Claude VonStroke - Urban animal

Claude VonStroke- Urban animal

Dirtybird / Groove Attack
VÖ: 27.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Liebe Geld

Frauenquote hin, Gender-Diskussionen her, zumindest der Teil elektronischer Musikkultur, der halbwegs öffentliches Interesse auf sich zieht, ist eine klar männerdominierte Szene. So wirkt es zumindest. Die Geschichte von Barclay Crenshaw, der nicht nur zwei erfolgreiche Labels betreibt, sondern unter seinem Pseudonym Claude VonStroke auch selbst als Musiker in Erscheinung tritt, wirft ein amüsantes Licht auf die Männlichkeit elektronischer Musik. Denn Crenshaws Kindheitstraum, in der Musikbranche erfolgreich zu werden, von Musik leben zu können, wäre nie wahr geworden ohne seine Frau, genauer: das Geld seiner Frau. Aundy Crenshaw gab ihrem Mann ein Jahr, ein erfolgreiches Label auf die Beine zu stellen, und finanzierte ihm in dieser Zeit sein ganzes Leben. Dirtybird war das Ergebnis. Seitdem lebt Barclay Crenshaw von der Musik, ist noch immer glücklich verheiratet und veröffentlicht als Claude VonStroke sein drittes Album: "Urban animal".

Es ist Crenshaws Spezialität, geradezu animalistische Instinkte in tanzenden Menschenmassen zu wecken. Die "Urban animals" bewegen sich bei Claude VonStroke zum typischen Dirtybird-Sound, den Crenshaw als "dirty house music with distinct hiphop, funk and drum 'n bass influences" beschreibt. Volltreffer. Alles groovt gewaltig und zielt direkt auf die Tanzfläche, dennoch ist diese Zusammenstellung von Tracks deutlich auf das Albumformat zugeschnitten. Im DJ-Set würde Crenshaw wohl die selben Stationen ansteuern, sich aber mehr Zeit für sanftere Übergänge von Soundschublade zu Soundschublade nehmen. Auf Platte funktionieren die schnellen Sprünge von Tech- zu Deep-House, von HipHop zu Funk dagegen wunderbar und stellen Crenshaws stilistische Bandbreite angenehm kompakt zur Schau.

Herrlich, wie der Beat des Titeltracks eine Synthieline zusammenprügelt, die in einem Science-Ficition-Film aus dem letzten Jahrhundert locker als Zukunftsmusik durchgegangen wäre. "The clapping track" spielt mit gesampletem Applaus und Händeklatschen, das aber im Jubel der tanzenden Menge untergehen dürfte, spätestens wenn der mordscoole Orgelsound einsetzt. Insgesamt ist die erste Albumhälfte spannender, weil gewagter, zu Beginn der zweiten wartet aber noch ein Highlight, das in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fällt: "Oakland rope" bastelt die entspannte Version eines Jungle-Beats unter gesungene und getoastete Lyrics und treibt Crenshaws kategorische Lässigkeit auf ihren Höhepunkt. Von "Lay it down re-smoked" hätte dagegen eine Version gereicht und auch die wäre wohl nur als Füller durchgegangen. Soundtechnisch lässt sich der Mann aus San Francisco aber auch hier auf keinerlei bequeme Wiederholungen ein. Denn die tun bekanntlich nicht gut. Weder in der Musik, noch in der Liebe.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Urban animal
  • The clapping track
  • Oakland rope (feat. Fox & Py)

Tracklist

  1. Urban animal
  2. The clapping track
  3. Dood
  4. Sugar & cinnamon (feat. Barry Drift)
  5. The bridge
  6. Oakland rope (feat. Fox & Py)
  7. Lay it down re-smoked (feat. DJ Nehpets)
  8. Plasma jelly
  9. Can't wait
  10. Lay it down re-smoked (VIP) (feat. Sacha Robotti & DJ Nehpets)

Gesamtspielzeit: 55:10 min.

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