Marek Hemmann - Bittersweet

Marek Hemmann- Bittersweet

Freude Am Tanzen / Kompakt / Rough Trade
VÖ: 09.08.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Jena Paradies

Romantik hat in Jena eine lange Tradition, war die kleine thüringische Stadt unter Philosoph und Redelsführer Johann Gottlieb Fichte, Schriftsteller Novalis und vielen anderen doch Epizentrum für diese historische Epoche. Zu sagen, Marek Hemmann stünde in diesem Vermächtnis, wäre vermessen. Doch vielleicht hat auch er einen Funken Inspiration aus dieser heimatlichen Ahnenfolge ziehen können und präsentiert auch deshalb auf "Bittersweet" erneut paradiesisch-lauschige Tracks am Rande des minimalen Technos.

So kommt "Xativa" auch erst einmal anderthalb Minuten ohne Bass aus, während Synthie-Folgen im Zusammenspiel mit animalischen Geräuschen in der Ferne ein nächtliches, bewaldetes Sumpfgebiet als Einleitung für Hemmanns zweites eigenständiges Album entwerfen. Diese Natürlichkeit ist ein guter Gradmesser für den noch folgenden Rest auf "Bittersweet". In "Zunder" scheint dieser Landstrich dann bereits erfolgreich trockengelegt und beschwingt lässt es sich um die schwelenden Feuer tanzen, immer in der Gewissheit, dass manche Wälder erst durch Glut und Hitze zu ihrer naturgemäßen Schönheit finden.

In "Hooray" kann man die gemeinschaftlich lächelnde Meute sich bewegender Menschen auf einer der vielen kleinen, geheimen Raves auf irgendeiner abgeschiedenen Lichtung sehen, die ab und an von einem Schwarm Glühwürmchen choreographisch umschmeichelt werden. Die warmen, zärtlichen Bässe stoppen zwischenzeitlich kurz ab, um den Weg für die pfeifenden, verspielten und fast schon poppigen Synthiesschlieren freizumachen. So kündigen diese den vorgestellten Morgen an und verhelfen "Hooray" mit Schwung zu einem der klaren Highlights auf "Bittersweet".

Das anschließende "Ratis" ist mit seinen langgezogenen, sanften Klängen dagegen als Ambient-Stück konzipiert und verweist so auf die Diversität, mit der Marek Hemmann in seinen weiten Genregrenzen wie eh und je zu Werke geht. Die dabei aufkommenden Gitarrensamples werden schließlich in "Meadow" noch konsequent ausgebaut. Dieses Stück könnte so auch auf einem Singer-Songwriter-Album mit Loop-Funktions-Faible stattfinden. Es bleibt das Gefühl zurück, dass Hemmann seinen eigenwilligen Stil des Vorgängers "In between" konsequent fortsetzt, seine neuen Tracks nun aber noch verspielter und mehrflächiger herausstellt und so vielleicht näher an sein eigenes Naturell heranreicht. So ist auf "Bittersweet" wohl kein geradliniger Club-Hit wie "Gemini" enthalten, dafür gibt es auch auf Dauer auf den abgeschiedenen Pfaden immer neue, flüsternde Zwischentöne zu entdecken. Diese werden vielleicht keine ganze Epoche überdauern, aber eine lange Halbwertszeit aufweisen.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Zunder
  • Hooray

Tracklist

  1. Xativa
  2. Mars
  3. Zunder
  4. Lindwurm
  5. Topper
  6. Endless
  7. Hooray
  8. Ratis
  9. Stripped
  10. Meadow

Gesamtspielzeit: 51:15 min.

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