Lou Doillon - Places

Lou Doillon- Places

Barclay / Universal
VÖ: 31.05.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Liebe für alle

Carla Bruni macht's ja auch. Und warum sollte man sich als Model / Schauspielerin / Jane-Birkin-Tochter überhaupt rechtfertigen, jetzt also auch als Sängerin das Spielfeld zu betreten? Lou Doillon hat alle Argumente auf ihrer Seite, sogar die Musik. Denn die ist lasziv, sexy, rauchig und steht mit beiden Beinen in der Tradition berühmter französischer Chansonniers wie Suzanne Gabriello, Marianne Dissard oder Zizi Jeanmaire. Doillon reichert ihre kleinen Popsongs mit ein paar Gitarren und zurückgelehnten Rhythmen an und zimmert so den perfekten Soundtrack zur Kerzenlicht-Verabredung.

Okay – Doillon singt auf Englisch über französische Themen. Und dennoch lieben ihre Landsleute die räkelnden Songs der schauspielernden Sängerin und bugsierten das Debüt kurz nach Veröffentlichung mit Hamsterkäufen in die oberen Chartpositionen. Songs wie das traurig-schöne Piano-Drama "ICU" oder der melancholisch vor sich hin walzende Herz-Schmerz-Bolid "Same old game" sind dort auch gut aufgehoben. Denn dieser wohlige Schmerz, den Leonard Cohen und Serge Gainsbourg vor vielen Jahren bereits formvollendet haben, der funktioniert für alle Zeiten auch als Leichtgewicht für noch leichtere Gemüter.

Das einfache Konzept dieses 40-minütigen Schmachtfetzens bleibt sich stets treu, hat keinen Ausfall nach unten – und auch keinen auffälligen nach oben. Lou Doillon singt über die Liebe, ausschließlich. Und natürlich: Aus so einem wunderschön geformten Mund kommt der Liebeskummer noch verbindlicher, existentieller, dringender heraus. Dazu darf dann auch mal die Trompete zum traurigen Stoßgebet aufblasen und das Piano im tiefen Bereich wühlen. Eine Offenbarung wird "Places" deswegen jedoch nicht.

Schön ist vor allem der Engelsgesang im himmlischen "Places", dem Titelsong, den Doillon im Niemandsland dieses Albums versteckt. Plötzlich geht da mit Schellenkranz, überschlagendem Schlagzeug und epochalem Schlussakkord die Sonne auf. Toll ist das. Und beinahe hätte man das überhört, im Herzschmerz-Wust und Sehnsuchts-Wahnsinn. Die Französin Lou Doillon macht auf ihrem Debütalbum fast alles richtig, und das hört man ihm an. Vier Punkte für die Musik. Und einen Bonuspunkt für die Optik.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • ICU
  • Places

Tracklist

  1. ICU
  2. Devil or angel
  3. One day or another
  4. Defiant
  5. Same old game
  6. Jealousy
  7. Make a sound
  8. Hushaby
  9. Questions and answers
  10. Places
  11. Real smart

Gesamtspielzeit: 40:32 min.

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