Ghostface Killah - Twelve reasons to die: The Brown tape

Ghostface Killah- Twelve reasons to die: The Brown tape

Soul Temple / Rough Trade
VÖ: 26.07.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Clou

Vor ungefähr 15 Jahren sollte der Plan vollendet sein: Der Wu-Tang Clan hätte die Weltherrschaft an sich gerissen und wäre die größte Marke des HipHop geworden. Geklappt hat das nicht. Dabei hatte RZA seine Kollegen systematisch auf jedem erdenklichem Label untergebracht – jeweils einen für jede größere Plattenfirma. Die Omnipräsenz des Clans sollte sich in Trommelfelle und Netzhäute einbrennen. Der Plan scheiterte. An den Egos der einzelnen Protagonisten. An "The W" und allen folgenden Alben, die nie wieder an die Großtaten "Enter The Wu-Tang" oder "Wu-Tang forever" herankommen sollten. An der Zerrissenheit des US-Rap, wo noch mehr und noch größere Egos aufeinandertrafen. Nun kehrt RZA seit einigen Jahren die Scherben zusammen, und der Wu-Tang Clan betritt immerhin schon wieder zusammen eine Bühne. Mit Soul Temple hat das Oberhaupt nun auch ein ganzheitliches Label entwickelt, um seinen Weggefährten eine Plattform zu bieten. Neben dem durchschnittlichen "The keynote speaker" von U-God war eine der ersten Veröffentlichungen "Twelve reasons to die" von Ghostface Killah, ein Konzeptalbum, das auf einem Comic basierte. Ursprünglich von Adrian Younge produziert, tauchte ein paar Wochen später das "Brown tape" auf. Elf alternative Versionen der ursprünglichen Songs, dazu die Instrumentals. Yummy.

Der Clou: Dieses Mal hat sich Apollo Brown an die Produktion gemacht. Niemand könnte besser zum Sound von RZA passen als jemand, der von sich selbst sagt, dass er seine Beats auf einer alten Möhre von Rechner produziert. Zumal das Ghostface Killahs Sound wesentlich mehr entgegenkommt, denn die Rhythmen sind deutlich wärmer und organischer als auf der Originalversion. Und dass Tracks wie "Rise of the black suits" besser laufen, wenn da nicht metallene Drums, sondern Knistern drunterliegt, leuchtet schon bei den ersten Durchläufen ein. Damit liegen die alternativen Versionen deutlicher am Sound des Clans Anfang der Neunziger. Ghostface Killah rappt dazu seinen üblichen Schuh runter – es geht um Knarren, Gangster, Helden und die Straße, wie üblich ziemlich überzeichnet. Ein "I declare war" kommt eben ziemlich dick, wenn da jemand noch klarmacht, dass Kugeln ihm nichts anhaben können. Wenn irgendetwas abfällt, sind es die Gastauftritte, bei denen natürlich wieder zahlreiche Kollegen das Mikro in die Hand nehmen. U-God, Inspectah Deck und Cappadonna sorgen als Standards allerdings für keine besondere Überraschung.

Aber wer erwartet das bei Ghostface Killah schon? GZA oder RZA sind sowieso die großen kreativen Kräfte. Trotzdem bomben Stücke wie "The center of attraction" und "Rise of the Ghostface Killah" ziemlich rein, gerade durch die neuen Instrumentals von Brown, der sich bestens darauf versteht, welchen Sound er für solche Effekte bauen muss. Als Producer kommen an Brown sowieso aktuell nur wenige im HipHop heran. Und das, obwohl oder gerade weil er sich so sehr am Sound der Neunziger orientiert. Und so sticht die alternative Version das Original in diesem Fall mal eben aus. Alles vom Wu-Tang Clan fiel schließlich schon immer aus der Zeit und ist über den Rest der ganzen Kasper erhaben, die ihre Pärchenreime mit Eurotrash aufmotzen. Für die Weltherrschaft reicht das nicht. Und hat es vermutlich noch nie. Aber versuchen kann man es ja mal.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Rise of the black suits
  • I declare war (feat. Masta Killa)
  • Rise of the Ghostface Killah

Tracklist

  1. Beware of the stare
  2. Rise of the black suits
  3. I declare war (feat. Masta Killa)
  4. Blood on the cobblestones (feat. U-God and Inspectah Deck)
  5. The center of attraction (feat. Cappadonna)
  6. Enemies all around me
  7. An unexpected call (feat. Inspectah Deck)
  8. Rise of the Ghostface Killah
  9. Revenge is sweet (feat. Masta Killa and Killa Sin)
  10. Murder spree (feat. U-God, Masta Killa, Inspectah Deck and Killah Sin)
  11. The sure shot (Parts one & two)

Gesamtspielzeit: 66:06 min.

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