Magic Arm - Images rolling

Magic Arm- Images rolling

Switchflicker / Peacefrog / Rough Trade
VÖ: 04.10.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Mitbewohner gesucht?

Nach gerade erfolgtem Semesterstart werden sich einige Neu-Studierende schon bald darüber im Klaren sein, ob sie für das Leben in der 5er-WG mit dem einen Bad gemacht sind, das immer besetzt ist und in dem der Mitbewohner Haare prominent im Abfluss hinterlässt. Vielleicht wäre ein exklusives Einzelapartment als Hort des glücklichen, auf sich allein gestellten Eigenbrötlers doch die bessere Wahl gewesen. Marc Rigelsdorf alias Magic Arm ließ sich jedenfalls gleich zu einem ganzen Album inspirieren, als seine Mitbewohner nach und nach auszogen und ihn mit einem leeren Häuschen zurückließen. Da hatte er dann jedenfalls genügend Platz, um allerlei Kabel und musikalisches Gerät zu verstauen, das dem Multiinstrumentalisten aus Manchester als Grundlage für sein Zweitwerk "Images rolling" diente.

Ein Raum muss dann auch gleich ganz besonders großzügig geschnitten sein. Nicht nur, weil man Platz braucht, um zu "Great life" ausgiebig wirbelnd Walzer zu tanzen, sondern auch, um das Klavier zu beherbergen, auf dem etliche der zehn Stücke konzipiert sind. Auch dieses Experimentieren mit den Tasten macht das Album zu einem herbsthauchenden, behaglichen Stück Musik. So etwa im leisen Mittelteil von "Warning sign", wenn es nicht nur federleicht-tropfend ein zu Boden fallendes Blatt intoniert, sondern den mehrstimmigen Gesang auch mit tiefen Akkorden begleitet. Aufgelöst wird die Situation durch eine flimmernde Orchestrierung, deren Ähnlichkeit zu seiner Band Grizzly Bear sogar Ed Droste zu Gefallensbekundungen hinriss. Gleiches dürfte für "Lanes" gelten, auch wenn die breiten Streicher mit ihren gezupften Gegenparts in ihrer filmischen Erzählweise eher noch an Einar Strays "Chiaroscuro" erinnern. Die Gesamtheit der Songs bildet eine poetische und nostalgische Andenkensammlung an verblassende und konkrete Erinnerungen im Allgemeinen, aber auch an den Entstehungsprozess des Albums im Speziellen. Ideen haben, Ideen verwerfen: "Images rolling / So pointlessly / It's one thing to know it / But another to admit."

So ruhig wie im friedlichen "The flood", aus dem dieses Zitat stammt, geht es dabei aber keineswegs immer zu. Ganz klar, dass das zusammengeborgte Sammelsurium aus Streichern, Gitarren, Akkordeon, verschiedenen Orgeln und Schlagwerken, Synthies, Glockenspiel und Trompete im hauseigenen Instrumentenmuseum auch mal größere Töne spucken möchte. So geht "You have won" nach orchestraler Wand in einem echohaften Doppler-Effekt auf, und "Under the eaves" haut nach anfänglichen Beatles-Harmonien mächtig auf Pauke und Pedal. Wenn so viel Vielstimmigkeit und Inspiration aus einem Ein-Personen-Haushalt erwachsen kann, sollte man wohl zukünftig die Existenzberechtigung einschlägiger Börsen zur Mitbewohnersuche überdenken.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Put your collar up
  • Great life
  • Under the eaves

Tracklist

  1. Put your collar up
  2. You have won
  3. Warning sign
  4. Great life
  5. Lanes
  6. Type endlessly
  7. Is history
  8. Tonight I walk
  9. Under the eaves
  10. The flood

Gesamtspielzeit: 34:38 min.

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