Quasi - Mole city

Quasi- Mole city

Kill Rock Stars / Domino / GoodToGo
VÖ: 27.09.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zu lange geschleudert

Quasi und ihre kleinen großen Platten sind seit den 1990er Jahren eine erfreuliche Konstante auf dem Musiktableau. Alle paar Jahre erinnern Sam Cooms und Janet Weiss mit ihrer Hilfe daran, dass Indie-Pop bunt sein kann, ohne seine Substanz im multiinstrumentalen Konfetti-Regen aus dem Blick zu verlieren; dass eben jene Substanz ebenso gut aus Zitaten und kratzbürstigen Gesten bestehen kann; und dass es prinzipiell Spektakel genug ist, wenn man mit Coomes einen außergewöhnlichen Songwriter und eine Schlagzeugerin von der Güte einer Janet Weiss im Aufgebot hat. Mit "Mole city" weiten Quasi genau diese Grundgedanken nun auf eine satte Stunde, beziehungsweise auf Doppel-Vinyl aus. Doch leider scheinen sie selbst nicht so genau zu wissen, weshalb eigentlich.

Dabei startet "Mole city" erwartungsgemäß herausragend: "You can stay but you got to go" zeigt eindrucksvoll, was dabei herauskommen kann, wenn man Weezer-Melodien durch einen querverdrahteten White-Stripes-Verstärker spielt – nämlich ein ebenso euphorisierender wie gallig herausgespuckter Rock-Bastard, den man zunächst aushalten muss, um sogleich dankbar mitzunicken. Das folgende "See you on Mars" gibt sich rhythmisch noch ein wenig zickiger, und Cooms' Stimme schraubt sich sirenengleich durch den Verzerrer, bevor ein Honky Tonk alle Stärken von Quasi zugleich ausspielt und niederprügelt. Und auch "Blasted" sowie "Fat Fanny land" fahren mit kongenial grober Keule durch ihre 1950s-Riffings und verstimmten Klavier-Kaskaden, als hätten Cooms und Weiss sie zunächst viel zu heiß gewaschen und dann bis zur Pink-Bubble-Reife geschleudert. Mit genau diesen Mitteln rütteln und schütteln sich Quasi durch die weiteren zwanzig Minuten von "Mole city", gehen dann über sie hinaus und verlieren schließlich jeglichen Druck allein beim unbeirrten Weitermachen.

Denn spätestens zum letzten Drittel ist das Hörerhirn derart weichgeklopft, dass der Surf-Punk von "Double deuce" und die Beatles-Referenzen von "Gnot" wie Rettungsanker aus dem Musik-Strom ploppen und die Country-Anleihen von "The dying man" zwar kurz die Aufmerksamkeit hochfahren, gleich darauf aber anmerken, dass viel mehr nicht dahintersteckt. Zudem lässt sich zur langen Dauer von "Mole city" erstmals die Frage stellen, ob es wirklich immer wieder Sinn macht, Weiss' Beatwillen durch in den Rhythmus gehämmerte Klavier-Achtelnoten an die Kandare zu nehmen. Denn selbstverständlich gibt es viel Kleines und Größeres, was an "Mole city" zu einer richtig tollen Scheibe taugt – auf der langen Strecke geht Cooms und Weiss jedoch auch spürbar die Puste aus, werden manche Trümpfe verschleudert oder gar nicht erst aus dem Ärmel gezogen. Stattdessen haben Quasi mit "Mole city" die Verhältnisse beinahe umgedreht, ja, sie kommen sich selbst auf die Schliche: Statt einer kleinen großen ist es erstmals eine lange kleine Platte geworden – was ein paar Minuten mehr oder weniger doch alles ausmachen können.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • You can stay but you got to go
  • Blasted
  • Fat Fanny land

Tracklist

  1. -
  2. You can stay but you got to go
  3. See you on Mars
  4. Blasted
  5. Chrome duck
  6. Chumps of chance
  7. Fat Fanny land
  8. Nostalgia kills
  9. R.I.P.
  10. Headshrinker
  11. Bedbug town
  12. Geraldine
  13. (Loopy)
  14. Double deuce
  15. Gnot
  16. Dust of the sun
  17. Mole city
  18. Ice cube in the sun
  19. One and done
  20. The dying man
  21. Clap trap
  22. New western way
  23. Beyond the return of the son of nowhere

Gesamtspielzeit: 61:23 min.

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