Sleigh Bells - Bitter rivals

Sleigh Bells- Bitter rivals

Lucky Numbers / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.11.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Candy shop

Wenn eine Grundschullehrerin auf einen ehemaligen Metalcore-Gitarristen trifft und die beiden beschließen, gemeinsam eine Band zu gründen, dann kommt dabei wohl zwangsläufig etwas heraus, das zu gleichen Teilen süßlich und derbe klingt. So geschehen im Fall von Sleigh Bells, einem gemischten Doppel aus New York City, das bereits zwei Alben veröffentlichte, die ein weitestgehend gespaltenes Echo hervorriefen. Während sich die Befürworter am hitzigen Noise-Pop erfreuten, kamen die Widersacher überhaupt nicht auf den strapaziösen Sound klar. Die Mischung aus popinformierter R'n'B-Redseligkeit und lärmigen Gitarrenflanken ist nunmal höchst eigen und liegt nicht jedem. Das wird sich auch mit dem dritten Album "Bitter rivals" nicht ändern, denn auch hier haben die beiden Amerikaner ein buntes Tütchen mit zehn knallbunten Krachbonbons gefüllt und es ist nie so ganz sicher, ob diese songgewordenen Plombenzieher nicht hin und wieder über das Ziel hinaus schießen. Spaß macht "Bitter rivals" trotzdem.

Für ihre dritte Platte haben Ex-Poison-The-Well-Malocher Derek Miller und Alexis Krauss gleich noch einen neuen persönlichen Bestwert hingelegt: Die zehn Songs brauchen keine halbe Stunde, alles hier ist kurz und knapp und so prägnant wie möglich. Und diese Schlankheit, ja, die tat den Stücken des Duos bekanntermaßen schon immer gut. Sleigh Bells spielen seit jeher unkomplexen, nihilistisch-frivolen Indie-Rock, der sich selbst in seiner Noise-Pop-Verrenkung genügt und dabei trotzdem ausreichend blöde Ideen in drei Minuten packen kann. Und das ist ausdrücklich positiv zu verstehen. Den Stücken haftet stets etwas kaputt-beklopptes an, sie verbinden Wahnsinn mit Schönklang und auch mit dem dritten Album bleiben sie sich selbst treu: Die schrillen Gitarreneskapaden von Miller flankieren den mal säuselnden, mal kleffenden, mal summenden Duktus der Vocals von Alexis Krauss. Dabei fallen fast ausschließlich Hits ab, zu denen man joggenderweise Radfahrer überholen, Nägel mit der flachen Hand in die Wand schlagen oder Bierflaschen mit den Augenlidern öffnen kann.

Die Platte beginnt mit dem Energielimo-getränkten "Bitter rivals", einer positiv bekloppten Nummer, die ein wenig an The Ting Tings erinnert, als diese noch halbwegs brauchbare Stücke verfassten. Im folgenden "Sugarcane" verführen die backlash-geplagten Sleigh Bells mit süßlichem R'n'B, der sich nicht zwischen Bootcamp und Candy Shop entscheiden kann. Sleigh Bells klingen bei alldem immer noch frisch, wild, manchmal vielleicht zu gewollt auf Krawall gebürstet, aber dennoch immer stringent. Überraschungen gibt's an Weihnachten, hier dafür ein kurzes, buntes Feuerwerk. Ihr Feld ist klar abgesteckt und auch wenn sich die Kritiker bereits anderweitig positionierten, kann man festhalten, dass Sleigh Bells nach wie vor eine enorme Energieleistung vollbringen. "Sing like a wire" ist beispielsweise ein kurzer, schweißtreibender Bergauf-Springt, dem mit "Young legends" der beste, weil hymnischste Song der Platte folgt. Danach erstmal: durchatmen und weiter. Sleigh Bells drücken mit "Bitter rivals" ein weiteres Mal aufs Gaspedal und kümmern sich nicht um die Blitzer, die die Straßenränder des Indie-Rocks säumen. Das gibt ganz bestimmt ein paar sehr schöne Bilder.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Sugarcane
  • Young legends
  • Love sick

Tracklist

  1. Bitter rivals
  2. Sugarcane
  3. Minnie
  4. Sing like a wire
  5. Young legends
  6. Tiger kit
  7. You don't get me twice
  8. To hell with you
  9. 24
  10. Love sick

Gesamtspielzeit: 29:26 min.

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