Katie Melua - Ketevan

Katie Melua- Ketevan

Dramatico / Rough Trade
VÖ: 20.09.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

So schön glatt

Wenn Künstler meinen, sie hätten nun endlich das Album aufgenommen, das sie immer schon machen wollten, mit dem sie sich endlich wirklich repräsentiert sehen, dann betiteln sie es nach ihrem Namen oder ihrer Band. Katie Melua, die britische Singer-Songwriterin mit georgischen Wurzeln, nennt ihr sechstes Studioalbum "Ketevan". Was dieser Titel bedeutet? Tja, Katie heißt nämlich gar nicht Katie, sondern eben Ketevan, ein georgischer Vorname. Der Albumtitel intendiert also, dass Meluas Selbstfindung nun bis an die familiären Wurzeln reichen soll, bis nach Georgien. Ist aber musikalisch gar nicht so. Auch "Ketevan" ist nur ein ganz normales Melua-Album, auf dem nicht viel neues oder gar spannendes passiert.

Die 29-Jährige lässt das große Orchester des überwiegend misslungenen weil allzu sehr aufgeblähten "Secret symphony" hinter sich und kehrt zurück zu dem, was sie am besten kann: Fahrstuhlmusik, die niemandem weh tut und auch niemandem weh tun will. Dabei musiziert Melua weiterhin viel zu oft in einem Bereich, der sehr nah an den Kitsch eines Disney-Soundtracks heranreicht. Insbesondere dann, wenn in "Sailing ships from heaven" und "Chase me" doch wieder die orchestralen Elemente ihre Schleimspur ziehen und die Songs mit einem Schmier überziehen, der hin und wieder an der Grenze des Zumutbaren pappt. Auch der kleine Ausflug von "Shiver and shake" in den Blues steht Melua nicht wirklich gut, denn dafür klingt sie einfach nicht angeschlagen, nicht rau genug. Zigaretten und Whiskey sollten helfen, so hört man.

Auch wenn es bitter klingen mag, aber Meluas Stärke liegt eben weiterhin in jenen zuckersüßen Songs, die sich selbst nicht so groß aufdrängen wollen und von Herzschmerz aller Orten berichten: die Fahrstuhlmusik eben. Wenn Melua im Opener "Never felt less like dancing" mitleidig säuselt "Never felt so grey / Never felt more like weeping / Never felt more like sneaking away / Creeping away to cry", dann muss man schon ein Herz aus Stein haben, um das Leid der Britin nicht spüren zu können. Wobei es genau genommen der Schmerz des Albumproduzenten und Songschreibers Mike Batt ist, der sich hier durch Melua seinen Weg nach draußen bahnt. Ähnlich schön ist sonst nur der Mix aus verrauchtem Barjazz noir und einer Portion Soulfunk "Love is a silent thief", der sich mit einem großen Glas Rotwein sexy durch die Nacht schlängelt. Viel mehr bleiben wird aber von "Ketevan" nicht. Dafür ist dieses Album dann doch allzuglatt geworden. Ausstieg in jedem beliebigem Stockwerk möglich.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Never felt less like dancing
  • Love is a silent thief

Tracklist

  1. Never felt less like dancing
  2. Sailing ships from heaven
  3. Love is a silent thief
  4. Shiver and shake
  5. The love I'm frightened of
  6. Where does the ocean go?
  7. Idiot school
  8. Mad, mad men
  9. Chase me
  10. I never fall
  11. I will be there

Gesamtspielzeit: 40:17 min.

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