Glasvegas - Later...when the TV turns to static

Glasvegas- Later...when the TV turns to static

BMG / Rough Trade
VÖ: 06.09.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kraft durch Ruhe

Hin und wieder treffen sie ja doch zu, diese Sprichwörter und Lebensweisheiten auf den Kalenderblättern. Da kann man gerne mal im Hause Glasvegas nachfragen. Denn dass in der Ruhe die Kraft liegt, stellen die schottischen Indierocker mit ihrem dritten Album namens "Later...when the TV turns to static" voll und ganz unter Beweis. Diesmal sollte es nämlich anders vonstattengehen. "Ich brauche Ruhe. Und die habe ich daheim", hatte Frontmann und Sänger James Allen einmal bekundet. Was dann eben dazu führte, dass man im vergleichsweise beschaulichen Glasgow blieb und nicht wie zuvor in den hektischen Großstadtdschungeln von New York und Los Angeles aufnahm und produzierte. Das hört man den zehn neuen Stücken auch größtenteils an, wirkt das Album in seiner Gesamtheit doch sehr in sich gekehrt, bedacht, gefühlvoll und ist von einer großen Intensität geprägt, die sich nach und nach entfaltet.

Alleine schon der eröffnende Titeltrack ist eine Geschichte für sich. Gut fünfeinhalb Minuten lang passiert irgendwie nichts und doch so viel. Das Tempo ist langsam, die Gitarrensaiten knarzen, im Hintergrund ein paar "Uuuuuhs" und Allens Stimme schwankt mit schottischem Akzent immer irgendwo zwischen Erzählen und Überschlagen. Die Atmosphäre ist beinahe intim. Einerseits bedrückend, andererseits wunderschön. Ähnliches zaubern Glasvegas mit der schwermütigen Piano-Nummer "Choices" oder dem in Melancholie versinkenden "Neon bedroom" hervor. Das sind dann die Momente, in denen man sich bestens vorstellen kann, wie Allen und seine drei Mitstreiter in ruhigen schottischen Nächten Eingebungen für diese recht authentisch herüberkommenden Gefühlswelten finden.

Dass bei diesem Ausflug durch gescheiterte Beziehungen eher Moll als Dur angesagt ist, dürfte klar sein. "I'd rather be dead (than be with you)" funktioniert dann auch ohne weitere Erläuterungen. Nicht gerade die feine schottische Art, aber so ist das halt. "All I want is my baby" beschreibt ebenfalls Trennungsverhalten zwischen Kampf, Betteln und Krampf. Eigentlich schon etwas verwunderlich, dass dies einen als Zuhörer nicht herunterzieht. Das tut es in der Tat nicht. Dafür sorgen Songs wie das flott voran rockende "Youngblood", das wunderschön intensive "Magazine" und nicht zuletzt ein gleichsam club- und stadiontaugliches "If". Man möchte die Arme emporreißen, mitschreien und sich an der eingestreuten Talking Heads-Hommage erfreuen. Mit der Ruhe ist es hier vorerst vorbei.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Later...when the TV turns to static
  • Magazine
  • If

Tracklist

  1. Later...when the TV turns to static
  2. Youngblood
  3. Choices
  4. All I want is my baby
  5. Secret truth
  6. I'd rather be dead (than be with you)
  7. Magazine
  8. If
  9. Neon bedroom
  10. Finished sympathy

Gesamtspielzeit: 45:03 min.

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