Grey Reverend - A hero's lie

Grey Reverend- A hero's lie

Motion / Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 30.08.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Krach und Schmutz und Staub

Es ist jedes Mal die gleiche Nummer: "Der neue Nick Drake!" "Intensiv wie José González!" Ankündigungen können ungerecht sein. Besonders wenn sich dahinter nur die nächste Beschallung für eine lauwarme Runde in der "Neon"-Redaktion verbirgt. Bei L. D. Brown liegen die Dinge aber anders. Als Grey Reverend bekam er für sein Debüt "Of the days" vor zwei Jahren ein wenig verhaltenen Applaus von manchem Kulturteil, doch mehr war offenbar nicht drin. Brown ist aber kein Freund von lauten Tönen, großen Effekten oder besonderen Arrangements. Deswegen gibt es auf seinen Platten auch meistens nur ihn und seine Gitarre zu hören. Mehr nicht. Blues und Folk liegen da nebeneinander und starren in den Sternenhimmel. Und genau das macht Grey Reverend und seinen Sound so besonders. Auch auf seinem zweiten Album "A hero's lie".

Denn Brown erzählt kleine Geschichten in seinen Songs, kurze Skizzen von Gefühlen und Emotionen. Jeder der zehn Songs auf "A hero's lie" ist ein kurzer Moment, so fein und flüchtig, dass die ganze Platte sich wie hingehaucht anfühlt. Selbst wenn wie in "Belafonte" einmal Streicher einsteigen, zieht das nur noch mehr in die Tiefe dieses Albums hinein. Aber wer will das in dieser Ausführlichkeit lesen? Jedes stumpfe Wort über Instrumente kommt alledem nicht nahe. Leg Dich auf eine Wiese, bleib dort, lass die Zeit verstreichen, während "Postcard" oder "My hands" läuft. In jedem Ton schwingt das Grün der Gräser, das Goldgelb der Felder mit. Und wenn auch das als Beschreibung nicht passt, dann lies einfach nicht weiter, sondern tu Dir den Gefallen und hör Dir "A hero's lie" an. "Clear your tears and drown your dreams", mag Brown so lange singen, wie er will. Dieses Album ist zum Versinken geschaffen. In den eigenen Träumen.

Und damit schafft Grey Reverend schon mehr als viele andere Songwriter: Er berührt. Er erzählt. Er nimmt mit. "The payoff" stößt einen in die Einsamkeit, während ein Piano ein paar Tupfer in den Song bringt. Du weißt nicht immer, was Brown da singt, aber verflucht, es hat irgendwas mit diesem Leben da vor der Tür zu tun. Das hat bei ihm wenig von Retrospektive oder Revisionismus. Es ist nostalgisch, aber Brown weiß, dass früher eben nicht alles besser war. Der Sommerregen kommt und wäscht den Dreck vom Asphalt. Erinnerst Du Dich noch, wie es danach roch? Wie die schwere Nässe unter der Wärme bebt? Grey Reverend singt Dir keinen Soundtrack davon, wie es in der großen Stadt ist. Die interessiert nicht. Wieso auch? All der Schmutz und Krach und Staub. Hier dagegen kannst Du Deine Probleme vergessen. Schenk Grey Reverend nur Dein Gehör für ein paar Minuten. Nur für ein paar Minuten. Und das Leben wird klein, zerbrechlich, schmerzhaft - und wunderschön.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • My hand
  • The payoff
  • Postcard

Tracklist

  1. Everlasting
  2. My hands
  3. This way
  4. Only one
  5. The payoff
  6. Little Jose
  7. A hero's lie
  8. Belafonte
  9. Postcard
  10. Fate

Gesamtspielzeit: 38:53 min.

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