James LaBrie - Impermanent resonance

James LaBrie- Impermanent resonance

InsideOut / EMI
VÖ: 26.07.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Abgehakt

Mitunter haben vordergründig grundverschiedene Charaktere mehr gemeinsam als es den Anschein hat. Nehmen wir einmal Mike Portnoy und James LaBrie, deren permanente kleine Streitigkeiten bei Dream Theater hinlänglich bekannt sind. Während nun aber der extrovertierte Portnoy die Band einigermaßen rüde in Richtung Modern Metal trimmen wollte und letztlich konsequenterweise den Drumhocker vor die Tür gesetzt bekam, tobt sich Vokalist LaBrie eben solo aus. Er verpasste 2010 seinem Projekt gemeinsam mit Peter Wichers von Soilwork als Co-Produzent und dem singenden Schlagwerker Peter Wildoer – hauptamtlich bei Darkane tätig – ein eben solches stilistisches Gewand, auch wenn "Static impulse" in weiten Teilen noch einigermaßen inhomogen wirkte.

Was den ersten Minuten von "Impermanent resonance" allerdings nicht unterstellt werden kann. Vor allem beim eröffnenden "Agony" passen Wildoers Growls und der über jeden Zweifel erhabene Gesang von James LaBrie wunderbar zusammen und bilden die Krone zu Songs, die von In Flames oder Dark Tranquillity kaum besser kommen können, gepaart mit einem unerhört eingängigen Pop-Appeal. Gleiches gilt für das folgende "Undertow", dessen Refrain von einer sich gnadenlos ins Ohr fressenden Hook zusammengehalten wird.

Mit zunehmender Spieldauer allerdings übertreiben es LaBrie und Hauptsongschreiber Matt Guillory mit der Eingängigkeit. "Back on the ground" beispielsweise ist eine süßlich-pappige Halbballade, nach dessen Genuss der Hörer dringend einer Diät entgegenschmachtet. Vereinzelte Ausreißer wie "I got you", das trotz scooteresker Keyboards durchaus mitreißend daherkommt, oder das trotzig riffende, nochmals einen wunderbaren Kontrast zwischen Härte und griffiger Melodien bietende "Letting go" bestätigen lediglich als Ausnahme die Regel. Jegliche Suche nach Ecken und Kanten, die darüber hinaus geht, bleibt weitgehend erfolglos. Und im Fall von "Say you're still mine" hat sich gar noch eine ärgerlich banale Schnulze mit eingeschlichen, bei der der Skip-Reiz geradezu übermenschlich wird.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: "Impermanent resonance" bietet jede Menge passabler Pop-Prog-Rocker, die für sich genommen ausgereift und kompakt wirken, weitaus schlüssiger als das mitunter unausgegorene Gerödel des Vorgängeralbums. Nur verhalten sich diese Songs wie Fast Food zu nachhaltiger Ernährung – ist lecker, macht für den Moment satt, aber nach kurzer Zeit knurrt schon wieder der Magen. So begnadet LaBrie als Sänger auch ist, so glücklos agiert er zumeist mit seinen Soloalben. Catchiness hin und her, aber ein paar Widerhaken hätten es durchaus sein können. Die Göteborg-Metaller der alten Schule, mit denen der Kanadier so gerne kokettiert, können es eben doch besser. Was bleibt, ist das Etikett "nett" – was bekanntermaßen nicht zwingend ein Kompliment ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Agony
  • Letting go

Tracklist

  1. Agony
  2. Undertow
  3. Slight of hand
  4. Back on the ground
  5. I got you
  6. Holding on
  7. Lost in the fire
  8. Letting go
  9. Destined to burn
  10. Say you're still mine
  11. Amnesia
  12. I will not break

Gesamtspielzeit: 49:44 min.

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