John Newman - Tribute

John Newman- Tribute

Island / Universal
VÖ: 11.10.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Danke, danke, vielen Dank, danke sehr

Hoffentlich gewinnt John Newman nie einen Preis. Nicht, dass wir ihm das nicht gönnen würden, aber seine Danksagung könnte Thomas Manns Buddenbrooks in puncto Länge übertrumpfen, und die Gäste der Zeremonie wären gut beraten, sich damit anzufreunden, mit ihrer schicken Robe abends in Wurfzelte im Speisesaal zu kriechen. Der 23-Jährige würdigt nämlich schon im Opener seines Debüts sehr ausgiebig die Menschen, die den Weg bis zum Debütalbum mit ihm gegangen sind, die Plattensammlung seiner Eltern und all die Musik- und vor allen Dingen Soul-Größen, die maßgeblich Pate standen für diese Platte. Klingt wie Scooters "Hyper, Hyper"-Aufzählung von Apollo 13 gesendet. "Tribute" widmet der gebürtige North Yorkshirer seiner verflossenen Beziehung, denn Newmans erste Platte ist auch ein "Break up"-Album.

Damit ist er geschätzt der dreimillionste Musiker, was aber einfach daran liegt, dass sich aus dem Schmerz noch immer die meisten und zwiespältigsten Gefühle rekrutieren lassen. "Who ever said love was easy", singt Newman im etwas kitischigen, aber bestens funktionierenden "Easy". Dass Zeilen wie "Just another song, just another tale of a broken heart" nicht in Gefühlsduselei versinken, liegt an Newmans angerauter, herzschmerzverzerrter Stimme, die in der Regel keine Lust hat, sich in Balladen zu wälzen - "Out of my head" mal ausgenommen. Wie auch schon bei Motown liegt der Fokus auf der Perfektionierung des Hit-Potenzials, auch wenn Newman das vielleicht abstreiten würde. Das Rezept ist nach der Hit-Single "Love me again" schnell gefunden: Ein treibendes Klavier, das immer wieder an Piano-House-Stücke erinnert, windet sich im Mid- und Uptempo-Bereich um zackige Bläser, schmierige Streicher, Background-Gesänge und selektive Claps.

Damit hat "Tribute" den von Newman gewünschten Fluss. Nicht nur thematisch, auch musikalisch. Denn "Cheating", "Losing sleep", "Try" oder auch "Goodnight goodbye" laufen eher gleichförmig nebeneinander und sind dergestalt in jeglicher Hinsicht kurzweilig: Sie bleiben beim ersten Aufeinandertreffen so kurz zu Gast wie sie nachhaltig im Gedächtnis verweilen. "Running" bricht etwas aus und setzt auf die TripHop-Rhythmik Emeli Sandés, wie sie etwa ihr "Heaven" durchzieht. Nun darf man sich aussuchen, ob das öde, durchschaubar oder konsequent ist. Bis auf die Drama-Presse im Schlusstrack und geschmäcklerischer, dekorativer Elemente wie den "Stronger"-Rufen in "Try" ist "Tribute" jedenfalls ein sehr ordentliches Debüt. Wäre der 23-Jährige ein Ego-Arschloch, könnte er einfach sagen: "Ich danke mir dafür." Schließlich schreibt, singt, spielt und (co-)produziert er selbst, designt zudem seine Bühnenoutfits. John Newman ist aber nicht Zlatan Ibrahimovic. Und deshalb bleibt sein Credo: "It's all for you."

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Love me again
  • Easy

Tracklist

  1. Tribute
  2. Love me again
  3. Losing sleep
  4. Easy
  5. Try
  6. Out of my head
  7. Cheating
  8. Running
  9. Gold dust
  10. Goodnight goodbye
  11. All I need is you

Gesamtspielzeit: 41:08 min.

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