Big Black Delta - Big Black Delta

Big Black Delta- Big Black Delta

Motor / Edel
VÖ: 28.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kopf frei

Die größte Gabe, die man besitzen kann? Das Alphabet fehlerfrei rülpsen? Wie Charlie Harper und Hank Moody leben, trotzdem von Geschlechtskrankheiten verschont bleiben und zudem noch Top-Leberwerte haben? Trotz Arbeitsverweigerung nicht gefeuert werden? Man sieht: alles Auslegungssache. Jonathan Bates beantwortet die eingangs gestellte Frage, ohne sie jemals gestellt bekommen zu haben. Für ihn ist die größte Gabe der gedankliche Mittelfinger, ein synaptisches Sorgentelefon ohne Anschluss oder um im Zitat zu bleiben: einen Scheiß darauf geben, was andere von Dir denken. Empathie und Sympathie nicht verlieren, aber künstlerisch sorgenfrei agieren. Und so klingt mitunter denn auch sein Projekt Big Black Delta.

Bates hat die Lizenz zum Fluchen. Deshalb kommt seine Liebesbekundung "IFUCKINGLOVEYOU" nicht ohne verbalen Ausrutscher aus. So dringlich und vehement der Titel gewählt ist, so wenig steht das Stück dem musikalisch nach. Mit Dance-Operetten-Noise-Punk ist das vermutlich nur unzureichend beschrieben, aber Bates schreit die Worte so vehement heraus, dass Galle, Wut und Tränen sich ein Duell ums dicke Ende liefern. Der Witz: Das ist natürlich 110 Prozent über Wahn und dennoch auf skurrile Weise eingängig. Und beim Befolgen der Regel, einfach alle Regeln zu zerhacken, hilft in besagtem Song und auf Teilen des Albums Alessandro Cortini, Livemusiker der Nine Inch Nails.

So herausfordernd steht der gebürtige Venezolaner, der früher in der Rockband Mellowdrone spielte, dem Hörer auf "Big Black Delta" allerdings nur selten gegenüber. Bates' Ziel ist eigentlich bloß, ihm sein Verständnis von Pop zu vermitteln. Das dürfte sich mit dem von M83 decken, da es nicht ohne eine breite Wand aus Synthies auskommt – einmal als angenehm einnehmende Flutwelle in "Capsize", dann als schwergewichtige Marathonläufer bei "Put the gun on the floor" oder so, als würden ein hupender 40-Tonner und eine Dampflok mit Woodkid-Pomp "Betamax" und "The zebrah" in Grund und Boden rammen. Gelegentlich schnauft die Breitwand durch. Dann klingelt Bates mit Kuhglocken, lässt Flöte und Bassklarinette "Money rain down" bespringen und mit "Dreary moon" erahnen, wie es wohl wäre, wenn Kapitän Heinz Weiss David Bowie auf dem Traumschiff begrüßt. Und das sind Hirngeburten, die wahrlich nur ein freier Kopf erspinnen kann.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Huggin & kissin
  • Capsize
  • IFUCKINGLOVEYOU
  • Dreary moon

Tracklist

  1. Put the gun on the floor
  2. Side of the road
  3. Huggin & kissin
  4. Capsize
  5. Money rain down
  6. Betamax
  7. The zebrah
  8. IFUCKINGLOVEYOU
  9. X22
  10. Dreary moon
  11. PB3
  12. Into the night
  13. Love you this summer

Gesamtspielzeit: 55:36 min.

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