Korn - The paradigm shift

Korn- The paradigm shift

Capitol / Universal
VÖ: 04.10.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Verwende Deine Jugend

Ok, also doch wieder. Korn sind wieder da. Waren nie wirklich weg. Und es ist – oh schreiende Ungerechtigkeit – an mir, darüber zu schreiben. Wir hatten das schon mal, es war schmerzhaft, Korn auf "The path of totality" beim Verrotten zuzusehen. Jetzt also ein Ohr riskieren beim elften (!) Album "The paradigm shift", ist das Hoffnung oder Masochismus? Und wie ironisch ist es eigentlich, dass eine Band, die in Gestalt von 40-Plus-Frontbübchen Jonathan Davis so ermüdend oft vom Freitod faselte (wegen der bösen bösen Jungs in der Schule), es auf elf Alben bringt? Einige Durchgänge später zeigt sich selbst dem seit Jahren voreingenommen Hörer: "The paradigm shift" ist der Beleg eines für kaum möglich gehaltenen Wiedererstarkens der ehemaligen Frontrunner. Geschenkt, Korns Musik ist im Jahre 2013 noch immer chronisch unreif, mehr Vandalismus als künstlerisches Statement. Wirkte es im letzten Jahrzehnt meist so, als sei den Jungspunden ein brillantes Album wie "Life is peachy" 1996 aus Versehen in den Schoß gefallen, erinnert Album Nummer elf an die verschütteten Talente: Viel Druck für die Tanzfläche.

Klar, der New Metal ist das Gegenteil von zeitlos, seine Relevanz blieb beschränkt auf die wenigen Jahre nach dem siechenden Grunge und vor dem strunzöden Alternative Rock. Die Gesten, das hüftsteife Stehaufmännchen auf der Tanzfläche, die knabenhafte Betroffenheitslyrik, die hängenden Hosen, Sprechgesang über Stakkatogitarren – das alles wirkt heute wie aus einer fern vergangenen, leicht peinlichen Zeit. Man geht die alten Fotos durch und sagt Sachen wie: Was, so haben wir ausgesehen? Selbst den Eurodance hat eine Lady Gaga rehabilitiert, der New Metal bleibt auf ewig toxisch. Aber Alice In Chains machen weiter ohne Layne, ohne den primus inter pares der Gigantocharismatiker an den Mikros der großen Grungebands? Klar, warum nicht, her mit den Höchstnoten. Gerade veröffentlichen Chvrches eine der meisterwarteten (und großartigsten) Veröffentlichungen des Jahres mit einem so rückwärtsgewandten Sound? Tun wir, als fiele es keinem auf.

"The paradigm shift" ist lächerlich deutlich kein Paradigmenwechsel, keine Revolution, sondern ein logischer Schritt: und zwar zurück. Gegen die Linkin-Parkisierung des New Metal behält (mit Ausnahme der Popsingle "Never never") der Rhythmus gegenüber der Melodie wieder eindeutig den Vorzug. Dadurch wird "The paradigm shift" das beste Album der Band seit "Untouchables". Der Wiedereinstieg des zweiten Gitarristen Brian Welch tut der Platte ebenso gut wie das – entgegen allen Sticheleien des eingeschnappten Vorgängers – originellere Drumming von Ray Luzier. Großtaten wie der Opener "Prey for me" stellen eine phänomenal funkige Strophe wie aus 1994 neben einen melodischen Refrain der späteren Jahre. "Mass hysteria" ist Musik für Meshuggah-Hörer ohne Seitenscheitel. "Punishment time" bietet Davis Raum zum Brillieren und einen überraschend in die Dissonanzen hechtenden Refrain. In einer Umgebung, die unfreiwillig komisch daherkommt, erspart sich "The paradigm shift" jeden peinlichen Ausfall. Im Gegensatz zum – ebenfalls unterhaltsamen – "Gold cobra" von Limp Bizkit, brauchen Korn dafür nicht mal besonders viel Humor. Wir sehen uns auf der Tanzfläche.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Prey for me
  • Mass hysteria
  • Never never

Tracklist

  1. Prey for me
  2. Love and Meth
  3. What we do
  4. Spike in my veins
  5. Mass hysteria
  6. Paranoid and aroused
  7. Never never
  8. Punishment time
  9. Lullaby for a sadist
  10. Victimized
  11. It's all wrong

Gesamtspielzeit: 43:18 min.

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