Satan's Satyrs - Wild beyond belief!

Satan's Satyrs- Wild beyond belief!

Plastic Head / Soulfood
VÖ: 27.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Vom Glauben abgefallen

Alle Jubeljahre kommt eine Band daher, die – so scheint es – lauter, wilder, extremer und kompromissloser zu Werke geht als jede andere Band zuvor. Ein Viertel davon ist wohl Einbildung, ein weiteres Viertel mag Wunschdenken sein und die andere Hälfte teilt sich auf in Wahrheit und Verdrängen. Denn Unsane tun schließlich immer noch in den Ohren weh, ebenso wie die seligen Blood Brothers und The Jesus Lizard. Nun also Satan's Satyrs aus Virginia, die sich zusätzlich auch noch in denkbar käsiger Manier medienwirksam präsentieren. Rhetorische Frage: Was bleibt einer Band mit den Initialen "SS" denn anderes übrig, als sich breitbeinig auf Grabsteinen fotografieren zu lassen? Rechtes Gedankengut verbreiten Satan's Satyrs natürlich keinesfalls – alles nur Rock'n'Roll.

Und der ist überraschend gut. Denn man kann und sollte "Wild beyond belief!" auch ohne das Drumherum hören. Satan's Satyrs drängen sich nicht wie Turbonegro als Gesamtkunstwerk mit unverzichtbarer optischer Komponente auf. Die acht hier versammelten Songs blasen jede mögliche Ablenkung sogar ziemlich schnell ins Nirwana. Und zwar mit Schmackes, Anlauf und Nachtreten. Der Sound der Band ist eine Mischung aus Lightning Bolt, The Heads und Radioempfang in den Kasseler Bergen. Es rauscht, klötert und dröhnt vom bitteren Anfang bis zum ebensolchen Ende. Die Fuzz-Effekte suchen genauso ihresgleichen wie das verhallte Gezeter, das gerade noch als Gesang durchgeht.

Ist "Wild beyond belief!" deswegen nun eine dieser unhörbaren Kunstplatten zwischen Genie und Wahnsinn? Nein, Satan's Satyrs spielen eher eine modernere Version von Motörhead und heben sich bewusst vom glattgebügelten Einerlei ab, das auch die härteren Genres zuweilen unterminiert. Die Band hat zweifellos Spaß dabei, die Möglichkeiten zu entdecken. So macht sich aus unerfindlichen Gründen bei den letzten beiden Songs eine beschauliche Plastikorgel mitten im Klangbild breit, während rundherum die Kirche einstürzt. Das wunderbar schnelle "Carnival of souls" ist die kaputtgeschredderte Version eines jeden Horrorpunk-Songs, inklusive Simpelsolo und leierndem Gesang. Und "Electric witchwhipper" hat nicht nur den besten Songtitel aller Zeiten, sondern fällt schon an zweiter Stelle der Platte derart chaotisch auseinander, dass man sich völlig zu Recht fragt, wo das nur enden soll. Und auch das ist eine rhetorische Frage: in irrem Feedback und dem Spruch "And mankind? Destroyed!" natürlich.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Electric witchwhipper
  • Carnival of souls
  • Bellydancer's delight (I. Vampire's night orgy, II. Stomper's rumble)

Tracklist

  1. Sadist 69
  2. Electric witchwhipper
  3. Carnival of souls
  4. Servitors and myrmidons
  5. Alucard
  6. Strange robes
  7. Bellydancer's delight (I. Vampire's night orgy, II. Stomper's rumble)
  8. Satan's satyrs

Gesamtspielzeit: 39:51 min.