Pop. 1280 - Imps of perversion

Pop. 1280- Imps of perversion

Sacred Bones / Cargo
VÖ: 09.08.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Petri Unheil

"Zwei fickende Hunde" – nicht nur der Name eines Nebenprojektes von Die Ärzte, das einmal mehr deren irrlichternden Humor offenbarte, sondern übersetzt auch die ersten Worte auf dem Album "The horror" von Pop. 1280 aus New York. Und bei einer solchen Eröffnung verstand sich von selbst: Hier ist drin, was draufsteht. Nämlich die Schreckensherrschaft von Noise-Rock, Suicide-Eisigkeit und unappetitlichen Themen, unterfüttert mit dem schmierigen Video zur famos scheppernden Single "Bodies in the dunes", in dem ein kopfbandagierter Psychopath Frauenleichen am Strand verbuddelt. Entsprechend klang dieses Debüt: wie ein Vorgeschmack auf den elektrischen Stuhl. Oder weniger drastisch ausgedrückt: Wie untote The Birthday Party nach dem Griff in die Steckdose. Produktion: Zwar vorhanden, aber auch zu vernachlässigen.

"Imps of perversion" wird nun immerhin von Martin Bisi betreut, dem Mann, der einst bei der ersten verbürgten Vocal-Performance der jungen Whitney Houston sowie bei Herbie Hancocks "Rockit" am Mischpult saß. Doch wer Bisi darüberhinaus von seiner Arbeit mit Sonic Youth, Swans oder Cop Shoot Cop kennt, kann sich an fünf skelettierten Fingern abzählen: Auch auf dem zweiten Album des Quartetts schrillen die Alarmglocken. "Lights out", fordert der Opener – und die Songs gehorchen aufs Wort. Mit Gitarrenläufen aus gähnenden Abgründen voll gespenstischem Twang und ghouligem Rockabilly, von Ivan Lip mit offenbar knochiger Hand gespielt und von Sänger Chris Bug mit kehligem Geteufel konterkariert. Selbst Hui-Buh ist dann mal weg – stattdessen übernehmen unheimlichere Gestalten.

Etwa "The control freak", obwohl auch der nach ein paar Durchläufen mit Pop. 1280 das Weite suchen dürfte: Zu unrund läuft die Maschinerie, lässt sich immer wieder von rabiaten Tempowechseln beuteln, läuft schließlich kreischend ins Leere und klatscht gegen die Geisterbahn. Was die vier danach genau mit "Population control" meinen, mag man sich am liebsten gar nicht vorstellen, zumal das Stück sich mit absichtlich aus dem Blecheimer gezogenem Soundwust jeglicher Eingängigkeit verweigert. Dann lieber Abmarsch ins "Nailhouse", wo die Riffs sieben Minuten lang unter fiesen Kriechströmen zersplittern. Und geht es zum krakeelenden New-Wave-Stakkato von "Do the anglerfish" ins Wasser, ist es sicher kein Zufall, dass der Armflosser im Titel auf Deutsch Seeteufel heißt. Petri Unheil allerseits.

Man sieht schon: "Imps of perversion" ist eine überaus absonderliche Rock'n'Roll-Platte. Aber auch eine spannende und unwägbare, bei der die Hörerschaft jederzeit auf etwas Neues gefasst sein muss. "Human probe" und "Human probe II", irritierenderweise zwei voneinander unabhängige Songs, testen wie böse Wissenschaftler, wie viel Lärm ein Mensch vertragen kann, an anderer Stelle japst Bug erratisch "Coma baby's alive" und marschiert mit einer Armee wiederbelebter Stooges aus einer heruntergekommenen Wellblech-Garage. Und wenn "Riding shotgun" zum Abschluss mit der zerschlissenen weißen Fahne wedelt, hat schon niemand mehr mit einer so vergleichsweise filigranen Psych-Miniatur gerechnet. Aber wer ganz leise ist, kann die perversen Kobolde aus dem Albumtitel kichern hören: Wen treiben wir als nächstes in den Wahnsinn?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The control freak
  • Nailhouse
  • Do the anglerfish
  • Coma baby

Tracklist

  1. Lights out
  2. The control freak
  3. Population control
  4. Nailhouse
  5. Human probe II
  6. Do the anglerfish
  7. Dawn of man
  8. Coma baby
  9. Human probe
  10. Riding shotgun

Gesamtspielzeit: 38:50 min.

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