Hjaltalín - Enter 4

Hjaltalín- Enter 4

Sleepdrunk / Cargo
VÖ: 20.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Für die Umwelt

"Unser Album sollte wie etwas klingen, was nicht von dieser Welt ist." Klasse, denken sich viele Psychedelic-Künstler und rauchen schnell noch eine Wiese kahl, bevor sie sich an die Arbeit machen. Nur stammt der Satz aus Hjaltalíns Erklärung zur Grundidee ihres vorliegenden Drittwerks. Die isländische Band hat hingegen mit Hippietum und Psychedelic, außer den dickgestrickten Pullovern, wenig bis gar nichts gemein. Ihr neues Album trägt den Namen "Enter 4" möglicherweise eher als Ausdruck für die vierte Dimension, im Kontext des Raum-Zeit-Kontinuums. Das Vorhaben indes ist geglückt, so emotional und nahbar das Album einerseits wirkt, so sehr entfernt sich andererseits der musikalische Wirkungsradius vom Hier und Jetzt.

Würde E.T. heute noch einmal nach Hause telefonieren wollen: sein leuchtender Finger würde via Wählscheibe ein Ferngespräch nach Reykjavík ersuchen. Auch um sich dann mit besagtem Finger an der Schläfe zu kratzen, und das Septett zu fragen, warum sie denn plötzlich so karg klingen. Wir erinnern uns: Der Vorgänger "Terminal" war voller opulenter Streicher, eingespielt mit einem kompletten Orchester. Der Kontrast zu "Enter 4" könnte kaum größer sein. Sicher erklingen etwa im hervorragenden und zurecht betitelten "Ethereal" noch Geigen, das aber erst nach fünf Minuten. Sonst tönen auf sechseinhalb Minuten nur ein Piano und der herzschmerzende Sänger Högni Egilsson (Ja, der von GusGus), der so gedankenversunken ist, dass er mehrfach bis zu zehn Sekunden Pause im Track einbaut. Dieser Closer ist einer der schönsten Songs der Band überhaupt.

Ein paar Durchgänge braucht es schon, um sich an die "neuen" Hjaltalín zu gewöhnen: An Trip-Hop-Rhythmiken, angedeuteten R'n'B, Kammer-Pop und den Fokus auf erzählerische Strukturen. Zwischendurch schaltet sich behutsam wie konsequent elektronisches Klangfutter ein, rudimentär angeschlagene Synthies, mal knarzig-unscharf in "We", dann als dumpf-blecherne Industrie-Reste in "Letter to [...]". Prägend für die folgenden Titel rückt schon im Opener, der "Lucifer" vom Himmel fallen lässt, der Bass weiter nach vorne, dorthin, wo selbstredend auch Hjaltalíns zweite Stimme, Sigríður Thorlacius, einen verdienten Platz einnimmt. "You're still the one my eyes can see / ... / I dearly hope that time still has patience", singt sie in "On the peninsula" und ist wie Egilsson im düsteren "I feel you" kein Quell des Glücks: "If that poor boy drinks up I'd still be there to break my heart." Dazu waten die Drumschläge schweren Schrittes und mit Nachhall durch die Minuten. Rein in den Raum, in die Tiefe, mit der Zeit. In dieser Welt klingt das ziemlich gut.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Lucifer/He felt like a woman
  • I feel you
  • We
  • Ethereal

Tracklist

  1. Lucifer/He felt like a woman
  2. Forever someone else
  3. I feel you
  4. Crack in a stone
  5. On the peninsula
  6. Letter to [...]
  7. Myself
  8. We
  9. Ethereal

Gesamtspielzeit: 47:28 min.

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