Newton Faulkner - Studio zoo

Newton Faulkner- Studio zoo

Ugly Truth / RCA / Sony
VÖ: 27.09.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Nichts zu verbergen

Der deutsche Innenminister empfiehlt: "Studio zoo". Jedenfalls dürfte zumindest die Entstehungsgeschichte der Platte nach dessen Geschmack sein, schließlich brachte die fünfwöchige Videoüberwachung, die es Fans ermöglichte, die Aufnahme von Newton Faulkners viertem Studioalbum mitzuverfolgen, nützliche und unerfreuliche, aber auch versöhnliche und optimistisch stimmende Erkenntnisse. Nützlich war die Erkenntnis, dass man sich die Vorfreude kaum zuverlässiger kaputt machen kann. Unerfreulich war die Erkenntnis, dass "Studio zoo" nicht das nach "Write it on your skin" erhoffte große Album geworden ist. Aber versöhnlich war die Erkenntnis, dass Newton Faulkner zwar ein unnötig unspannendes, aber auch ungemein entspannendes Album aufgenommen hat.

Faulkner, den man rein optisch eher als musikalischen Rabauken einordnen würde, lässt es diesmal sogar noch eine Spur ruhiger angehen als auf dem auch nicht gerade spektakulär daherkommenden "Write it on your skin", übt er sich doch in ausgiebiger Selbstbetrachtung, die allerdings eher wie eine Selbstausstellung wirkt. So wie der Entstehungsprozess der Platte eine öffentliche Angelegenheit war, sind Faulkner Befindlichkeitsbeschreibungen frei von jedem Geheimnis. Das Album steckt voller klarer Ansagen, transportiert in meist gefälligen, zuweilen jedoch auch etwas arg behäbigen Songs. Keine Frage, Faulkner nimmt den Hörer eher mit in den Streichelzoo als auf Safari.

Titel wie "Where to start" und "Plastic hearts" zeugen von Faulkners beeindruckender Fingerfertigkeit und beweisen einmal mehr, dass er dazu in der Lage ist, seinem saitenbewehrten Lieblingsinstrument die knudelligsten Melodien abzuringen. In Verbindung mit Faulkners sanftmütigem Gesang wird das Album zu einer einzigen Verschnaufpause - ideal, um einen stressreichen Tag friedlich zu beschließen. Besonders anschmiegsam sind Songs wie "Waiting on you" und "Losing ground" gelungen, die dank einer gewissen Dynamik die überwiegende Melanchomonotonie auflockern können. Leider gibt es auch Harmlosigkeiten wie "Treading water", und "Just outside" versucht Bon Iver zu imitieren, hat jedoch abseits allzu schmusiger Weinerlichkeit wenig zu bieten. Ähnlich, aber ungleich besser machen es "Don't make me go there" und "Orange skies", die zu der allgemeinen Verzagtheit zumindest eine Ahnung von Ambivalenz addieren.

Optimistisch stimmt somit die Erkenntnis, dass Faulkner mühelos ein angenehmes Folk-Pop-Album aufnehmen kann, schließlich verging gerade mal ein Jahr seit seiner letzten Platte. Mehr Spannung und weniger Offensichtlichkeiten sollten jedoch die maßgeblichen Faktoren sein, damit Faulkners fünftes zum Höhepunkt seiner Diskographie werden könnte. Die Zurückhaltung, die er dafür auf musikalischer Ebene ablegen sollte, darf er dann auch gerne wieder während der Aufnahme zeigen und die Kameras draußen lassen. Schon der Vorfreude zuliebe.

(André Schuder)

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Highlights

  • Where to start
  • Plastic hearts
  • Losing ground

Tracklist

  1. Where to start
  2. Treading water
  3. Plastic hearts
  4. Indecisive
  5. Just outside
  6. Losing ground
  7. At the seams
  8. In my head
  9. Don't make me go there
  10. Lay down
  11. Waiting on you
  12. Innocent
  13. Orange skies

Gesamtspielzeit: 48:25 min.

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