Maur Due & Lichter - This night was meant to stay

Maur Due & Lichter- This night was meant to stay

LasVegas / Broken Silence
VÖ: 05.07.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Gewöhnungsbeauftragten

Manchmal mag man einfach beides: Ärzte und Hosen. Techno und Metal. Live und auf Platte. Und obwohl manche Dinge gar nicht so gegensätzlich sind wie alle behaupten – irgendjemand guckt immer blöd. Mauricio Duda und Daniel Lichter mögen beides: Akustikgitarre und Synthesizer, Schlagzeug und Drumcomputer. Zugegeben, die Musikwelt hat schon weitaus schrägeres erlebt als Elektronik und Akustik auf einer Platte. Aber die beiden Wiener scheinen sich als Wellnessbeauftragte mit Samthandschuhen zu verstehen. Auf wilde Crossover-Achterbahnfahrten verzichten sie lieber, stattdessen geht es um sanfte Gewöhnungsprozesse.

Das Debütalbum "Another day" begann als folkige Pop-Platte, bevor sich nach und nach artifizielle Klänge dazumischten, die Bassdrum härter wurde, die Effektgeräte schneller blinkten. Wer bei "Midi" an mittellange Damenröcke denkt und beim Klang eines Synthesizers "Hilfe, Techno!" schreit, konnte einen wohlbehüteten Schritt in Richtung Heilung gehen. Wer einfach auf der Suche nach schöner Popmusik war, wurde ebenfalls bedient. Damit sich auch ja niemand vernachlässigt fühlt, gehen die beiden Gutmenschen hinter Maur Due & Lichter mit ihrer zweiten Platte den genau entgegengesetzten Weg: "This night was meant to stay" ist vornehmlich ein Elektronica-Album mit Popeinschlag, erst gegen Ende wird der Stecker wieder gezogen und damit der Bogen zum Debüt geschlagen.

Hach, klingt das alles schön rund! Fast wie ein Disney-Film ohne Bösewicht. Wie Weihnachten ohne Stress. Wie Sommer ohne Sonnenbrand. Das könnte ja glatt langweilig werden. Tatsächlich leidet "This night was meant to stay" aber nur selten unter seiner Gefälligkeit. Ab und zu hätten ein paar Ecken und Kanten mehr nicht geschadet, vielleicht bleibt das Gehörte deshalb nicht besonders lange wirklich präsent im Gedächtnis. Trotzdem hört man dem Duo über weite Strecken einfach gerne zu. Die Platte eignet sich hervorragend als Hintergrundmusik für alle möglichen Situationen - und das klingt negativer, als es sollte. "This night was meant to stay" ist ein sehr atmosphärisches Album. Maur Due & Lichter wollten den Verlauf einer Wiener Party-Nacht musikalisch festhalten und die dort gewonnenen Eindrücke in eine Art Soundtrack packen.

Das loungige "Oni" wäre dann das erste Bier in der WG-Küche, "How long" der erschöpfte Spaziergang Richtung Sonnenaufgang. Ob das Wiener Nachtleben wirklich so entspannt aussieht wie die Tracks dazwischen klingen, kommt wohl auf den Blickwinkel an. Stücke wie "Our brittle youth" mit Saxophoneinlage oder "Bright lights big city" dürften sich beim gemütlichen In-der-Sonne-liegen aber genauso gut machen. "Maybes" lässt kurz vor Schluss, vielleicht einen Tick zu spät, zum ersten Mal wirklich aufhorchen: Gesang und Akustikgitarre schaffen eine vollkommen andere Atmosphäre, könnten von einem anderen Album stammen, geben diesem hier aber den notwendigen Überraschungsmoment, den es nach einer halben Stunde entspanntem Elektropop dringend braucht. Jede noch so schöne Nacht endet dann aber meistens doch mit einem viel zu lauten Wecker. Und der Albumtitel bekommt gleich eine ganz andere Bedeutung.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Never found a way
  • Bright lights big city
  • How long

Tracklist

  1. Oni
  2. Mercury rising (City's life)
  3. Our brittle youth
  4. Faces
  5. Never found a way
  6. Spiral tribe
  7. Bright lights big city
  8. Cruiser
  9. Maybes
  10. Eden's weather
  11. How long

Gesamtspielzeit: 40:16 min.