New Model Army - Between dog and wolf

New Model Army- Between dog and wolf

Ear / Edel
VÖ: 20.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Feuer nach dem Feuer

Dass Bands nicht ganz freiwillig von vorne anfangen und ihr Grundkonzept überdenken, dafür gibt es mehr als genug Beispiele. Die Wucht, mit der New Model Army zu einem solchen Neuanfang gezwungen wurden, ist allerdings dann doch ungewöhnlich. Zuerst verstirbt Tommy Tee, Manager und enger Freund seit den Anfangstagen. Danach zerstört ein Studiobrand das komplette Bandarchiv. Und die Teile der Ausrüstung, die das Feuer verschonte, werden anschließend auch noch gestohlen. Aufgeben also? Nicht mit Justin Sullivan, für den der Kampf in all den 30 Jahren als Frontmann der Nordengländer immer präsent war. Und sei es der Klassenkampf.

Und Sullivan trifft zwei Entscheidungen, die sich für "Between dog and wolf" als goldrichtig erweisen sollen. Das ist zum einen die Verpflichtung von Produzent Joe Barresi, der schon den Alben von Tool das gewisse atmosphärische Etwas einhauchte. Zum anderen verordnet er der Band einen minimalistisch-düsteren Sound, der sich radikal von der ungebremsten Wut so manchen Vorgängers unterscheidet. Bereits das eröffnende "Horsemen" nimmt mit dieser hypnotischen Mischung von Rhythmen aus gefühlten Legionen an Toms, dezentem Bass und spärlichst eingesetzter Gitarre unwiderruflich gefangen – sofern der heimische Subwoofer dank des von Barresi so druckvoll produzierten Trommelfeuers sich nicht zuvor in einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelt hat.

Und auch dass Sullivan nicht nur ein wütender Lyriker, sondern auch ein grandioser Songwriter ist, versteht sich nach wie vor von selbst – wie grandios seine Fähigkeiten sind, zeigt er hier ein ums andere Mal. Immer wieder versucht er, aus der düsteren Grundstimmung auszubrechen, setzt kleine Eruptionen, um sie dann doch wieder von der Dämmerung einfangen und umschließen zu lassen. Wer von "Did you make it safe?" nicht süchtig wird, bei dem Drummer Michael Dean mehr noch als beim Rest der Songs Überstundenzuschlag einfordern müsste, der ist wohl auch schon als Teenager zu "Vagabonds" am Lagerfeuer eingeschlafen.

Einzelne Songs hervorzuheben, täte den allgegenwärtigen, teils bis zum Zerreißen gespannten Spannungsbögen sicher Unrecht. Dennoch ist "I need more time", bei dem der zuerst beschwörend flüsternde Sprechgesang in einen finalen Ausbruch kulminiert, besonders fantastisch. Genauso wie das melancholische "Quasr El Nil bridge". Oder das abschließende, wehmütige "Ghosts". Oder, oder, oder. Einzig "Stormclouds" wagt mit ausnahmsweise fies bratenden Gitarren noch einmal einen Rückblick in wütende Folk-Punk-Zeiten und wirkt genau deswegen sogar ein wenig unpassend. Ansonsten ist es Sullivan und Kollegen tatsächlich gelungen, aus dem vermeintlichen Nichts eine hervorragende Platte zu produzieren, die mit früheren Veröffentlichungen wenig gemeinsam haben will. Und genau deswegen so faszinierend ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Seven times
  • Did you make it safe?
  • I need more time
  • Ghosts

Tracklist

  1. Horsemen
  2. March in September
  3. Seven times
  4. Did you make it safe?
  5. I need more time
  6. Pull the sun
  7. Lean back and fall
  8. Knievel
  9. Stormclouds
  10. Between dog and wolf
  11. Quasr El Nil bridge
  12. Tomorrow came
  13. Summer moors
  14. Ghosts

Gesamtspielzeit: 63:42 min.

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