Cousteau - Sirena

Cousteau- Sirena

Palm Pictures / Zomba
VÖ: 13.05.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heulsusen

Nennen wir es das Hochspringersyndrom: die Meßlatte zu hoch legen und dann an den sich selbst auferlegten Hürden zu scheitern. So oder so ähnlich machen das auch Cousteau, wenn sie ihr eigenes musikalisches Schaffen in die Tradition der Tindersticks stellen. Der Schuh paßt nicht wirklich, denn Cousteau sind selbstgefällige Melancholiker, die Tindersticks hingegen ein ganz anderes Kaliber. Bei ihnen wird das Thema Trauer in filigranste Notenarbeit umgesetzt. Auch wenn das Presseinfo damit den Mund wohl etwas zu voll nimmt, gilt die Devise: Lieber ein Idol als gar keine Bildung.

"Sirena" heißt das Album, Sehnsucht ist das Motiv. Höchst pathetisch das Ganze. Allein schon die Namensgebung der zwölf Titel auf Sirena erlaubt Rückschlüsse: "Damn, these hungry times", "After the fall", oder "Please don't cry". So klingt wahrlich kein Gute-Laune-Pop. "Hört doch endlich auf zu jammern", möchte man dem englischen Quintett beinahe zurufen. Der Opener "Nothing so bad" kommt noch im beschwingt poppigen Format, bei dem musikgeschulte Ohren eine "Whiter shade of pale"-Orgel vernehmen. Zweites Stück, gleicher Grundton. Mitwippen- Pop, der nicht weh tut, doch Euphorie äußert sich auf andere Weise. Bei "Talking to myself" wird es dann angenehmer. Endlich singt Sänger Davey Moor in einer Stimmlage, die ihm sein Organ erlaubt. So stoßen Cousteau langsam in Regionen vor, in denen sie annähernd in dem Atemzug erwähnt werden dürfen, der auch die Tindersticks nannte. Und das setzt sich so fort.

Die Jungs tun keinem weh, aber sie singen so, als ob ihnen eben genau jenes wiederfahren wäre. "Sirena" ist romantisch, ohne Zweifel. Sommermusik, nicht für den Grillabend, eher wohl für Candlelight-Dinner unter dem Kirschbaum. Störfaktor ist lediglich die unsäglich nervende Trauer, die die Londoner hier an den Tag legen. "Wir sind Träumer, das ist die Wahrheit unseres Lebens", sagte Davey einst über den selbstbetitelten Cousteau-Erstling. Vielleicht sollten Cousteau den Dämmerzustand für die nächsten Songs mal ablegen und stattdessen etwas weniger traumwandlerisches Pathos in ihre Songs werfen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Peculiarly you

Tracklist

  1. Nothing so bad
  2. Damn these hungry times
  3. Talking to myself
  4. Peculiarly you
  5. Salome
  6. Please don't cry
  7. No medication
  8. After the fall
  9. Last secret of the sea
  10. Heavy weather
  11. She bruise easy
  12. Have you seen her?

Gesamtspielzeit: 53:20 min.

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