Beach Day - Trip trap attack

Beach Day- Trip trap attack

Kanine / Al!ve
VÖ: 28.06.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Rücksitzgerichteten

Eine erste Reaktion auf den Albumtitel könnte darin bestehen, einen alten Witz aufzuwärmen, in dem Fallensteller und Geschlechtskrankheiten vorkommen. Das wäre natürlich viel zu albern. Andersherum aber auch nicht viel bescheuerter als die Idee, auf dem Cover ein Krokodil vor Urlaubspostkarten-Badepanorama einen Edelstein fressen zu lassen. Zumal die possierlichen Viecher meist eher Appetit auf komplexere Kohlenstoffverbindungen haben – vorzugsweise auf aufrecht gehende mit zwei Ohren dran. Tja, so ein gefräßiges Reptil kann einem den Tag am Meer schon ordentlich vermiesen. Im Gegensatz zu Beach Day aus Hollywood, die man sich am besten so vorstellt: Gitarristin Kimmy Drake und Bassistin Natalie Smallish sonnenbebrillt in luftigen Strandkleidchen, Drummer Skyler Black mit Surfbrett unter dem einen und Boombox unter dem anderen Arm, wobei aus Letzterer zauberhafter Sixties-Pop quillt. Wenn die neben einem auf ihren Handtüchern liegen, ist Unterhaltung garantiert.

Schade nur, dass genau das kaum passieren wird: Am Strand sind die drei allenfalls nachts anzutreffen, wenn man ihnen glauben darf. Tagsüber ziehen Beach Day es vor, sich mit Ex-Dirtbombs-Bassist Jim Diamond im Studio zu verrammeln und Lieder aufzunehmen, deren Titel die Interessen der weiblichen Mitglieder vermutlich treffend umreißen: "Walking on the streets", um "Boys" aufzugabeln, die womöglich erst "Seventeen" sind und denen man flehentlich "Come back to me" hinterherrufen kann, wenn sie sich dann wieder aus dem Staub gemacht haben. Man sieht: Die sonnendurchfluteten Songs des Trios sind genauso bunt und bekömmlich wie die Drinks aus ihrer wahrscheinlich quietschgelben Kühltasche. Und höchstens dann "A little weird", wenn das gleichnamige Stück The White Stripes' "Fell in love with a girl" und Buzzcocks' "What do I get?" gemeinsam in die Garagen-Zentrifuge schickt und den oder die Ex am liebsten hinterherbefördern würde. Dumm, dumm, Girls und Boys – aber auch ziemlich schön.

Beach Day ist es nämlich egal, ob No Joy ihren an sich lieblichen Dream-Pop ständig bis zum Rand mit Feedback auffüllen oder Chains Of Love im Video durch ein düsteres Albtraum-Motel irren, an dem auch David Lynch seine Freude hätte. Drake erzählt zu berauscht-temporeichen bis schwelgerisch seufzenden Songs lieber von Jungs, Mädels und dem, was zwischen ihnen passiert, während Orgeln und Keyboards vorwitzig sprotzen und die Leadgitarre beim frenetischen "Stay" mit Power-Pop nicht bloß flirtet, sondern ihm heftig an die Wäsche geht. Im charmanten Titelstück haucht die Frontfrau dann lediglich vordergründig verzweifelt "I'm stuck in a car with you again" – weiß aber bestimmt, dass es bedeutend schlechtere Orte gibt. Letztendlich interessiert es also herzlich wenig, dass "Trip trap attack" ein zwar prächtiges, aber auch fortschrittsresistentes Album ist, denn vom (Rück-)Sitz reißen lässt man sich davon trotzdem gerne. Nur bitte jetzt noch nicht: Es gibt da noch etwas zu – nun ja – besprechen. Unter vier Augen, versteht sich.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Boys
  • Stay
  • Trip trap attack
  • A little weird

Tracklist

  1. Walking on the streets
  2. Boys
  3. Beach day
  4. Stay
  5. Seventeen
  6. Trip trap attack
  7. A little weird
  8. Come back to me
  9. Wasting all my time
  10. Am I the only one
  11. We've gotta go

Gesamtspielzeit: 32:52 min.