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Sonic Youth - Murray Street

Sonic Youth- Murray Street

Geffen / Motor / Universal
VÖ: 10.06.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Schmutzige Straßen

Kaum eine Band hat sich in der Vergangenheit so konsequent dem Wohlklang verweigert und so das Wort "Avantgarde" mit Leben gefüllt wie Sonic Youth. Trotz aller Verlockung gab der Vierer nie auf, Lärm zu kanalisieren, Brüche zu suchen und Dissonanzen zu leben. Statt dem Pop ins Gesicht zu lächeln, fiel man ihm lieber in den Rücken. Aber auch Revolutionäre werden älter, und so bietet "Murray Street" viel Erprobtes: brüchige Harmonien, entrückte Stimmungen, zerfasernde Songs und nervenzerrende Feedbacks. Auf dem ersten Album mit Jim "Tausendsassa" O'Rourke als festem Bandmitglied traut sich trotz des frischen Blutes tatsächlich so etwas wie Routine ins Klangbild.

Daß sich Thurston Moores lakonische Melodien zunächst auf beinahe beschwingte Gitarren betten lassen, ist dabei ebensowenig neu wie die obligatorischen Brechungen und Zerfahrenheiten, mit der der Nunmehr-Fünfer noch immer Zeichen zu setzen versucht. Ein wenig vorhersehbar ist es allerdings schon, wenn sich die Gitarre mal wieder sträubt und dabei quietscht wie der berühmte Fingernagel, der über die Schiefertafel kratzt. Würde man sich von der sonischen Jugend nicht vor allem die Überraschung erhoffen, wäre man glatt damit zufrieden, wie "Murray Street" zwischen allerlei krächzendem Geflüster den eigenen Fokus verliert. So bleibt statt Verwirrung bisweilen nur ein Schulterzucken.

In den gelungenen ersten drei Songs reibt sich allerdings niemand daran. Findet man unter der aufgerauhten Oberfläche des Openers "The empty page" ein aufrichtiges Gefühl der Leere, füllt "Disconnection notice" diese gleich mit kreiselnden Melodien auf. Die Saiten perlen, die Stimme melancholisiert, und irgendwer winkt mit einem fleckigen Holzfällerhemd. Während Hooks und Licks nicht voneinander lassen können, versucht sich "Rain on tin" in musikalischer Landschaftszeichnung. Mit mal feinen, mal groben Strichen wird die Geschichte eines Regenschauers vertont. Es plätschert erst zurückhaltend, dann prasseln die Tropfen stürmisch herab, und am Ende dampft der Boden. Für die Slacker unter den Regenwürmern.

Gelegentlich merkt man dem meist zurückgelehnten, zweiten Teil ihrer New Yorker Trilogie nach "NYC ghosts & flowers" an, daß Sonic Youth diesmal andere Geister durch die Zerklüftungen der Songs spuken lassen. Kreischende Saxophone gemahnen in "Radical adults" daran, was im vergangenen September in unmittelbarer Nähe des bandeigenen Studios passierte. Beinahe wie auf der Flucht stolpert auch "Plastic sun" ungelenk durch eine zerbröckelnde Disco, und Kim Gordon hat mal wieder keine Halsbonbons dabei. Wie ein Kratzen im Rachen macht sich auch das abschließende "Sympathy for the strawberry" bemerkbar, bevor dieses nach einem Ausflug in krautrockige Gefilde augenzwinkernd dramatisch auseinander fällt. Man scheint sich in der Rolle als Chronisten der eigenen Stadt zu gefallen. Die Aufräumarbeiten am Ground Zero sind abgeschlossen. Die musikalischen fangen gerade erst an.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The empty page
  • Disconnection notice

Tracklist

  1. The empty page
  2. Disconnection notice
  3. Rain on tin
  4. Karen revisited
  5. Radical adults
  6. Plastic sun
  7. Sympathy for the strawberry

Gesamtspielzeit: 45:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Watchful_Eye

User

Postings: 2975

Registriert seit 13.06.2013

2023-05-28 00:01:42 Uhr
Für mich auch - bin aber kein Fan oder "Kenner" der Band. Ich kann mit weiten Teilen ihrer Diskographie nicht viel anfangen.

Wenn ich mit so einer musikjournalistischen "Objektvität" herangehen würde, würde ich es wohl auch nicht als ihre beste Platte bezeichnen. Aber hier spielen sie einfach den Sound, den ich persönlich von ihnen hören will.

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 2545

Registriert seit 02.12.2019

2023-05-25 22:43:15 Uhr
so wenig verschroben, noisy. fast angenehm und doch unverkennbar SY. für mich ihre beste platte.

Eliminator Jr.

Postings: 1272

Registriert seit 14.06.2013

2023-05-25 22:30:24 Uhr
Nach wochenlanger Dauerrotation im Auto mausert sich dieses Album fast 20 Jahre nach Erstkontakt zu einer meiner absoluten Lieblingsplatten der Band. Toll fand ich sie ja immer, aber gerade wächst sie über fast alles hinaus. Nur A Thousand Leaves und Daydream Nation können da noch mithalten.

Was eine Band. Auch nach zwei Jahrzehnten Fandasein ist da Raum für Bewegung.

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 20172

Registriert seit 10.09.2013

2021-10-26 22:04:38 Uhr
Ja, hat wieder Spaß gemacht, wünsche euch auch einen schönen Abend!

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 4003

Registriert seit 14.03.2017

2021-10-26 22:01:46 Uhr
Schön, dass es heute doch noch geklappt hat. Schönen Abend Euch noch
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