Money - The shadow of Heaven

Money- The shadow of Heaven

PIAS / Bella Union / Rough Trade
VÖ: 23.08.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

50 shades of blue

Irgendwas muss sie haben, die englische Stadt Manchester. Vielleicht ist es die Luft im Nordwesten Englands? Oder das Wasser? Oder das Gras, mit dem die Kühe gefüttert werden. Kann doch nicht sein, dass so viele Musiker rein zufällig aus ein und derselben Gegend kommen, Typen, die das popkulturelle Geschehen geprägt oder sogar eigenhändig geschaffen haben. Richard Ashcroft. Ian Curtis. Verdammt noch mal, die Gallagher-Brüder! Ganz zu schweigen von den ganzen Bands, die den Begriff "Madchester" überhaupt erst zu einem gemacht haben. Alles markante Figuren ihrer Zeit, Gesichter, die man kennt, Stimmen, die man unter vielen wiedererkennt. Und doch wäre man wohl noch nie auf die Idee gekommen, das Städtchen als mögliche irdische Station des Himmels zu betrachten. Zumindest nicht, bis man das Debütalbum "The shadow of Heaven" der Band Money gehört hat.

Gar himmlische Töne erklingen da, eine warme Aura umgibt die zehn kleinen Popperlen, die sich dem Hörer da einzeln erschließen, während die Stimme von Sänger Jamie Lee ohnehin klingt, als wäre er mit einer besonderen Gabe gesegnet worden. Klingt abgedroschen? Na klar. Klingt nach viel Pomp? Auf keinen Fall. Man höre sich nur mal die Single "Hold me forever" mit dem wunderbaren dazugehörigen Video an, bei dem der irische Schauspieler Cillian Murphy Regie geführt hat. Ganz sanft und zerbrechlich scheint es da zuzugehen, während die Kamera ein paar Balletttänzern bei ihren elfengleichen Bewegungen folgt, bis einem die Kraft, Körperspannung und Konzentration dahinter überhaupt erst bewusst wird, die diese Kunstform bewusst voraussetzt. Auf die gleiche Art verhält es sich mit der Musik, die so sachte startet, dass man die Berührung der Stimme förmlich spüren kann, bis sich die eigentliche Stärke dahinter überhaupt erst offenbart.

Dann wäre da natürlich auch der Opener "So long", der beinahe klingt wie ein kleines Gebet, bis einen die Worte "It's a shame that God is dead" einmal tief in der Magengrube erwischen und aus dem eben doch vermuteteten Gespräch mit Gott eine kleine Abrechnung geworden ist. Zappenduster wird es auch in "Goodnight London" zu, das Lee wie ein Wiegenlied in die einsame Nacht hinaus zu singen scheint, während "Bluebell fields" für etwas Entspannung sorgt mit seiner leicht poppigen Melodie und dem nicht ganz so fest zupackenden Griff um den Hals. Schließlich wird doch klar, dass keine religiösen Fanatiker hinter Money und "The shadow of Heaven" stecken, sondern vielmehr vier junge Männer auf der Suche nach sich selbst und der Hoffnung, und die dabei auch die Abgründe, die traurigen Seiten, die tiefschwarzen Emotionen des Lebens erkunden. Mit der Piano-Ballade "Black" geht es am Schluss schließlich nach ganz unten, und wenn Sänger Lee zum Schluss den Titel immer und immer wiederholt, ist auch klar, dass Manchester natürlich nicht der Himmel auf Erden ist. Aber, um jemanden so halb zu zitieren, der mittlerweile an beiden Orten war: So schön traurig wie hier kann's im Himmel gar nicht sein.

(Jennifer Depner)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • So long
  • Goodnight London
  • Hold me forever
  • Black

Tracklist

  1. So long
  2. Who's going to love you now
  3. Bluebell fields
  4. Goodnight London
  5. Letter to yesterday
  6. Hold me forever
  7. Cold water
  8. Cruelty of godliness
  9. Shadow of Heaven
  10. Black

Gesamtspielzeit: 50:44 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum