Múm - Smilewound

Múm- Smilewound

Morr / Indigo
VÖ: 06.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Schönheit im Schmerz

Nein, wir werden das Spiel jetzt nicht mehr von vorne beginnen. Es gibt ja auch schon genug Vorurteile über die guten Isländer, besonders über die von dort kommenden Musiker, die alle als verschrobene Fabelwesen dargestellt werden, die irgendwie auch alle miteinander verwandt sind. Langsam wird das ja auch langweilig. Dass aus Island oft richtig gute und interessante Musik kommt, darf dagegen gar nicht oft genug erwähnt werden. Ólafur Arnalds. Sigur Rós. Björk, und dazu sicher auch The Sugarcubes. Emiliana Torrini. Stafrænn Hákon. FM Belfast. Und natürlich: Múm. Was sie fast alle gemeinsam haben? Den Hang zur Nostalgie. Und dass sich trotz der einziehenden Kälte, die in vielen Songs stattfindet, eine wohlige Wärme im Inneren breitmacht. "Smilewound", das sechste Album von Múm, wirkt auf den ersten Blick wie ein riesiger Eisblock — bis er einen zum Schmelzen bringt.

Welche Schönheit im vermeintlichen Schmerz stecken kann, wusste schon das letzte Studioalbum "Sing along to songs you don't know" zu verdeutlichen. Vier Jahre später geht das Kollektiv einen Schritt weiter: Wenn etwa das Piano "Underwater snow" einleitet und den Körper großflächig mit Gänsehaut überzieht, ist das nur der Anfang. Der elfengleiche Gesang folgt nur kurz darauf, bis schließlich von weit weg die ersten artifiziellen Klänge einsetzen und der eben noch so menschlich wirkenden Emotionalität eine zunächst ungewohnt wirkende, elektronische Komponente hinzufügen. Wenn aber die tiefen, schweren Schläge parallel zu den hellen Stimmen spielen, funktioniert das nach dem Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip: Eben noch zu Boden geworfen, wird der Hörer schließlich sanft wieder aufgebaut.

Wie aus einer anderen Welt erscheinen das völlig durchgedrehte, klingelnde, rasselnde, an allen Ecken und Enden verspielte "When girls collide" und der geruhsam startende und plötzlich geradezu polternde Trip in "The colorful stabwound" mit einer herausragenden Ólöf Arnalds. Wie sie die Zeile "I've done some things you won't believe" ausspricht, mit einer derartigen Naivität und Klarheit, macht die besungene Tragödie von einem Mord auf wundersame Weise tragisch-schön. Darüber hinaus sei jedem Hörer unbedingt noch der Bonus Track "Whistle" ans Herz gelegt, bei dem tatsächlich das australische Pop-Püppchen Kylie Minogue als Gastsängerin vertreten ist und wider Erwarten eine beachtliche Figur macht.

Das eigentliche Highlight von "Smilewound" ist aber der Wiedereinstieg von Gründungsmitglied Gyða Valtýsdóttir, die nach über zehn Jahren wieder mit an Bord ist und der Stimmung außerordentlich gut tut. Dass ihr Cello-Studium sich ausgezahlt hat, merkt man dem sachte vor sich hin schwebenden und seinem Titel damit vollkommen gegensätzlichen "Time to scream and shout" an, das so gleichmäßig zwischen Trauer und Heiterkeit schwankt, dass man sich am Ende eigentlich nur noch auf Tränen der Freude einigen kann.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Underwater snow
  • The colorful stabwounds
  • Time to scream and shout

Tracklist

  1. Toothweels
  2. Underwater snow
  3. When girls collide
  4. Slow down
  5. Candlestick
  6. One smile
  7. Eternity is the wait between breaths
  8. The colorful stabwound
  9. Sweet impressions
  10. Time to scream and shout
  11. Whistle (feat. Kylie Minogue) (Bonus)

Gesamtspielzeit: 50:34 min.

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