Chewy - Somanydynamos

Chewy- Somanydynamos

B-Track Europe / Supermusic
VÖ: 17.06.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heiter bis wolkig

Wir kennen das ja alle. Man freut sich wochenlang wie ein Kleinkind auf die Zeit der kurzen Röcke und Nächte, aber der Sommer will mal wieder nicht so richtig kommen. Zwar blitzen hier mal ein paar Sonnenstrahlen auf und dort steigt das Thermometer in erfreulich grillabendkompatible Regionen, doch wenig später ist es mit der Herrlichkeit auch schon wieder vorbei. Gewitterwolken, Regenschauer und empfindlich frische Abende. Auch die fünf Schweizer Jungs von Chewy könnten davon wohl ein Lied singen. Und tun es auch.

Wer "Black belt", den Opener ihrer zweiten Platte "Somanydynamos" einmal im Sinn hat, der hat auch die Sonne im Herzen und den Schweiß auf der Stirn. "Come on and take the summer!" fordert ein bis auf die Badehose entkleideter Sänger, während sich ein schickes Gitarrenriff ein gemütliches Ferienhäuschen im Ohr seiner Zuhörer einrichtet. Fast sieht es so aus, als müsse in diesem Jahr niemand fragen, wann es denn bitte mal wieder so richtig Sommer werde - die heiße Jahreszeit scheint bereits gerettet. Doch leider nur fast.

Chewy selbst haben nämlich gar keinen Bock darauf, in Swimming-Pools herumzutollen und sich den Pelz zu verbrennen. Statt ihrem veritablen Sommerhit ein paar ähnliche Kaliber nachzuschieben, servieren sie im weiteren Verlauf von "Somanydynamos" lieber eine ordentliche Schippe Merkwürdigkeit, die sich weit weniger leicht verdaulich präsentiert. In "Call of the wild" zocken die beiden Gitarristen drei Minuten lang ohne erkennbares Ziel auf ihren Instrumenten herum, und auch in "Winnetoo" warten wir vergeblich auf Gesang oder gar eine weitere Killerhookline. Kollektives Kopfkratzen statt allgemeiner Ausgelassenheit.

"Somanydaynamos" taugt also nur bedingt zum Soundtrack für die nächste Strandparty, geht dafür aber in seinen guten Momenten ähnlich intensiv unter die Haut, wie ein frühsommerlicher Kälteeinbruch, wenn kein wärmendes Strickjäckchen zur Hand ist. "December" ist nicht nur namentlich das völlige Gegenteil eines strahlenden Gute-Laune-Smashers, es zeigt sich in seinen fünf Minuten auch so brüchig und melancholisch, daß die warmen Gedanken im Nu durch kalte Tränen ersetzt werden. "And Art Garfunkel, where are you? / Somewhere buried in the snow / Leave me all alone, how dare you?" Wundervoll. Aber dann schrubbt plötzlich wieder einer seine Gitarre und schneidet dem Song die Kehle durch. Es wird ein eigenartiger Sommer, dieses Jahr.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Black belt
  • December
  • King of the hill

Tracklist

  1. Black belt
  2. Bushes
  3. December
  4. Call of the wild
  5. Ain't no light
  6. Tornado
  7. Virgin forest
  8. King of the hill
  9. Winnetoo
  10. Dreamland
  11. Where'd you go

Gesamtspielzeit: 44:44 min.

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  • Chewy (8 Beiträge / Letzter am 19.09.2007 - 00:35 Uhr)