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Korn - Untouchables

Korn- Untouchables

Epic / Sony
VÖ: 10.06.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bullet with butterfly wings

Totgesagte leben länger. Wirklich unter der Erde hatte man die einstigen Pioniere Korn - auch wenn Jonathan Davis' Haarpracht schon seit längerem erste Anzeichen von Verwesung zeigt - zwar nie geglaubt, aber doch zumindest weitgehend abgeschrieben. Nachdem die ehemaligen Helden mit dem mäßig inspirerten "Issues" endgültig zu einem Schatten ihrer selbst verkommen waren, zogen sie gerade noch rechtzeitig die kreative Notbremse und verordneten sich eine ausgiebige Schaffenspause.

Während andere Bands wie Guns'n'Roses bereits seit Ewigkeiten in der selbstauferlegten Reha-Anstalt für gescheiterte Rock-Legenden Däumchen drehen, läßt man Korn nun erfreulicherweise bereits nach drei Jahren wegen guter Führung wieder auf die Menschheit los. Und kaum wieder auf musikalisch freiem Fuß, verleihen sie ihrem Comeback-Album ausgerechnet den Titel "Untouchables". Au weia. Schließlich wissen wir noch alle, womit der letzte Comebackversuch endete, mit dem sich einer der Unberührbarkeit rühmte. In Michael Jacksons "Invincible" nämlich. Und in einem kapitalen Griff ins Klo.

Statt in die Schüssel jedoch gehören Korn eher hinter Gitter gesteckt. Nicht wegen substanzlosen Plastik-Pops im minder schweren Fall allerdings, sondern wegen fahrlässigen Herumfuchtelns mit schweren Geschützen ohne Waffenschein. Denn verglichen mit der Wucht und der Energie, mit der einen der Opener "Here to stay" von den Füßen holt, wirkt eine Dampfwalze wie ein Dreirad. "My hurt inside is fading / This shit's gone way to far" stampft Davis und schickt gleich noch eine Drohung hinterher: "I'm here to stay / Gonna bring it down!" Und plötzlich liegen alle Vorbehalte in Schutt und Asche. Die Herren Jonathan Davis und Co. scheinen eine Menge Aggressionen angestaut zu haben, Wut gegenüber der Welt, die schon beinahe nicht mehr mit ihnen gerechnet hätte. Und "Untouchables" heißt ihr Ventil.

Wer ein bahnbrechendes Meisterwerk wie "Life is peachy" erwartet hatte, das ein marodes Genre ins neue Jahrtausend überführt, wird dennoch enttäuscht. Zwar bemüht sich "Hollow life" mit einer Strophe aus Elektro-Beat und Kastraten-Gesang nach Kräften, die alten Fans zu verschrecken, versöhnt jene aber spätestens mit dem Refrain wieder. Die zweite kleine Überraschung heißt "Alone I break" und entpuppt sich als eine merkwürdige Art von Mid-Tempo-Ballade, die erst durch Davis' beklemmend aggressiven Gesang im bedrohlichen Refrain zum interessantesten Track des Albums aufgewertet wird.

Zwar merkt man auch an so manch anderer Stelle den Willen von Korn, durch flächige Keyboards und düstere Spannungsbögen neue Wege zu beschreiten. Doch immer, wenn es ernst wird, ziehen die Kalifornier vor jedem Wagnis den Schwanz ein und verlieren sich in altbekannter Geradlinigkeit mit routinierten und dadurch nicht zuletzt ein wenig blutarmen Tracks wie "Thoughtless" oder "Embrace". Und nicht nur zum Single-Kandidat "One more time" könnte die Pistolenkugel mindestens genauso massentauglich tänzeln wie im berühmten "Freak on a leash"-Clip und der Korn-Frontmann noch einmal nach Herzenslust seine Dreadlocks schütteln. Was Fred Durst fur alle Grundschüler darstellt, ist Jonathan Davis inzwischen für alle erwachsenen Kinder, die von unkontrollierbaren Gefühlsschwankungen geplagt werden. Music for the masses - die Kugel bekommt Gesellschaft.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Here to stay
  • Hollow life
  • Alone I break

Tracklist

  1. Here to stay
  2. Make believe
  3. Blame
  4. Hollow life
  5. Bottled up inside
  6. Thoughtless
  7. Hating
  8. One more time
  9. Alone I break
  10. Embrace
  11. Beat it upright
  12. Wake up hate
  13. I'm hiding
  14. No one's there

Gesamtspielzeit: 62:34 min.

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User Beitrag

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 9241

Registriert seit 23.07.2014

2021-04-28 17:25:04 Uhr
Ich geb einen Punkt weniger, weil mich das auf die gesamte Spielzeit dann doch etwas langweilt. Mit "Issues" als bestes Album gehe ich aber mit.

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-04-28 17:11:54 Uhr
Schwankt wie so oft zwischen peinlich und großartig, die Band ist einfach die Vertonung des Borderline-Syndroms (außer "Issues", das ballert komplett durch bis heute). Insgesamt die wirklich die letzte gute Platte der Band in Originalbesetzung. "Here to Stay" und "Thoughtless" waren großartige Singles. Der Closer ist auch auf gewisse Weise episch. So Weirdokram wie "Make Believe" nervt mich dagegen irgendwie. Und die Emo-Balladen "Hollow Life" und "Alone I Break" (Oh Gott diese beschlossenen klischeehaften Titel immer) find ich manchmal super, manchmal öde. Diese Band is aber am besten wenn sie einfach nur ballern und metern.
7/10

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26476

Registriert seit 07.06.2013

2021-04-28 14:17:07 Uhr
Auf gesamter Länge wohl ihr bestes für mich. Hat zudem mit dem Opener, "Blame" und "Embrace" drei der besten Korn-Songs überhaupt. Und die Produktion ist schon einfach fett. 7,3/10
Meddl
2018-11-27 22:32:00 Uhr
"Thoughtless" und "Here To Stay" stechen locker raus. Korn waren damals schon ne geile Singles-Band.
38 Umdrehungen
2018-11-27 21:38:08 Uhr
*umdoppelkorn*
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  • KoRn (284 Beiträge / Letzter am 24.03.2020 - 21:12 Uhr)

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