The Builders And The Butchers - Western medicine

The Builders And The Butchers- Western medicine

The Instrument Village / Broken Silence
VÖ: 19.07.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Tod lebt!

Da ist er ja wieder, und auch noch putzmunter! Oder etwa doch nicht? Die tote Person auf dem Cover des Albums "Dead reckoning" – ist das ein kleiner Junge? Oder doch ein erwachsener Mann, der nur etwas jüngelnd aussieht? Das wieder einmal vom befreundeten Künstler Lukas Ketner entworfene Bild für "Western medicine" zeigt den wohl selben Jungen spielend am Eingang zu den Toren der Hölle. Im Hintergrund schippert Gevatter Tod über den Styx direkt in den Hades, vorbei an schaurig-seltsamen Pyramiden, Draisine fahrenden und menschengroßen Ratten sowie einem verrückten Professor. Was will uns der Künstler damit sagen? Keine Ahnung, aber immerhin führt das Bild auf die richtige Fährte: The Builders And The Butchers sind noch etwas tiefer hinabgestiegen in die Welt der verlorenen Seelen.

Düster muss es dort sein, wo der noch immer sehr nach Colin Meloy klingende Ryan Sollee und seine Kumpanen ihren mit etwas Prog geschmückten Folk entwerfen, "room to room with the devil", wie Helge Schneider singen würde. Sensenmann und Teufel sind die Hauptmotive der Texte Sollees, um die anschließend die Musik choreografiert wird. "Western medicine" rumpelt wieder wunderbar vor sich hin und zerlegt zeitweise das, was The Decemberists immer so mühsam aufbauen. "Pennies in the well" und "The snow" bestechen dazu durch Mariachi-Bläser und galoppierende, schneidende Drums und erinnert damit an den Soundtrack eines blutigen Westerns. Hier aber, im Mittelteil, droht sich das mit fast einer Stunde Spielzeit etwas zu lang geratene Album kurzzeitig zu verlieren. Die Herren aus Portland wollen von allem zu viel, vor allem etwas zu viel Homogenität.

Die Platte findet hinten raus dennoch ihren Seelenfrieden. Den Anfang macht der programmatische "Redemption song", der vom abschließenden Gospel "Take me home" gekrönt wird. Bruce Springsteen wäre wahrscheinlich stolz darauf, Letzteren auf einer seiner Soloplatten zu sehen. Sollee war schneller und zeigt mit "Western medicine" in seinen besten Augenblicken, was tatsächlich in ihm steckt, wenn er die komplexen Gesangs- und Rhythmusstrukturen kurz beiseitelässt, den ganzen Dreck und Staub aus dem Weg räumt, und sein Herz nach vorne treten lässt. Der Hölle sind The Builders And The Butchers mit "Western medicine" noch einmal entkommen, dem Sensenmann von der Schippe gesprungen. Aber so schlimm war es da unten ja anscheinend auch gar nicht.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Blood runs cold
  • Pennies in the well
  • Take me home

Tracklist

  1. Blood runs cold
  2. Dirt in the ground
  3. No roses
  4. Desert on fire
  5. Pennies in the well
  6. Watching the world
  7. Hellfire mountain
  8. The snow
  9. Poison water
  10. Redemption sound
  11. Ceceil
  12. Take me home

Gesamtspielzeit: 59:33 min.

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