Drake - Nothing was the same

Drake- Nothing was the same

Universal
VÖ: 23.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Is this Yeezus?

Drake, immer dieser Drake, Drizzy Drake – wenn der kanadische Rapper ein neues Album veröffentlicht ist die Szene am Toben. Das war schon bei Drakes Mixtapes so und bei seinen beiden Alben "Thank me later" und "Take care" nicht anders. Die einen schimpfen, die anderen erstarren in Ehrfurcht. Irgendwie schwebt Drake in einer mystischen Zwischenwelt aus Rap und Gesang. Schubladendenker und HipHop-Nazis kommen damit nur schwerlich zurecht. Wenn Drake auf seinem neuen Album den Wu-Tang Clan sampelt, spielt das Black-Music-Milieu verrückt. Manchmal wartet man nur auf's nächste Drive-By, aber welcher US-Amerikaner traut sich dafür extra in den hohen unbekannten Norden? Gangfights dieser Art werden mittlerweile eh vielmehr über Twitter ausgetragen, als auf der Straße. In den USA und Kanada stürmte das Album auf Platz 1 der Charts, in den UK immerhin auf 2 und hierzulande auf 14.

Zugegeben, in Drizzys Wäschetrommel mischt sich schon ordentlich Weichspüler in die Laugelösung. Ein Jammerlappen war Drake schon immer irgendwie, aber der gefühlige Mann ist mittlerweile schließlich mehr als eine Modeerscheinung. Trotzdem, die Probleme des 26-jährigen möchte man mal haben: In "The language" beschreibt er seine Schwierigkeiten bei der Abwehr balzwilliger Fangirls – im Club umringen ihn die Ladies und er hat trotzdem nur zu klagen. Musikalisch allerdings gibt es wenig zu meckern, der Beat klopft im Ohr, gedämpft vom überforderten Trommelfell nach der durchzechten Partynacht. Die torkeligen Synthies und der Auto-Tune auf den Vocals durchdringen kaum noch die verminderte Wahrnehmung nach dem Exzess – stark!

"Furthest thing" berichtet von der eigenen Zerissenheit, vom Kummer nach der großen Liebe, von der Unfähigkeit sich selbst einzuordnen, zu erkennen und anzukennen. Hier ist Drake weniger Heulsuse als kluger Autotherapeut. "Drinkin', smokin', fuckin', plottin', schemin'" – viel ist sonst nicht mehr los und das soll sich ändern. Das sphärische Gedudel im Hintergrund wirkt hypnotisch-verstärkend auf Drizzys fragenvolles Selbstgepräch. Bei etwa drei Minuten kommt es zum Crash, der Beat kollabiert, ein Piano setzt ein, ein Gospelchor keift aus der Tiefe hinein ins Geschehen. Die Zeile "My momma told me this was right for me" leitet den Umschwung vom Selbstvorwurf zur nach außen gerichteten Schelte ein und verhilft dem Mittzwanziger zum Aufstehen.

Direkt anschließend liefert Drake mit "Started from the bottom" den wohl stärksten Track der Platte. Der Protagonist klopft sich selbst auf die Schulter, stellt sich vor den Spiegel und sagt "Mann, das hast du gut gemacht". Die Abgrenzung des Selbstbildes vom Umfeld wird deutlicher, Drake scheint sich zu vergeben und seinen Sonderweg zu akzeptieren. Die musikalische Untermalung des Tracks katalysiert die beschriebenen Zustände. Wie betäubt wiederholt das melancholische Piano seine 5,6 Töne, der Beat klopf ohne Höhepunkt, einzig ein paar Scratches und ein immergleicher Hi-Hat-Schlag sorgen für ein wenig Auflockerung, welche aber allzu schnell wieder in den Tiefen des Äthers verschwimmt.

Ein wenig bipolar geht es auf "Nothing was the same" schon zu. Wo ordnet man sich ein, wo gehört man dazu? Auf der einen Seite diese ganzen Hater, die einem aber auch nichts gönnen, auf der anderen Seite die überschwänglichen Liebesbekundungen einer ganzen Armada von Weicheiern. Kann man nicht einfach so sein, wie man eben ist? Was kann man denn schon dafür? Drake ist ehrlich, seine Genialität liegt darin, sich permanent zu hinterfragen und aus der Verdammung immer wieder die Energie für einen Höhenflug sammeln. "Somewhere between I'm sober and I'm lifted" nennt Drake das, nicht einmal für sich selbst ist er berechenbar. Darin liegt die Brisanz der Schose, das polarisierende Element, welches Drake groß macht. Am Ende steht eine Erkenntnis: Mit "Nothing was the same" überflügelt Drake gar seinen Ziehvater und veröffentlicht das beste, nie erschienene Kanye-West-Album 2013. Drake, der neue Messias?

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Furthest thing
  • Started from the bottom
  • The language

Tracklist

  1. Tuscan leather
  2. Furthest thing
  3. Started from the bottom
  4. Wu-Tang forever
  5. Own it
  6. Worst behavior
  7. From time feat. Jhené Aiko
  8. Hold on, we're going home feat. Majid Jordan
  9. Connect
  10. The language
  11. 305 to my city feat. Detail
  12. Too much feat. Sampha
  13. Pound cake / Paris Morton music 2 feat. Jay-Z

Gesamtspielzeit: 59:17 min.

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