Rocko Schamoni - Der schwere Duft von Anarchie

Rocko Schamoni- Der schwere Duft von Anarchie

Freibank / Virgin / EMI
VÖ: 29.04.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wellen der Liebe

Daß Ex-Punk Rocko Schamoni mittlerweile auf der breiten Showtreppe angekommen ist, hat sich bereits herumgesprochen. Mag auch mancher glauben, daß die Fußstapfen von Frank Sinatra oder auch nur die von Harald Juhnke für den Hamburger doch ein wenig zu groß sind, kümmert das Schamoni wenig. Er umgibt sich mit schwarzem Leder und jungen Dingern, und das Hemd ist an entscheidenden Stellen ein wenig geöffnet. Der Meister bringt sich in Pose. "Und niemand kommt hier lebend raus."

Mit Posen hat "Der schwere Duft von Anarchie" denn auch an jeder der fehlenden Ecken und Kanten zu tun. Schamoni gibt den großspurigen Entertainer und den kettchentragenden Verführer. Er säuselt von Liebe und Leidenschaft und predigt den Hedonismus. Den Widerspruch zu seinen linken Überzeugungen versucht er mit spitzen Anmerkungen zum Zustand dieser Welt zu überwinden. Manchmal ist er dabei gar nicht so weit von dem entfernt, was Diskurs-Poet Blumfeld in jüngster Zeit zustande bringt, aber Distelmeyer hat lediglich ein Saxophon und keine ganze Bläsersektion im Gepäck.

Schamonis Band Jogging Mystique beschallt derweil die Lounge mit gezähmtem Funk und geglättetem Jazz. Es setzt pumpende Disco-Bässe, swingende Breaks und mit "Junge Römer" ein knusprig groovendes Falco-Cover. Dieter Thomas Heck hätte seine Freude daran, und die Handvoll Spitzen gegen Globalisierung und Technokratismus überhört man mit Leichtigkeit. Die theatralischen Arrangements erinnern an Pailletten und Gamaschen, ohne wirklich Distanz gewinnen zu können. Die erhoffte anarchische Wirkung verpufft in pomadisiertem Schlager. Unberührt durchleuchtet die Glaskugel den Saal, während Schamoni seinen Hit vom letzten Mal deklamiert: "Die Sonne geht auf / Die Erde geht unter." Solche ironischen Brechungen funktionieren diesmal leider zu selten. Nimmt sich hier vielleicht doch jemand ein wenig zu ernst?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Der schwere Duft von Anarchie
  • Junge Römer

Tracklist

  1. Intro
  2. Geld ist eine Droge
  3. Hier kommt die Nacht
  4. Der schwere Duft von Anarchie
  5. Diskoteer II - Die Demaskierung
  6. Berlin woman
  7. Heart of plastic
  8. Junge Römer
  9. Süß wie Honig
  10. Per Nino
  11. Das Spiel ist aus
  12. Nichts
  13. Der Mond (Atom's Roboterjazz RMX)
  14. Supersticious ladybaby

Gesamtspielzeit: 54:50 min.

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