Laura Mvula - Sing to the moon

Laura Mvula- Sing to the moon

RCA Victor / Sony
VÖ: 06.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ganz Ohr

Falls es mit der Gesangskarriere nichts werden sollte, kann Laura Mvula immer noch umschulen. Auf Hula-Hoop. Ringeturnen. Oder Diskuswerfen. Das Übungsmaterial flankiert bereits links und rechts das Gesicht der 26-Jährigen und heißt eigentlich Ohrring. Dort baumeln Exemplare in einer Größe, die mancher Tiger im Zirkus schon durchsprungen hat. Trägt die Britin zwar nicht immer, aber immer öfter. Wahrscheinlich aber kommt die Zweitkarriere nie zustande. Schließlich schmückt sich Mvulas Debüt "Sing to the moon" seit den diesjährigen Brit-Awards bereits mit dem "Critics Choice Award". Eine Soul-Pop-Platte, die zu Recht dieses Etikett trägt, aber trotz des stapfenden "Make me lovely" herrlich und herzlich wenig mit den Retro-Darlings zu tun hat.

Mvulas orchestraler Soul ist in höchstem und bestem Maße funktional. Bläser, kinematographische Streicher, Pauken – alles stünde bereit, um sich im Motown-Gewand zu kleiden. Mvula aber geht mit der Sense durch Dickicht-Gedanken und arrangiert den Einsatz dieser Elemente so, dass sie belebend, aber nicht übermächtig wirken – selbst im alles vereinenden Titeltrack. Die Kunst ist nun, dass ihr Debüt gleichermaßen den Charakter eines Akustikwerks besitzt. Oft ist Mvula nur umgeben von einem Glockenspiel, einer Harfe, einem Xylophon, einem (Kontra-)Bass oder wie im ergreifenden Acoustic-Gospel-Stück "Father, father" einem Klavier. Vieles auf "Sing to the moon" passiert aber auf vokaler Ebene. Und damit ist nicht nur gemeint, wie grazil Mvula im Opener die Zeile "It didn't belong to me" dehnt, sondern auch die Kanon-Elemente, Stimmdopplungen und der Backgroundgesang, der zwischen Handclaps und forschem Bass in "Green garden" glänzt.

Mvulas Debüt ist auch Ausdruck ihres neuen Selbstverständnisses, einer inneren Zufriedenheit, die in Kindheitstagen noch undenkbar gewesen wäre, als sie ihre Stimme so gar nicht mochte. Von der Musik aber kam sie nicht mehr los. Nun kann sie in "That's alright" behaupten: "I will be never what you want and that's alright / Tell me, who made you the centre of the universe?" Und in "Make me lovely" stellt sie klar: "I'll be all that I choose to be." Bei solchen Statements erschafft sich das Hirn das Bild einer Frau, die die Zeilen mit der selbstsicheren Expressivität einer Aretha Franklin schmettert – Mvula hingegen entscheidet sich für die Eleganz einer Erykah Badu. Die Olympischen Spiele braucht sie nicht: "Sing to the moon" ist schon Gold wert.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Like the morning dew
  • Father, father
  • That's alright
  • She

Tracklist

  1. Like the morning dew
  2. Make me lovely
  3. Green garden
  4. Can't live with the world
  5. Is there anybody out there
  6. Father, father
  7. That's alright
  8. She
  9. I don't know what the weather will be
  10. Sing to the moon
  11. Flying without you
  12. Diamonds

Gesamtspielzeit: 49:36 min.

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Dan

Postings: 235

Registriert seit 12.09.2013

2016-08-10 12:03:02 Uhr

Zweites Album hat hier gar nicht stattgefunden? "The Dreaming Room" geht einen Schritt weiter, aber auch sehr gelungen von ihr.

captain kidd

Postings: 1654

Registriert seit 13.06.2013

2013-09-12 23:04:12 Uhr
höre es jetzt auch wieder öfter. wirkliches tolles album. jeglichen vergleich mit frau monae verkneife ich mir lieber...

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2013-07-02 22:29:29 Uhr
das hat mit max mutzke ungefähr so viel gemeinsam, wie du mit einem musikkenner
Helge
2013-05-24 12:50:35 Uhr
Max Mutzke in weiblich? Nee, lass man.
IFart
2013-05-24 12:46:55 Uhr
fantastisches Album, auch wenns mir schwer fällt captain kidds meinung zu teilen.
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