Blackfield - Blackfield IV

Blackfield- Blackfield IV

Kscope / Edel
VÖ: 30.08.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Geffens große Gesten

Ein Volleyball dieses Namens, der den im Film "Cast away" verschollenen Tom Hanks das einsame Dasein erträglich macht. Ein Nachbar dieses Namens, der in der Serie "Hör mal, wer da hämmert" Tim Allen lebenskluge Ratschläge erteilt. Ohne Wilson geht es nicht. Aviv Geffen singt davon zwar noch kein Lied, wird aber nicht müde zu betonen, dass sein Kompagnon Steven Wilson trotz dessen Prioritätenverschiebung noch immer ein fester Bestandteil von Blackfield sei. Geffen betreibt aus guten Gründen Werbung mit Wilson, denn anders als dieser wartet der israelische Superstar noch immer auf seinen internationalen oder wenigstens europäischen Durchbruch. Es gilt also, die Zugkraft des Namens Steven Wilson zu nutzen, zumal Blackfield ohne die Beteiligung der britischen Prog-Ikone für viele Fans ohnehin nur schwer vorstellbar sein dürfte.

Nun ändern aber auch die energischsten Bekenntnisse nichts an der Tatsache, dass Blackfield seit "Welcome to my DNA" in allererster Linie ein Projekt Aviv Geffens ist, während Wilson eher den Status eines besseren Gastmusikers inne hat. Genau genommen ist diese Entwicklung bereits mit "Blackfield II" eingetreten, denn schon bei diesem Album hatte Geffen deutlich die kreative Dominanz. Für die Verwirklichung des vierten Studioalbums ist Wilson nun fast völlig in den Hintergrund getreten, fungiert gewissermaßen als eine Art technischer Berater und war am Songwriting so gut wie unbeteiligt. Für die Beurteilung der Platte dient dies auf den ersten Blick kaum als geeigneter Anhaltspunkt, schließlich stammen beispielsweise mit "End of the world" vom zweiten oder "Pain" vom ersten Album ein paar der besten Blackfield-Songs aus der Feder Geffens. Zudem könnte man darüber spekulieren, dass "Welcome to my DNA" vielleicht auch deswegen eine unterm Strich etwas unbefriedigende Erfahrung war, weil Geffen seinen uneingeschränkten Pop-Appeal aus Rücksichtnahme auf seinen Intimus Wilson (noch) nicht voll ausleben konnte. Da dessen Konzentration nun bis auf Weiteres seiner Solokarriere gilt, könnte man annehmen, dass Geffen ungezwungener zu Werke geht. Und war nicht auch sein Volleyball vergessen, als Tom Hanks gerettet wurde? Hat Tim Allen je die Ratschläge seines Nachbarn verstanden, geschweige denn umsetzen können? Der Eindruck, dass Geffen kompromissloser agieren konnte, drängt sich beim Hören der neuen Platte jedenfalls auf, denn bei seiner Suche nach der ganz großen Geste wird er ein ums andere Mal fündig, auch wenn er sich hin und wieder vergestikuliert.

Es sind vor Allem die Refrains, mit denen Geffen die ganze Welt umarmen möchte. Und gerade als Blackfield-Veteran sollte man sich gefühlsechten Pop-Hymnen wie "Pills", "Sense of insanity" und "Lost souls" auch nur schwer entziehen können. Es empfiehlt sich dabei jedoch mehr auf die Musik als auf die Texte zu achten, denn Geffen, der anders als Wilson schon immer eine eher direkte Sprache pflegte, sind trotz durchaus nachdenkenswerter Botschaften ab und zu ein paar arg platte Metaphern eingefallen. Bei Zeilen wie "Inside her eyes the casino waits / Would you play now?" wird der Fremdscham nur unterbunden, weil es wie im hier zitierten "Faking" gelingt, das Ganze musikalisch gut zu kaschieren. Man fragt sich allerdings, warum es Geffen immer so verdammt eilig hat und seinen Songs kaum Entfaltungschancen lässt. Die APS (Aufmerksamkeitsspanne pro Song) der meisten Blackfield-Hörer dürfte deutlich über 3 Minuten liegen, aber viel länger macht's Geffen selten, womit "Blackfield IV" auch insgesamt das bisher kürzeste Vergnügen ist. Mehr Länge wäre hier auch mehr Qualität gewesen, denn so wiegt es schwer, dass ein zu großer Teil des Albums leider auch aus musikalisch allzu schlicht geratenem Liedgut besteht. "Springtime" plätschert so unauffällig dahin wie ein fast abgeschmolzener Gletscher im Frühling, "Kissed by the devil" ist ein trotz Gänsehaut-Bridge eher mäßig gelungener Versuch, den milden Melancho-Pop mit rockigeren Tönen aufzulockern, und "X-Ray" wird zwar durch Anathema-Sänger Vincent Cavanagh veredelt, verkommt aber zu einem verschunkelten Gelage aus Wohlklang und Heimeligkeit. Überhaupt gibt sich Geffen nicht sehr gastfreundlich. "The only fool is me" mit Jonathan Donahue von The Flaming Lips bzw. Mercury Rev kippt (ebenso wie "After the rain") auf dem schmalen Grat zwischen subtiler Schönheit und Langeweile leider in die falsche Richtung. Besser machen es "Firefly" mit Suede-Frontmann Brett Anderson und das von Steven Wilson gesungene "Jupiter". Sympathische Songs, die bei Blackfield aber zum Standard gehören. Durchweg vermisst wird die atmosphärische Substanz der ersten beiden Alben. Geffens Melancholie wirkt eher zweckmäßig; fast wie eine Verkleidung, die man sich anlegt, um entsprechenden Erwartungen gerecht zu werden. Und so gelingt es ihm zwar, den guten Ruf der Band zu bewahren, aber für ein erstklassiges Blackfield-Album braucht es wohl doch wieder einen höheren Wilson-Faktor.

(André Schuder)

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Highlights

  • Sense of insanity
  • Lost souls

Tracklist

  1. Pills
  2. Springtime
  3. X-Ray
  4. Sense of insanity
  5. Firefly
  6. The only fool is me
  7. Jupiter
  8. Kissed by the devil
  9. Lost souls
  10. Faking
  11. After the rain

Gesamtspielzeit: 31:40 min.

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User Beitrag

BinschMettLel

Postings: 111

Registriert seit 26.09.2015

2016-11-10 21:34:32 Uhr
Dann sind die Pausen zwischen den Tracks wahrscheinlich länger als die Songs selbst.

Spieldauer 25:12
Wolfgang
2016-09-05 19:33:25 Uhr
BLACKFIELD V will be released on 18th November by Kscope, and sees a return to the full partnership that made the first two albums such firm favourites with fans. Written and recorded over a period of 18 months in both Israel and England, Blackfield V contains 13 linked songs that form a flowing 45 minute ocean themed song cycle. With the pair expertly handling vocals, guitars, and keyboards, Tomer Z from the Blackfield band on drums, and string arrangements performed by the London Session Orchestra, the album is a powerful journey through catchy melodies, lush arrangements, and stunning production. Legendary producer / engineer Alan Parsons produced three of the album’s key tracks.

Both musicians consider Blackfield V to be their best collaboration to date. The album will be released by Kscope as a Digipack CD with a 16 page booklet, CD/Blu Ray with high resolution audio, and double vinyl.

Cover photography by Lasse Hoile.
Vennart
2013-09-10 14:34:17 Uhr
Als riesiger Blackfield Fan muss ich auch sagen, dass die Platte nur ganz nett ist. Jupiter, Pills und ein paar nette Lieder, die man anhören kann aber weit entfernt von Überwerken wie Blackfield I und vor allem Blackfield II.
Warum gehen die Lieder immer so abrupt zu Ende und warum ist das schöne After The Rain nur 1:20 Minute lang?
Ich weiß, dass Aviv keine Prog-Songs mit Überlänge mag aber da kann er ja immer noch 4-5 Minuten Lieder schreiben und keine 90 Sekunden Lieder. Das sind doch eher Songskizzen.
Ian
2013-09-10 11:24:00 Uhr
"Jupiter" ist immerhin noch eine der unpeinlicheren Nummern, sie klingt tatsächlich nach typisch Blackfield, auch wenn sie auf den ersten beiden Alben eher untergegangen wäre.

ARD/ZDF Morgenmagazin geht ja noch. Warum eigentlich nicht? ZDF Fernsehgarten wäre schlimm, aber dafür gibt es durchaus auch das ein oder andere geeignete Lied...

Insgesamt eine mittelmäßige Platte, die nicht der Rede wert ist.
der link
2013-09-10 11:02:28 Uhr
Hier der Link vom Auftritt im ARD-MoMa

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/stars-im-moma/musik-live-Blackfield-100.html

Sind ja echte Frühaufsteher, die Jungs. Aber für 'ne Livedarbietung hat's nicht gereicht. Stattdessen Vollplayback.
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