Counterparts - The difference between hell and home

Counterparts- The difference between hell and home

Victory / Soulfood
VÖ: 26.07.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Scheiße um sie herum

Die Hardcore-Band Counterparts aus Kanada ist seit jeher keine schlechte. Aber sie hat ein Problem, für das sie nichts kann. Denn auch wenn Menschen, deren Schmerzgrenze bis jenseits von Schlumpftechno sensibilisiert ist, es nicht wahrhaben können: Es gibt ihn wirklich. Den fiesen Dreck, der die Ohren zum Bluten bringt. Den unhörbaren Mist, den man am liebsten portofrei return to Abzocker schicken müsste. Die grausig billig gemachten Platten, die offensichtlich nur dazu da sind, ein paar flotte Mücken einzuspielen – und guten Menschen ansonsten gehörig auf den Wecker zu gehen. Victory Records ist ein Plattenlabel aus Chicago, das seine Wurzeln im Do-It-Yourself-Hardcore hat. Aber auch eines, über das Do-It-Yourself-Hardcorebands schon Hasslieder geschrieben haben. Denn: In schöner Regelmäßigkeit nervt Victory Records mit Emo-Alben, die man mit Rasierklingen ausliefern könnte. Und mit Metalcore-Platten, die Schlaftabletten überflüssig machen – eine Revolution. Zurück zur Band Counterparts: Sie veröffentlicht nämlich bei Victory Records, nicht zum ersten Mal. Dabei ist ihr zackig gespielter Hardcore auch auf ihrer neuen "The difference between hell and home"-Platte rasierklingenscharf. Und die Gegenthese zu Schlafmusik. Es ist ein bisschen wie bei der Legende um den Fußballprofi Abédi Pelé. Der unterschrieb bei einem Münchner Fußballverein und merkte erst später, dass es nicht der große FC Bayern, sondern das kleine 60 München war: saudumm gelaufen.

Mit ausufernden Intros und Ansprachen halten sich Counterparts auf "The difference between hell and home" erst gar nicht auf. Genau genommen haben sie kaum Zeit, sich erst mal vorzustellen, da kommt die Platte schon aus den Frühstartlöchern geschossen wie ein Rennhund, der sein Leben lang auf einen Stammplatz an der Pole-Position gedrillt wurde. Dann knattert das Schlagzeug, werden elektronische Gitarren aufgedreht wie der Bohrer beim Zahnarzt – und über allem bellt ein Typ, den man gar nicht zwingend verstehen muss, um zu verstehen, worum es ihm geht. Kurzsilbig wie die Songs auf dieser Platte sind schon deren Namen. "Lost" heißt eine Nummer. "Witness" eine andere. Beide klingen so, als wäre demnächst mit einer gemeinsamen Tour von Counterparts, Comeback Kid und Shai Hulud zu rechnen. Wer bucht schon mal vor? Mehr als zwei Silben bemühen Counterparts die komplette Tracklist nicht, um ihre Platte mit gut abgehangenen und kurzweiligen Hardcore-Songs zu füllen. Bis sie fertig sind. Und ihre Hörer auch.

Dabei sind Counterparts nie so gefährlich, dass man sie in Ketten legen wollte. Sie spielen Hardcore so, wie Pits und Clubs ihn zum Fressen gerne haben: knallig wie ein Korken, der aus der Sektflasche ploppt. Mit vielen Melodien und Breaks dazwischen, Ruhepausen zum Abspritzen und Nachtanken inklusive. Aber: Sie machen das gut. Sehr gut sogar. Zwischendurch können Counterparts auch ganz anders, drosseln ihr Temperament sowie ihre Attitüde und machen aus dem Song "Decay" eine gespenstische Spoken-Word-Einlage. Und können doch eigentlich gar nichts dafür, dass die Typen um sie herum alle so scheiße sind. Wer will's mal mit ihnen versuchen? Wer kann seine Vorurteile zurückhalten? Wer tanzt mit uns zu "The difference between hell and home"?

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Lost
  • Decay
  • Compass

Tracklist

  1. Lost
  2. Ghost
  3. Debris
  4. Outlier
  5. Witness
  6. Decay
  7. Compass
  8. Wither
  9. Cursed
  10. Slave
  11. Soil

Gesamtspielzeit: 39:21 min.

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