Trentemøller - Lost

Trentemøller- Lost

In My Room / Rough Trade
VÖ: 20.09.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mal Anders

Stichwort: Erwartungshaltung. Bei vielen Veröffentlichungen so beliebt wie unangebracht und vielleicht ein zentraler Auslöser für das Phänomen "Grower". Es wäre doch zumindest möglich, dass manche Jahrhundertalben nur so langsam aus dem Knick kommen, weil sich der voreingenommene Hörer zuerst noch an unerwartete Klänge gewöhnen muss. Ist aber eigentlich auch egal, denn spätestens seit Anders Trentemøllers Zweitwerk "Into the great wide yonder" sollte klar sein, dass Stagnation und auch vorhersehbare Entwicklung von Album zu Album nicht so das Ding des Dänen sind. Einen bestimmten Trentemøller-Sound haben aber trotzdem alle irgendwie im Kopf, und auch der Schreiber dieser Zeilen schaffte es nicht, sich vor dem ersten Genuss von "Lost" von allen Erwartungen frei zu machen. Vielleicht nur aus diesem Grund und vielleicht auch, weil da noch wesentlich mehr Dinge mit hineinspielen, bleibt festzustellen: Das Ding ist tatsächlich ein Grower.

Um die Brücke von "Into the great wide yonder" zu "Lost" so wackelig wie möglich zu bauen, stellt Trentemøller mit "The dream" direkt eine sanft fließende Popnummer an den Anfang der Platte, die kaum an die psychedelisch-sphärischen Klanglandschaften des Vorgängers und schon gar nicht an seine IDM-Vergangenheit auf "The last resort" denken lässt. Tatsächlich enthält "Lost" erstaunlich viele Songs, die noch mehr als alle bisherigen Releases nach Band statt nach Computerfrickelei klingen. Trentemøller macht einen auf Songwriter, und das beachtlich gut. Über die Hälfte der Stücke hat illustre Gastvokalisten im Gepäck, und sie alle fühlen sich sichtlich wohl im Hotel "Lost". The-Drums-Sänger Jonny Pierce etwa schaut in der Ohrwurm-Single "Never stop running" vorbei, und Sune Rose Wagner von den Raveonettes haucht "Deceive" etwas Transzendentes ein – soll der Beat doch machen, was er will.

Bei allen Veränderungen in Sound und Struktur der Stücke legt Trentemøller immer Wert auf eine dunkle, unterkühlte Stimmung, die wohl eins der wenigen konstanten Elemente im Schaffen des Kopenhageners ist. Der Veröffentlichungstermin kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit dürfte seinen Teil zur Wirkung des Albums beitragen. Spätestens wenn der dänische Winter mit klirrender Kälte um sich greift, werden auf "Lost" wohl vor allem die Instrumentaltracks in den Mittelpunkt treten, die zwar weniger geworden sind, das Qualitätssiegel Trentemøller aber allesamt zurecht tragen. Ganz egal, ob sie sich wie "Still on fire" eher am komplexen Elektronikbaukasten von "Into the great wide yonder" orientieren oder wie "Trails" die E-Gitarren kreischen lassen. Das vielleicht größte Kunststück Trentemøllers besteht jedoch darin, all die scheinbar konträren Ideen und Einflüsse in ein dermaßen kohärentes Album zu packen, dass der Pause-Knopf am CD-Player eine Art Schleudersitz zu betätigen scheint, sollte man ihn drücken, bevor die letzten Klaviertöne des Hidden Tracks im Schnee verhallt sind. Jetzt bloß nicht zurück in die Realität. Zumindest nicht vor Ende des Winters.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • The dream (feat. Low)
  • Still on fire
  • Candy tongue (feat. Marie Fisker)
  • Never stop running (feat. Jonny Pierce)

Tracklist

  1. The dream (feat. Low)
  2. Gravity (feat. Jana Hunter)
  3. Still on fire
  4. Candy tongue (feat. Marie Fisker)
  5. Trails
  6. Never stop running (feat. Jonny Pierce)
  7. River of lIfe (feat. Ghost Society)
  8. Morphine
  9. Come undone (feat. Kazu Makino)
  10. Deceive (feat. Sune Rose Wagner)
  11. Constantinople
  12. Hazed

Gesamtspielzeit: 71:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Blablablubb
2014-03-22 22:45:23 Uhr
Sehr gelungenes Album. Düster und atmosphärisch - perfekt um in der Nacht gehört zu werden.

Kann ich nur empfehlen.
hmmmmmm
2013-09-23 11:54:13 Uhr
nö, eher alison goldfrapp.

Lichtgestalt

Postings: 4751

Registriert seit 02.07.2013

2013-09-22 15:12:24 Uhr
Marie Fisker klingt etwas wie die Garbage-Sängerin, oder?

Lichtgestalt

Postings: 4751

Registriert seit 02.07.2013

2013-09-22 15:00:26 Uhr
Das Album wächst und wächst.
Könnte eines meiner zahlreichen Alben des Jahres werden! ;-)
Dowsing
2013-09-22 01:04:35 Uhr
Der Kerls hat's so dermaßen drauf. Wahnsinns Album.
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