Turin Brakes - We were here

Turin Brakes- We were here

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 27.09.2013

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ganz egal

Ein noch schlimmeres Gefühl als tiefster Schmerz ist das Nichts. Das Nicht-fühlen, die emotionale Nulllinie, an der alles egal ist und man sich am liebsten zwicken, kratzen, beißen möchte, um überhaupt wieder etwas zu spüren. "I hurt myself today / To see if I still feel", wie Trent Reznor vor vielen Jahren sang. Die letzten Alben der Briten Turin Brakes kratzten allesamt an diesem gefühlten Nichts, das ohne große Ausreißer nach oben oder unten wunderschön nebenbei dudeln kann. Zwischendurch fand sich aber immer noch ein großer Popsong vom Schlage eines "Rocket song" oder "Dark on fire". Mit "We were here" schafft diese Band allerdings endlich Großes. Dieses sechste Studioalbum der beiden Londoner ist das wohl egalste und mittelmäßigste der Musikgeschichte. Chapeau.

Denn hier findet sich tatsächlich kein Ausreißer. Nirgendwohin. Alles schlängelt sich um diese Nulllinie. Keine wirklichen Wachmacher, keine schönen Schlaflieder, kaum Romantisches, alles döselt so ziellos vor sich hin, ohne wirklich etwas zu wollen. Die Feinheiten sind kaum messbar, aber natürlich trotzdem da. Mit "Time and money", "Guess you heard" und "Sleeper" finden sich drei schnellere Stücke zwischen einer ganzen Reihe Midtempo-Songs und ein paar ruhigeren Stücken wie "No mercy" und "Erase everything". Aber gefühlt ist "We were here" ein und derselbe Wohlfühlbrei, den Turin Brakes in ihrem bekannt simonandgarfunkeligen Dasein hier bieten.

Eine ähnlich leise Band wie I Am Kloot zeigt zum Beispiel, wie es möglich ist, sich trotz eines relativ engen, musikalischen Rahmens im Kleinen immer wieder neu zu erfinden und frische Impulse zu setzen. Und damit ein wunderschönes Kleinod nach dem nächsten auf Platte zu bannen. Olly Knights and Gale Paridjanian schwimmen im großen, weiten Meer der Selbstzufriedenheit. Land ist nicht mehr in Sicht, Turin Brakes treiben so vor sich hin. "We were here" treibt mit im Emotionsvakuum und hinterlässt nur eine einzige große Frage: Warum braucht es diese beiden Londoner Herren noch? Das können Turin Brakes natürlich nur selber beantworten. Hoffentlich finden sie den Weg zurück aus ihrer eigens gebauten Wohlfühl-Oase.

(Kai Wehmeier)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Time and money
  • Erase everything

Tracklist

  1. Time and money
  2. We were here
  3. Dear dad
  4. Blindsided again
  5. Part of the world
  6. Stop the world
  7. Guess you heard
  8. No mercy
  9. Sleeper
  10. Inbetween
  11. Erase everything
  12. Goodbye

Gesamtspielzeit: 54:56 min.

Threads im Plattentests.de-Forum