Waxahatchee - Cerulean salt

Waxahatchee- Cerulean salt

Wichita / PIAS / Rough Trade
VÖ: 28.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Grassflecken

"Weak knees / Fuck your sympathy / I'll be my own best friend." Katie Crutchfield ist Mitte 20, kann auf einige mittelerfolgreiche Bands der Vergangenheit zurückblicken wie die ziemlich gewitzten P.S. Eliot oder Bad Banana, in denen sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Allison herrlich rumpeligem Lo-Fi-Punk fröhnte. Und sie schreibt einen Satz nach dem anderen, den man sich im Gedanken an die künftigen Kämpfe mit Windmühlen des nachts gegenseitig mit ranzigem Besteck in der Hand und dem Suff im Schädel unter die Haut stechen will.

Schon das Solodebüt "American weekend", das Waxahatchee für 2011 in einer Woche im Elternhaus zusammenschraubte, erhielt völlig zurecht wohlwollende Kritiken für Songperlen wie das ungemein zwingende "Rose, 1956", das Crutchfield der Oma widmete. Im Gegensatz zum starken Debüt klingt "Cerulean salt" satter, punkiger, eher nach Bandgefüge als nach ewigen Soloumkreisungen. Und im Gegensatz zu manch anderer Folkgroßtat diesen Jahres wie Groupers letztem Streich, besticht Waxahatchee noch immer durch ihre überrumpelnde Unmittelbarkeit: Kein Mysterium, keine charismatischen Eitelkeiten und bloß kein Virtuosentum. "Cerulean salt" reduziert – vordergründig – die Komplexität auf einige wenige Akkorde und ein Schlagzeug wie von Oskar Matzerath bedient. Aber die Naivität ist hier bloße Erzählstrategie, um die Zwiespältig- und Unaussprechlichkeiten des Alltags umso genauer in den Blick zu bekommen.

"Dixie cups and jars" macht sich geradezu epische Dreiminutendreißig einen Spaß daraus, den großen Ausbruch anzukündigen – und dann auszulassen. Auf das luftige "Coast to coast" wären auch Weezer stolz gewesen und bei der Gitarrenwand, gegen die der Quickie "Misery over dispute" einen schiebt, will ohnehin kein Mensch mehr Zweifel an der Qualität der Outputs äußern. "Cerulean salt" ist vertonte Lakonie, der Gegenentwurf zum großen "Larger than life"-Popbetrieb. Ach, sollte übrigens irgendwann Teil zwei von "Juno" gedreht werden, bitte Waxahatchee für den Soundtrack einladen. Kurzum, Waxahatchees Album Nummer zwei könnte die stärkste Sieben des Jahres sein. Da bleibt es wohl auf ewig ein Rätsel, woher diese Frau all das Pech in der Liebe nimmt. Und, schon einen tattoowürdigen Satz ausgesucht?

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Dixie cups and jars
  • Blue Pt. II
  • Misery over dispute

Tracklist

  1. Hollow bedroom
  2. Dixie cups and jars
  3. Lips and limbs
  4. Blue Pt. II
  5. Brother Bryan
  6. Coast to coast
  7. Tangled envisioning
  8. Misery over dispute
  9. Lively
  10. Waiting
  11. Swan dive
  12. Peace and quiet
  13. You're damaged

Gesamtspielzeit: 32:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

humbert humbert

Postings: 1799

Registriert seit 13.06.2013

2014-01-20 14:52:56 Uhr
Gerade erst entdeckt & es gefällt - musikalisch wie textlich. Hier eine schöne Liveversion einer ihrer Songs.
Andrew W.K.
2013-10-01 11:10:40 Uhr
Voll der öde Hippiemist.

dogs on tape

Postings: 181

Registriert seit 14.06.2013

2013-09-30 21:00:55 Uhr
Im Oktober in D auf tour. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester, die im Vorprogramm mit ihrer Band Swearin' spielt. Die gehen noch mehr nach vorne. http://www.ifyoumakeit.com/album/swearin/swearin Hier gibts das Album. Das 12 Songs umfassende Album klingt wie eine einzige große Hitsingle, unzählige Hooks herrlich runtergeschrammelt.

saihttam

Postings: 1435

Registriert seit 15.06.2013

2013-07-29 01:34:32 Uhr
gut, das könnte Sinn ergeben. Aber dann sollen sich die ganzen Experten auch mal in den Threads zu den besagten Alben äußern, wenn sie sich so gut auskennen. Das würde die Diskussionskultur doch deutlich beleben.

AndreasM

Postings: 400

Registriert seit 15.05.2013

2013-07-29 00:49:05 Uhr
ich würde vermuten, das bezieht sich wohl auf das Wettbüro, wo die Platte in den letzten Wochen sehr häufig und beharrlich als AdW getippt wurde.
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