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Midlake - Antiphon

Midlake- Antiphon

Bella Union / Cooperative / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.11.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dagegen!

Die griechische Präposition und Vorsilbe "anti" bedeutet "gegen" oder "anstelle von". Man begegnet ihr etwa im Auto, wenn das Antiblockiersystem seines Amtes waltet. Ebenso beim Aufstellen einer Antithese oder auch bei akuter Antipathie, etwa gegenüber antiautoritären Antihelden. Dass das vierte Midlake-Album "Antiphon" genannt wurde, was so viel wie "Gegengesang" oder auch "Wechselgesang" heißt, hat allerdings nichts mit einem Faible für besagte indogermanische Sprache zu tun, sondern damit, dass es in gewisser Hinsicht ganz in der Tradition des Call-and-response-Prinzips steht. Denn es ist als Antwort zu verstehen. Auf einen Wechsel, der zunächst keineswegs wie gerufen kam – Frontmann Tim Smith verließ vor gut einem Jahr die Band, um seine musikalischen Visionen in Zukunft alleine zu verwirklichen.

Ungünstig nur, dass Midlake zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre lang am Nachfolger zu "The courage of others" gearbeitet hatten und dieses Material ohne Smith nicht mehr angerührt werden durfte. Alles, was der Band blieb, war ein Instrumental namens "Vale", das sie ohne ihren Sänger aufgenommen hatten. Es ist das Herzstück von "Antiphon" geworden: eine eindrucksvolle Jam-Session, die in einen von einer Querflöte angeführten Quasi-Jazz-Part übergeht, der sich wiederum in bester psychedelischer Manier weiterentwickelt. Es hätte also eine Lösung sein können, Midlake nach dem Weggang ihres Sängers einfach in eine instrumentale Band zu transformieren – schließlich sind die Herren aus Denton, Texas, allesamt höchst versierte, studierte Jazzmusiker. Sie haben sich dann aber doch anders entschieden: Gitarrist Eric Pulido singt jetzt.

Allerdings ist der Unterschied zwischen Smith und Pulido, auch wenn letzterer deutlich schnörkelloser intoniert, bei weitem nicht so groß wie die musikalischen Veränderungen auf "Antiphon": mehr Psychedelik, Fokusverschiebung von Folk auf Rock, mehr brokatschwere Opulenz, dafür einfachere Melodien, grobkörnigere Melancholie, verwunschene Düsternis mit wegweisenden Keyboards, furchtlose Gitarrenriffs, eloquente Percussion und äußerst selbstbewusste Basslinien und Grooves. Diese Metamorphose ist bereits dem Opener und Titeltrack deutlich anzuhören, der mit einer latent hymnischen Geradlinigkeit aufwartet, die man in dieser Form bei Midlake noch nicht gehört hat. Was man allerdings aus ihrem bisherigen Schaffen schon kennt, ist der Harmoniegesang. Doch auch der ist auf "Antiphon" nicht mehr so verspielt und zart gewoben wie früher.

"Provider" war die erste Komposition der Post-Smith-Ära, und sie lässt erahnen, dass sich Schwermut und Mut zu diesem Zeitpunkt noch duellierten – eindringlicher Bass und polternde Drums übersetzen die Szene. Auch "The old and the young" lässt sich von diesen Instrumenten leiten, allerdings deutet sich hier bereits an, dass Midlake den Weg zur nächsten Lichtung kennen. Sie gehen ihn bloß nicht. Und das ist zugleich Vor- und Nachteil ihrer vierten Platte: Zum einen besitzen die zehn Stücke eine ganz eigene Tiefe, die vor allem aus der psychedelischen Freiheit der Arrangements resultiert, zum anderen haben Songs wie "Ages" oder "This weight" aber auch hin und wieder eine seltsame Schwerfälligkeit. Dennoch: "It's going down" gehört ohne Frage zu den interessanteren Arbeiten der Band, und das ausnahmsweise doch bezaubernd folkige Scheidungs-Drama "Aurora gone" könnte auch noch aus der "The courage of others"-Phase stammen. Mit einem gravierenden Unterschied: Dieses Mal sind Midlake selbst die Mutigen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Antiphon
  • Vale
  • Aurora gone

Tracklist

  1. Antiphon
  2. Provider
  3. The old and the young
  4. It's going down
  5. Vale
  6. Aurora gone
  7. Ages
  8. This weight
  9. Corruption
  10. Provider reprise

Gesamtspielzeit: 43:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

cargo

Postings: 462

Registriert seit 07.06.2016

2021-02-12 16:50:06 Uhr
Das Album ist laut einem Facebook-Post der Band sogar schon fertig :) Tim Smith scheint aber nach wie vor nicht mehr dabei zu sein. Gab da ja auch einige Bilder in den letzten Jahren, dass man auf eine Reunion hoffen konnte.

myx

Postings: 2375

Registriert seit 16.10.2016

2021-02-10 08:20:58 Uhr
Danke für die Nachricht! Ich liebe ihr recht verschrobenes Debüt "Bamnan and Slivercork". Ob da wieder was in diese Richtung kommen wird?

cargo

Postings: 462

Registriert seit 07.06.2016

2021-02-10 07:53:58 Uhr
Die Band ist gerade im Studio und nimmt ein neues Album auf!
cargo
2015-12-03 21:49:23 Uhr
Ist Tim Smith jetzt eigentlich wieder dabei oder nicht? Das neueste offizielle Bandfoto auf Facebook lässt ja darauf schließen.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-25 15:34:03 Uhr
Fand das Album ziemlich gut, 8/10. Hat sich durch eine etwas kühlere Instrumentierung vom Rest des Schaffens etwas abgesetzt, weswegen es für mich so ein bisschen ein Winteralbum ist. Werds wohl so ab November wieder öfters auf meinen Kopfhörern haben.
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