des Drummers in weitgehend ähnlicher Besetzung wie der Vorgänger eingespielt wurde.

Und das hört man. Insbesondere Sänger Dave Padden merkt man an seiner Routine an, dass er mittlerweile zehn Jahre mit dem unbestrittenen Bandchef zusammenarbeitet. Entsprechend kompakt klingt "Feast" bereits auf den ersten Takten, denn "Deadlock" und "No way out" sind genau diese Art von gnadenlosen Thrash-Anheizern, die gerne einmal als "Abrissbirne" bezeichnet werden. Donnernde Riffs und pfeffernde Doublebass bereiten den Boden für einpeitschende Vocals und natürlich für Waters' unverkennbare wieselflinke Soli, die mit ihrer Klasse allzu oft das einzige verbindende Element zwischen diversen stilistischen Irrungen der Kanadier waren. Dass der derbe Groove im Mittelteil von "No way out" ein wenig mehr Druck in der Produktion vertragen könnte, ist dann auch einigermaßen nebensächlich.

Solcherart aufgewärmt darf die Nackenmuskulatur bei "Smear campaign" erst recht zeigen, was in ihr steckt. Und das muss eine ganze Menge sein, denn die musikalische Abrechnung mit Forentrolls und Shitstorm-Junkies auf Blabbermouth und Konsorten überzeugt mit gnadenlosen Ohrwurm-Riffs zum Ausrasten, die Waters in dieser Güteklasse lange nicht produziert hat. Hier bin ich Moshpit, hier darf ich's sein. Nach dieser dreifach verstärkten Wand zeigen sich Annihilator durchaus variabel, abwechslungsreicher als noch auf den Vorgängeralben. "No surrender" zum Beispiel zeigt sich bisweilen funkig, bevor der Refrain brutalst dazwischen stampft, "Wrapped" grüßt nicht nur Dank Unterstützung von Landsmann Danko Jones dezent in Richtung Motörhead, und "Perfect angel eyes" ist gar eine fragile Ballade, die Waters seiner Frau gewidmet hat. Ja, auch Thrasher können Gefühle. Der wunderbare Abschluss "One falls, two rise" wirft dann auf achteinhalb Minuten alles in die Waagschale, was Annihilator schon immer ausgemacht hat. Sachte, balladesk beginnend, steigert sich der Song immer und immer weiter, um endlich in wüstem, aber technisch hochwertigem Geknüppel zu eskalieren.

Dass Jeff Waters, dem es eh nicht an Selbstvertrauen mangelt, von "Feast" überzeugt ist, zeigte er schon im Sommer in Wacken, als er weit vor Veröffentlichung schon den ein oder anderen neuen Song präsentierte. Aber auch die Fans würdigen das Album mit dem höchsten Charteinstieg einer Annihilator-Platte überhaupt. Es wäre vermessen zu behaupten, "Feast" könne irgendwie an das großartige Debüt oder dessen Nachfolger "Never, neverland" heranreichen. Aber angesichts manch unentschlossener Veröffentlichungen, bei denen Waters Bandmitglieder schneller auswechselte als Eishockeytrainer ihre Stürmerblöcke, ist "Feast" ein Album, das vor Spielfreude und Kompaktheit an alte Klasse heranreicht. Was so ein konstantes Line-Up eben so ausmacht.

(Markus Bellmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • No way out
  • Smear campaign
  • One falls, two rise

Tracklist

  1. Deadlock
  2. No way out
  3. Smear campaign
  4. No surrender
  5. Wrapped
  6. Perfect angel eyes
  7. Demon code
  8. Fight the world
  9. One fall, two rise

Gesamtspielzeit: 49:37 min.

Bestellen bei Amazon

Anhören bei Spotify