Various Artists - Sing me the songs: Celebrating the works of Kate McGarrigle

Various Artists- Sing me the songs: Celebrating the works of Kate McGarrigle

Nonesuch / Warner
VÖ: 19.07.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kate night show

Proserpina pflückte gerade Blumen an den Hängen des Ätna, als die düstere Gestalt Pluto erschien, sie in sein von vier schwarzen Hengsten gezogenes Pferdegespann zerrte und in die Unterwelt verschleppte. Ihre Mutter war untröstlich. Die kanadische Folksängerin Kate McGarrigle widmete diesem Szenario ihren allerletzten Song. "Come home to mama", sang sie darin und meinte damit nicht nur besagte Szene aus der Mythologie, sondern auch sich selbst. McGarrigle wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass sie bald ins Reich der Toten entführt werden würde, obwohl es noch eine Menge Blumen zu pflücken gegeben hätte. Sie verstand ihr nahendes Ableben aber auch als Heimkehr zu Mutter Erde. Beruhigenderweise hatte McGarrigle bereits in den Siebzigern zwei vielversprechende Ableger gepflanzt, einen Sohn und eine Tochter: Rufus und Martha Wainwright.

Während Proserpinas Eltern, Jupiter und Ceres, mit Pluto aushandelten, dass ihre Tochter nur die Hälfte des Jahres in der Unterwelt verbringen musste, überlegten sich auch die Hinterbliebenen von McGarrigle, wie man den Abschiedsschmerz erträglicher machen könnte. Sie wollten alles dafür tun, um das Schaffen der Singer-Songwriterin lebendig zu halten und einem größeren Publikum vorzustellen. Hätte McGarrigle sich nicht bewusst den Gepflogenheiten der Musikindustrie verweigert, wäre sie mit ihrem außergewöhnlichen musikalischen Talent noch viel weiter gekommen als ihre beste Freundin Emmylou Harris. McGarrigles Debüt, das sie, wie alle zehn folgenden Alben, im Duo mit ihrer Schwester Anna veröffentlichte, wurde 1975 von der renommierten britischen Musikzeitschrift Melody Maker zur Platte des Jahres gekürt und sogar in die Hitliste der New York Times gewählt, auf Platz 2. Produziert hatte das Werk Joe Boyd, der bereits mit Nick Drake, Fairport Convention und Pink Floyd zusammengearbeitet hatte.

Dreieinhalb Jahrzehnte später: Besagter Joe Boyd ist es, der seit dem Tod der Künstlerin im Januar 2010 jährlich stattfindende Tribute-Konzerte kuratiert, deren Erlös der Kate McGarrigle Foundation zugute kommt – einer Stiftung, die sich zum einen dem Erhalt des Lebenswerkes ihrer Namensgeberin widmet, zum anderen Spenden für die Krebsforschung sammelt. Eine im Mai 2011 in New York zelebrierte Tribute-Show wurde für Lian Lunsons Dokumentation "Sing me the songs that say I love you: A concert for Kate McGarrigle" aufgezeichnet, offizieller Soundtrack ist eine Doppel-CD namens "Sing me the songs: Celebrating the works of Kate McGarrigle", die aber auch Mitschnitte der Tribute-Konzerte 2010 in London und 2012 in Toronto enthält. Dort versammelte sich nicht nur ihre höchst musikalische Familie, um McGarrigle zu huldigen und inbrünstig ihre Lieder darzubieten, sondern auch eine illustre Auswahl prominenter Gäste.

Norah Jones singt eine herzzerreißende Version von "(Talk to me of) Mendocino", Emmylou Harris präsentiert den sehr persönlichen letzten Gruß "Darlin' Kate", Broken Social Scene interpretieren "Mother mother" und sogar Talkshow-Moderator Jimmy Fallon gibt sich tirilierend die Ehre, inklusive eindrucksvoller Löffel-Percussion. Antony singt ohne seine Johnsons, dafür im Duett mit Rufus Wainwright, das rührende "I cried for us", eines von McGarrigles vielen Trennungsliedern, die weitgehend vom Ende ihrer turbulenten Ehe mit Musikerkollege Loudon Wainwright III inspiriert gewesen sein dürften – der McGarrigle kurz nach deren Tod und mehr als 30 Jahre nach der Scheidung trotzdem seinen ersten Grammy widmete. Anfang der Achtziger scheiterte auch die Ehe von Linda und Richard Thompson, was zudem ihr gemeinsames musikalisches Schaffen beendete. Auf der Bühne kamen sie nun aber noch einmal zusammen, um zu Ehren ihrer Weggefährtin McGarrigle deren Stück "Go leave" zu performen. Natürlich ein Trennungslied. Thompson-Sohn Teddy, selbst ein außerordentlich begabter Sänger und Songschreiber, ist ebenso auf dem Doppelalbum vertreten - mit einer himmelhohen Version von McGarrigles "Saratoga summer song". Wenn man an den 34 Darbietungen unbedingt einen Kritikpunkt finden möchte, wäre höchstens der teilweise etwas unsaubere Live-Sound zu erwähnen.

Ein unerwarteter Höhepunkt ist der Beitrag von Krystle Warren, Backgroundsängerin in Rufus Wainwrights Band mit knospender Solokarriere, die eine umwerfende Fassung von "I don't know" liefert. McGarrigles Kinder glänzen sowieso, mal alleine (insbesondere Martha mit "Matapedia"), mal im Duett, mal nur in Begleitung von Gitarre oder Klavier, mal mit einer opulent aufspielenden Band an ihrer Seite. Aber immer mit maximaler Hingabe. McGarrigles Schwestern Anna und Jane, Nichte und Neffe, sogar die Ex-Schwägerin – alle sind sie dabei und singen in den unterschiedlichsten Konstellationen. Zum großen Finale wird schließlich gemeinsam das ausgesprochen fröhliche "Love over and over" intoniert, und ganz am Ende der beiden CDs gibt es jeweils noch eine Überraschung: McGarrigle ist selbst zu hören. Mit zwei ihrer letzten, zu Hause aufgenommenen Demos, darunter auch "Proserpina". Und dann macht sich das Gefühl der Unmöglichkeit breit, McGarrigle und ihrem Werk mit Worten auch nur annähernd gerecht zu werden. Aber niemand hat es so charmant versucht wie Emmylou Harris: "You fed our souls / You filled our cup / With your perfect words / And, oh, that voice / We fell in love / We had no choice." Wie wahr.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • (Talk to me of) Mendocino (Norah Jones)
  • Matapedia (Martha Wainwright)
  • Saratoga summer song (Teddy Thompson)
  • I don't know (Krystle Warren)
  • Proserpina (Kate McGarrigle, Sloan Wainwright, Martha Wainwright)
  • I cried for us (Rufus Wainwright and Antony)

Tracklist

  • CD 1
    1. Kiss and say goodbye (Rufus Wainwright, Anna McGarrigle, Martha Wainwright)
    2. Southern boys (Rufus Wainwright)
    3. (Talk to me of) Mendocino (Norah Jones)
    4. Entre la jeunesse et la sagesse (Rufus Wainwright, Anna McGarrigle, Emmylou Harris)
    5. Matapedia (Martha Wainwright)
    6. I eat dinner (Rufus Wainwright and Emmylou Harris)
    7. Swimming song (Jimmy Fallon)
    8. Saratoga summer song (Teddy Thompson)
    9. Tell my sister (Martha Wainwright)
    10. I don't know (Krystle Warren)
    11. First born (Rufus Wainwright and Martha Wainwright)
    12. Heart like a wheel (Emmylou Harris, Anna McGarrigle, Krystle Warren, Martha Wainwright, Lily Lanken)
    13. Go leave (Antony)
    14. As fast as my feet can carry me (Emmylou Harris and Norah Jones)
    15. Walking song (Rufus Wainwright)
    16. Proserpina (Kate McGarrigle, Sloan Wainwright, Martha Wainwright)
  • CD 2
    1. I am a diamond (Martha Wainwright and Rufus Wainwright)
    2. Mother mother (Broken Social Scene)
    3. On my way to town (Anna McGarrigle, Lily Lanken, Sylvan Lanken)
    4. Over the hill (Norah Jones and Lily Lanken)
    5. I cried for us (Rufus Wainwright and Antony)
    6. The work song (Justin Vivian Bond)
    7. Come back baby (Jenni Muldaur)
    8. Oliver (Rufus Wainwright)
    9. Dans le silence (Robert Charlebois and Anna McGarrigle)
    10. Jacques et Gilles (Anna McGarrigle and Lily Lanken)
    11. All the way to San Francisco (Martha Wainwright)
    12. Tell my sister (Peggy Seeger)
    13. Travelling on for Jesus (Chaim Tannenbaum)
    14. Go leave (Linda Thompson and Richard Thompson)
    15. Darlin' Kate (Emmylou Harris)
    16. Dink's song (Anna McGarrigle, Chaim Tannenbaum, Lily Lanken, Rufus Wainwright, Martha Wainwright)
    17. Love over and over (Ensemble)
    18. I just want to make it last (Kate McGarrigle)

Gesamtspielzeit: 129:34 min.

Referenzen

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