Megadeth - Super collider

Megadeth- Super collider

Tradecraft / Universal
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Gegen die Wand

Ein umgänglicher Zeitgenosse war David Mustaine noch nie. Seine Sturheit und Unbeherrschtheit, insbesondere in Verbindung mit Alkohol und Drogen jeglicher Art, kostete ihn bereits vor dem Debütalbum die Karriere mit Metallica, und auch später waren seine Wutausbrüche legendär. Wer jetzt allerdings meinen sollte, seine Bekehrung als Wiedergeborener Christ hätte daran etwas geändert, liegt ziemlich falsch. Neues Feindbild der Mustaine'schen Tiraden: Barack Obama. So war Mustaine davon überzeugt, Obama habe die Amokläufe von Wisconsin und Colorado inszeniert, um darüber endlich ein Waffenverbot durchsetzen zu können. Respekt, derart steile Thesen liefert sonst nicht einmal Ted Nugent, bekanntermaßen Galionsfigur der ultrakonservativen Musiker in den USA.

Eigentlich also beste Voraussetzungen, um ein so richtig zorniges Album herauszuhauen, giftig wie weiland "Peace sells...but who's buying?". Und in der Tat hämmert "Kingmaker" ziemlich gediegen drauflos, als wollten Megadeth nahtlos zum ziemlich brillanten Vorgänger "Th1rt3en" aufschließen. Perfekt aufeinander eingespielte Riffs sorgen für die ersten Stabilitätsproben für die Nackenmuskulatur, die Soli fiedeln wie eh und je, nur Mustaines Gesang klingt zwar gewohnt schnodderig, aber doch irgendwie tiefer knarzend als gewohnt. Aber okay, so darf's gerne weiter gehen.

Tut es aber nicht. Denn plötzlich scheint Mustaine beim Songwriting von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Grundsätzlich scheinen zum Beispiel der Titeltrack oder "Burn!" die melodiösere Seite von Megadeth zeigen zu wollen. Dass das klappt, haben vor zwei Dekaden die Megaseller "Countdown to extinction" und "Youthanasia" ausdrucksvoll gezeigt. Nur gehört dazu Emotion und Inspiration – und genau das geht "Super collider" auf weiten Strecken komplett ab. Mustaine ist sich bei "Burn!" nicht einmal zu schade, den Spitzenreiter der No-Go-Reime zu bringen, nämlich "Fire" und "Desire". Und nein, das ist leider keine Satire.

Song für Song wächst die Erschütterung über "Super collider", nur noch gerettet durch das gelungene, weil mit zahlreichen Überraschungsmomenten aufwartende "Dance in the rain", bei dem David Draiman (Disturbed) noch einige Vocals beisteuern darf. Irgendwann geht die Schüttelbewegung des Hauptes über in die Horizontale ob der geradezu gelangweilt heruntergerotzten Songs, die fatal an die drogenerschütterten Egotrips zu Zeiten von "Risk" oder "The world needs a hero" erinnern. Wenn hier etwas miteinander kollidiert, dann höchstens Anspruch und Wirklichkeit. Oder Mustaines Kopf mit der Wand, durch die er immer durchbrechen will. Oder aber, viel entscheidender: der Kopf des entsetzten Fans mit der Tischplatte.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Kingmaker
  • Dance in the rain

Tracklist

  1. Kingmaker
  2. Super collider
  3. Burn!
  4. Built for war
  5. Off the edge
  6. Dance in the rain
  7. Beginning of sorrow
  8. The blackest crow
  9. Forget to remember
  10. Don't turn your back...
  11. Cold sweat

Gesamtspielzeit: 45:14 min.

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